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Stormarn Grüne auch in Stormarn stärkste Kraft
Lokales Stormarn Grüne auch in Stormarn stärkste Kraft
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17:38 27.05.2019
Frisch gewählt und schon Grund zum Jubeln: der neue Kreisvorstand der Grünen mit (v.l.) Bärbel Bischoff, Ruth Kastner, Wiebke Garling-Witt, Benjamin Stukenberg, Anne vor dem Esche und Moritz Klink. Quelle: hfr
Bad Oldesloe

Großer Ansturm auf die knapp 200 Wahllokale am Sonntag in Stormarn: Fast genau zwei Drittel der 187 460 wahlberechtigten Bürger machte bei der Europawahl sein Kreuzchen. Die Wahlbeteiligung lag nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis bei 66,4 Prozent, eine Steigerung gegenüber 2014 um fast 16 Prozentpunkte.

„Damit liegt Stormarn deutlich über dem Landesschnitt“, sagte am Montag Hermann Harder, Leiter der Kommunalaufsicht beim Kreis Stormarn und seit Jahren quasi der Wahlmanager in der Kreisverwaltung. Das letzte Ergebnis aus Reinbek habe gegen 23.30 Uhr vorgelegen, dann wurde das Gesamtergebnis dem Land gemeldet. Jetzt gehen beim Kreis alle Niederschriften aus den 55 Gemeinden ein; und alle Resultate werden noch einmal überprüft, ehe der Kreiswahlausschuss am kommenden Montag das endgültige Ergebnis der Europawahl in Stormarn verkündet.

Wahlurnen reichten nicht aus

„Ein großer Dank geht an die vielen ehrenamtlichen Helfer. Sie hatten wirklich viel zu tun, es gab viel auszuzählen“, sagt Hermann Harder. In einigen Wahllokalen musste eine zweite Urne geholt werden, weil die erste auch aufgrund der Größe der Stimmzettel nicht ausreichte.

Beim Auszählen stellten die etwa 1600 ehrenamtlichen Helfer schnell fest, dass auch in Stormarn die Grünen ein herausragendes Ergebnis erzielen würden. Am Ende wurde die Partei sogar stärkste Kraft im Kreis mit 29,3 Prozent vor der CDU (26,8 Prozent). Die SPD schnitt zwar etwas besser ab als im Bund, kam aber auch nur auf 16,2 Prozent. Die FDP legte zu auf 6,9 Prozent, blieb aber hinter der AfD (8,0 Prozent). Die Linken kamen auf 3,4 Prozent.

Mehr als 30 Prozent wählten in Bad Oldesloe und Reinfeld Grün

Bei den Grünen herrschte am Wahlabend eine „ungläubige Begeisterung“, wie es Kreisvorsitzender Benjamin Stukenberg aus Ahrensburg ausdrückte. Etwa 20 Mitglieder waren im Bargteheider Bahnhof zusammengekommen und feierten dann ausgelassen nicht nur das Bundesergebnis. Denn in Bad Oldesloe, Ahrensburg, Bargteheide und Reinfeld wurden die Grünen mit mehr als 30 Prozent stärkste Kraft. Im Wahllokal Haus der Natur in Ahrensburg erzielten die Grünen sogar 52 Prozent.

Beinahe noch unglaublicher fand der Kreisvorsitzende, dass seine Partei auch im ländlichen Bereich gut abschnitt. Das beste Ergebnis im Kreis erzielten die Grünen im kleinen Heidekamp mit 36,4 Prozent. Aber auch zum Beispiel in Hoisdorf, Lütjensee, Jersbek, Lasbek oder Köthel landeten die Grünen bei mehr als 30 Prozent, während CDU und SPD teilweise im zweistelligen Prozentbereich verloren.

An der Urne besser als bei der Briefwahl

„Wir waren diesmal auch besser an der Urne als bei der Briefwahl“, erläutert Benjamin Stukenberg und räumt ein, dass die Klimademos der „Fridays-for-Future“-Bewegung zwei Tage vor der Europawahl sowie das Youtube-Video von Rezo sicher den Grünen in die Hände gespielt hätten. Nichtsdestotrotz würden den Grünen die Kompetenzen für Klima- und Umweltschutz zugeschrieben. „Wir spüren Rückenwind auf allen Ebenen“, sagt Stukenberg. Allerdings sei das Wahlergebnis auch ein Auftrag, Themen anzupacken und die Energiewende zu forcieren.

CDU-Kritik an Generalsekretär

„Beim Klimaschutz müssen wir uns auch nicht verstecken, allerdings hat die CDU im Wahlkampf wichtige Themen nicht aufgegriffen, sondern nur Floskeln geboten“, sagt Jörn Lucas, stellvertretender CDU-Stadtverbandsvorsitzender in Bad Oldesloe. Bei Facebook sprach er von einer „katastrophalen Performance der Bundespartei“ und einem „desaströsen Ergebnis“, das jedoch mit dem Wahlkampf vor Ort sicherlich nichts zu tun habe.

Allerdings gestaltete sich dieser auch nicht ganz einfach. „Es gab organisatorische Mängel“, erklärt Lucas auf LN-Nachfrage. Es habe zum Beispiel nicht genügend Material gegeben. Die Oldesloer CDU hatte zehn Plakate mit dem Konterfei von Manfred Weber bekommen. „Die CDU hat es versäumt, ihren Spitzenkandidaten bekannter zu machen“, sagt Lucas. Auch die Kommunikation nach dem Rezo-Video sei katastrophal gewesen. Schuld an allem sei Paul Ziemiak, denn Wahlkampf sei stets Sache des Generalsekretärs. Jörn Lucas glaubt daher nicht, dass Ziemiak seinen Job behalten wird.

Von Pein stellt Große Koalition in Frage

Die SPD in Stormarn wollte das Ergebnis auch gar nicht beschönigen, will den Blick aber schon wieder nach vorne richten. „Das Ergebnis stellt mich nicht zufrieden. Die SPD hat es nicht ausreichend geschafft, gerade unter jungen Menschen für ihre Inhalte zu werben und Vertrauen zurückzugewinnen“, teilte Kreisvorsitzender Tobias von Pein mit.

„Vor uns liegen nun wichtige Monate, in denen der interne Erneuerungsprozesse weiter vorangetrieben werden muss.“ Auch personelle Neuausrichtungen und ein Ende der Großen Koalition auf Bundesebene dürften dabei kein Tabu sein. „Das Ergebnis ist ein klares Zeichen, dass die SPD sich verändern muss“, ergänzte der stellvertretende Kreisvorsitzende Lukas Zeidler.

Freude kam nur auf über den Einzug der gebürtigen Siekerin Delara Burkhardt ins Europäische Parlament. „Es freut mich sehr, dass eine junge Sozialdemokratin aus Stormarn nun Schleswig-Holsteins Stimme in Brüssel ist“, so von Pein.

In den Stormarner Gemeinden kamen die Sozialdemokraten lediglich in zwei Orten über 20 Prozent: im kleinen Hohenfelde (20,6) sowie in Rehhorst (23,9).

Hier finden Sie die Ergebnisse aus allen Stormarner Gemeinden.

Markus Carstens

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