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Stormarn Erdbeer-Saison startet: Bekannte Zuchtsorte stammt aus Stormarn
Lokales Stormarn Erdbeer-Saison startet: Bekannte Zuchtsorte stammt aus Stormarn
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18:10 25.04.2018
Die Erdbeersorte „Senga Sengana“ war die erste Erdbeere, die sich problemlos einfrieren ließ.
Die Erdbeersorte „Senga Sengana“ war die erste Erdbeere, die sich problemlos einfrieren ließ.
Wulfsdorf

Sie war die erste Erdbeere, die man einfrieren konnte, und bis in die 70er-Jahre die am häufigsten angebaute Erdbeersorte. Im Handel ist sie bis heute. Jetzt geht die Saiaon wieder los.

Von Sengbusch, vor 120 Jahren geboren, gehörte zu den bedeutendsten Pflanzenzüchtern des 20. Jahrhunderts. 49 Sorten von elf verschiedenen Kulturpflanzenarten hat er gezüchtet. Neben der Erdbeere standen nikotinarmer Tabak oder ein Lösungsmittel für Nierensteine auf der Liste seiner Forschungen. Mit der Umwandlung der Lupine von einer Wild- in eine Kulturpflanze schrieb er Forschungsgeschichte, mit seiner Züchtung weißköpfigen Spargels sowie einer faserreichen Hanf-Züchtung als Alternative zu Kunstfasern erwies sich von Sengbusch als Wissenschaftler, der in vielen Gebieten zu Hause war.

Professor Reinhold von Sengbusch hat sich 1952 in Ahrensburg ein Denkmal gesetzt, das man essen kann: Die Erdbeere „Senga Sengana“ ist nach dem Pflanzenzüchter benannt, der von 1948 an das Max-Planck-Institut für Kulturpflanzenzüchtung in Wulfsdorf bei Ahrensburg leitete.

Unter seinen Experimenten finden sich auch mancherlei Kuriositäten. So handelte von Sengbusch sich wegen seiner eher ungewöhnlichen Versuche mit Fischen als „Erfinder der grätenfreien Erdbeere“ auch manchen Spott ein. „Sein Maul aus dem Wasser gestreckt, schnappt der Karpfen erst nach Luft und dann nach dem Schnuller einer Babyflasche“, beschrieb 1966 ein Journalist im „Spiegel“ die Fütterung der Tiere: Er hatte von Sengbusch in seinem Labor in Ahrensburg besucht. Zusammen mit dem Zoologen Dr. Christoph Meske wollte der Wissenschaftler dort einen Karpfen züchten, der keine lästigen Zwischenmuskelgräten mehr hat. Zuvor hatte Sengbusch mit Röntgenaufnahmen an 2000 Tieren nachgewiesen, dass die Zahl dieser Gräten unterschiedlich hoch war. Durch Kreuzung steuerte er das Ziel des grätenarmen Karpfens an. Für ihre Untersuchungen entwickelten die Wissenschaftler eine neuartige Aufzuchtmethode, die die Tiere überdurchschnittlich schnell wachsen ließ. Auch wenn Sengbusch schon plante, für die Züchtung das Kühlwasser von Kraftwerken zu nutzen, behielt der Karpfen seine Gräten.

Glücklos blieben auch Sengbuschs Versuche mit dem „schwimmenden Schwein“: Lars Fischer beschreibt in seinem „Fischblog“, dass von Sengbusch in dem bis zu vier Meter langen Amazonasfisch Pirarucú sein nächstes Forschungsobjekt fand. Er besaß von vornherein keine Zwischenmuskelgräten und war ein ertragreicher Fleischlieferant. „Diesen Giganten zu züchten nahmen sich Sengbusch und seine Mitarbeiter ab 1973 vor, doch das Vorhaben erwies sich als recht kompliziert“, heißt es da. Die wilden Fische wehrten sich gegen das Wiegen und Messen und sprangen schließlich aus ihren Plastikwannen. Auch wurden sie erst so spät geschlechtsreif, dass sie für die Züchtung nicht in Frage kamen. Daraufhin stellte von Sengbusch die Forschung an den heute streng geschützten Tieren ein, nachdem er es in einem privaten Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Zoologischen Garten Berlin noch mal versucht hatte.

Es gab ja noch andere Forschungsgebiete. „Obwohl schon auf ihn vorbereitet, bin ich doch erstaunt über diese gewaltige, fast vier Pfund schwere Knolle, größer als ein Kinderkopf“, beschrieb ein Journalist der „Zeit“ Sengbuschs Züchtung eines Riesenchampignons im Ahrensburger Labor. Pate stand die „Mutante 59c“, ein Pilz ohne Stiel und Hut, der sich als Klumpen immer weiter züchten ließ.

„Der Anbauer spart bei der Ernte eine Unmenge von Handgriffen, und die Hausfrau kann ihrer Familie Pilzsteaks vorsetzen“, blickte der Journalist in eine kulinarische Zukunft, die bis heute ohne Pilzsteaks auskommen muss.

Dafür hat sie die Erdbeere. In diesem Jahr lässt sie noch etwas auf sich warten. „Voraussichtlich beginnt die Freiland-Erdbeersaison Mitte Mai“, erklärt eine Sprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. „Derzeit nehmen wir wegen der langen Kältephase eine Verspätung an.“ In Delingsdorf geht es am 3. Mai schon los: Dann sind die Frühsorten im Folientunnel reif.

Vor 120 Jahren geboren

Reinhold von Sengbusch wurde am 16. Februar 1898 in Riga geboren und starb am 13. Juni 1985 in Hamburg. 1948 übernahm er die Leitung des Max-Planck-Instituts für Kulturpflanzenzüchtung, später die Außenstelle in Wulfsdorf. Hier gelang ihm die erfolgreiche Züchtung der Erdbeersorte „Senga Sengana“, die er ab 1954 auch privatwirtschaftlich vermarktete. Sie ist bis heute als beliebte Gartenerdbeere im Handel.

Sorten und Erntestart

Hornbroker Hof: Früher wurde in Nehms (Kreis Segeberg) für die Schwartauer Werke ausschließlich „Senga Sengana“ angebaut. Heute ist „Flair“ die Hauptsorte. Die Saison beginnt am 15. Mai.

Karls: Je nach Wetter geht es in Ostholstein Ende nächster Woche los mit Erdbeeren. Die Sorten wechseln im Jahr von den Frühsorten bis zu den Spätsorten im August.

Erdbeerhof Glantz: Es gibt den Sommer über viele Erntefenster mit verschiedenen Sorten. Den Auftakt macht ab 3. Mai die Frühsorte „Flair“, die im Folientunnel angebaut wird.

Bockhop: Die Saison beginnt in Schmilau (Herzogtum Lauenburg) Anfang bis Mitte Mai – je nach Wetter.

Eine alte UFA-Wochenschau von 1966, die einen Beitrag über Reinhold von Sengbusch und seine Karpfenversuche zeigt, gibt es beim Bundesarchiv. 

Bettina Albrod