Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Eisprinzessin Malu ist Juniormeisterin
Lokales Stormarn Eisprinzessin Malu ist Juniormeisterin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:10 04.03.2017
Sie strahlt über das ganze Gesicht und hat auch allen Grund dazu: Malu Chayenne Heß (18) aus Meddewade hat erneut ihren Titel als Hamburger Juniorenmeisterin verteidigen können. Quelle: Hess
Anzeige
Meddewade

Sie strahlt über das ganze Gesicht und hat auch allen Grund dazu: Malu Chayenne Heß (18) aus Meddewade hat erneut ihren Titel als Hamburger Juniorenmeisterin verteidigen können. Zu heißen lateinamerikanischen Rhythmen legte sie eine Kür aufs Eis, die alle Preisrichter restlos überzeugte. Zuvor war sie schon aus dem Norddeutschen Kürwettbewerb in Mellendorf erfolgreich hervorgegangen.

 

Anzeige
Malu Chayennes Kür, mit der sie auch in Hamburg antrat, ist mit südamerikanischen Rhythmen unterlegt. Quelle: Fotos: Privat/hfr
Stolze Empfängerin der Siegerurkunde.

„Ich bin sehr glücklich, dass es so gut geklappt hat“, sagt Malu Chayenne. Schließlich hatte sie beim Wettbewerb in Hamburg einiges riskiert. Zum ersten Mal wagte sie, den Salchow dreifach zu springen und das bescherte ihr eine hohe Punktzahl. „Von Jahr zu Jahr wächst man mit neuen Herausforderungen und probiert viel aus. Die Doppelsprünge beherrsche ich und den Dreifach-Salchow hatte ich auch schon geübt. Aber selbst wenn er im Training klappt, kann im Wettbewerb alles schief gehen. Bei der Kür ist das immer etwas anderes“, erklärt die junge Eiskunstläuferin.

Auch für die nächsten Wochenenden ist Malu Chayenne komplett ausgebucht. Bei den Vereinsmeisterschaften des HSV, zu dem sie inzwischen gewechselt ist, hofft sie ebenfalls auf eine Spitzenplatzierung.

Anschließend folgen Wettkämpfe in Bremen und Berlin. Das i-Tüpfelchen der Saison aber wird der internationale Wettbewerb Mitte April in Paris sein. Zweimal ist die Meddewaderin dort schon gestartet.

Im Vorjahr belegte sie den 6. Platz. „Das ist ganz gut gelaufen. Und das eigene Land zu vertreten ist schon etwas Besonderes“, sagt sie stolz.

Um ihren Stil zu verbessern trainiert Malu Chayenne hart. Nicht nur die artistischen Sprünge, jede Handbewegung muss perfekt sitzen und stets gleich aussehen. Nahezu täglich ist sie auf dem Eis anzutreffen, mal in Hamburg, mal in Timmendorf. Vor einigen Wochen klang die junge Sportlerin indes alles andere als zuversichtlich. Da schien von einem zum anderen Moment die Welt zusammenzubrechen, Tränen flossen. Denn der Stundenplan an ihrer Schule war so verändert worden, dass sie täglich bis 15 Uhr Unterricht haben sollte. Das kollidierte mit ihren Trainingszeiten und Malu Chayenne sah ihre Felle fortschwimmen.

„Das war noch vor den Meisterschaften. Ich hatte sogar schon überlegt, die Schule zu wechseln“, erzählt sie. Doch das war zum Glück nicht nötig. Denn die Leitung der Dietrich-Bonhoeffer-Schule, an der sie das Sport-Profil belegt hat, zeigte sich sehr verständig und stellte die Eisprinzessin für ihr Training vom Nachmittagsunterricht frei. „Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt sie. Den versäumten Stoff muss sie aber zu Hause nachholen.

Das dürfte der ambitionierten jungen Frau nicht schwer fallen, glänzt sie doch auch in der Schule. Wegen ihrer guten Noten avancierte sie zur Klassenbesten. „Wenn ich etwas mache, dann auch ganz. Ich gehe sehr gern zur Schule. Wenn ich schon arbeiten müsste, könnte ich meinen Sport gar nicht betreiben“, sagt Malu Chayenne.

Sie ist dankbar für jede Unterstützung. So hat sich jetzt ein Sponsor gefunden, der ihre Schlittschuhe und deren Pflege finanziert. Und sehr gefreut hat sie sich auch, dass die Timmendorfer unlängst mit so überzeugender Mehrheit von 82,88 Prozent für die Sanierung der Eishalle gestimmt haben. „Wenn sie geschlossen würde, wäre das für mich eine Katastrophe“, sagt Malu Chayenne. Die Betreiber seien ihr gegenüber stets sehr kulant gewesen. So dürfe sie schon vor der offiziellen Laufzeit in der Halle trainieren.

Ohne die tatkräftige Hilfe ihrer Mutter wäre die junge Eisläuferin aber aufgeschmissen. „Ich habe einfach keine Zeit, den Führerschein zu machen“, erzählt Malu Chayenne. Wann immer sie zum Training oder zu Wettkämpfen muss, ihre Mutter begleitet sie. „Wir sind ständig auf Achse. Meine Tochter hat großen Ehrgeiz“, sagt Roswitha Heß lachend. Obgleich sie die Strecken zu den Eishallen schon längst im Schlaf kennt und oft in Staus stecken bleibt, ist sie alles andere als genervt. „Im Gegenteil. Mir macht es Spaß mit Malu herumzureisen. Zeitweise wohnen wir sogar schon im Auto“, witzelt die Meddewaderin. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass auch sie sich auf Malu Chayennes Start beim Wettbewerb in Paris freut.

 Dorothea von Dahlen

Anzeige