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Stormarn Hof Wilken im Kneeden eröffnet Hofcafé
Lokales Stormarn Hof Wilken im Kneeden eröffnet Hofcafé
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13:45 22.07.2019
Sabine Wilken, Inhaberin des Hofladens am Kneeden bei Bad Oldesloe, mit Sohn Dominik in der Bauernstube. Quelle: Dorothea von Dahlen
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Bad Oldesloe

Verführerisch süß duftet es in der guten Stube. Hausherrin Sabine Wilken hat ein Blech mit dampfenden Schokomuffins aus dem Ofen gezogen und ist nach getaner Tat bereit für ein Päuschen. „Hereinspaziert“, sagt sie lachend und nimmt in der Sitzecke beim Fenster Platz. Sorgfältig streicht sie die rot-karierten Platzdeckchen auf dem Tisch glatt und lässt den Blick zufrieden durch die blitzsaubere Gaststube schweifen.

Zwiebelmuster und Großmutters Küchenofen

Vor sechs Wochen hämmerten, schraubten und sägten hier noch die Handwerker. Den einstigen Pferdestall auf dem Bauernhof am Oldesloer Kneeden verwandelten sie in Rekordzeit in ein anheimelndes Bauerncafé, das die Besucher des Hofladens von Sabine und Thomas Wilken neuerdings zum Verweilen einlädt. Obgleich das Gebäude erst in den 1950er Jahren errichtet wurde, erinnert das Inventar an Großmutters Zeiten. Ein emaillierter alter Küchenofen, Porzellan mit Zwiebelmuster, kleine Öllämpchen und andere Einrichtungsstücke senden diese etwas tüdelige Gemütlichkeit aus, die zum Bleiben geradezu auffordert. Dazu tragen auch abgeflammte, in die Decke eingezogene Balken bei oder die alte Tür, von der die Wilkens gefühlt 15 Lackschichten abkratzen mussten, um zum urig verwitterten Holz vorzudringen. „Wir haben viele alte Möbel und Gegenstände zusammengesucht und von Freunden geschenkt bekommen. Bis auf den Tresen, der ganz neu sein musste, ist alles Second Hand“, erzählt die Oldesloerin.

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Kartoffeln aus Wakendorf, Obst vom Alten Land

Schon die Elterngeneration unterhielt am Kneeden eine Verkaufsstelle. „Damals gab es Eier und Suppenhühner. Als wir den Betrieb übernommen haben, kamen Bauernhähne dazu, dann selbst gekochte Konfitüre, Lamm, Schweinefleisch und vieles mehr“, erzählt Sabine Wilken und fügt stolz hinzu, dass nur regionale landwirtschaftliche Produkte in die Regale kommen. „Das Obst liefert uns ein Bauer aus dem Alten Land, die Kartoffeln stammen aus Wakendorf, Brot und Brötchen aus Reinfeld.“

Deko im Hofladen von Familie Wilken am Oldesloer Kneeden. Quelle: Dorothea von Dahlen

Die Hausherrin backt selbst

Für die süßen Naschereien, die es im Café gibt, ist sie freilich selbst zuständig. „Ich habe schon Brandteig ausprobiert, der sehr gut gelungen ist. Bei den Eclairs musste ich aber etwas improvisieren, weil ich nur den kleinen Spritzbeutel gefunden habe“, sagt die passionierte Bäckerin und prustet vor Lachen. Dass sie statt länglichen Stangen, den Teig in zig Windungen legen musste, störte aber niemanden. Immerhin war das Gebäck schnell ausverkauft.

Schafe und Hühner teilen sich die Weide. Quelle: Dorothea von Dahlen

Dänen züchteten die „Husumer Protestschweine“

Inzwischen hat auch Sohn Dominik am Tisch Platz genommen. Der 21-Jährige hat seine Ausbildung zum Landwirt bereits absolviert und hilft kräftig im Familienbetrieb mit. Denn es gibt reichlich zu tun. Schließlich bauen die Wilkens nicht nur selbst Gemüse an, sondern halten eine ganze Reihe Nutztiere. Draußen grasen 50 Schafe auf den nah beim Haus gelegenen Weiden. Sie teilen sich das Terrain mit 150 Freilandhühnern, darunter so seltene und ausgesuchte Rassen wie die üppig aufgeplusterten Orpingtons. Schon von Weitem ist der hellblau bemalte Bauwagen zu sehen, in dem Hahn und Henne bei aufziehender Dunkelheit Schutz suchen.

Besonders stolz sind die Wilkens aber auf ihre „Husumer Protestschweine“, die sich durch ein rotbraun und weiß gestreiftes Fell auszeichnen. „Die Dänen sollen die Tiere im späten 19. Jahrhundert extra so gezüchtet haben, weil sie unter Preußischer Besetzung den Dannebrog, also ihre rot-weiße Landesflagge, nicht mehr hissen durften. Da haben sie die Schweine einfach im Vorgarten gehalten“, erzählt Sabine Wilken lachend.

„Schafe kraulen“, ist eine Lieblingsbeschäftigung der jüngsten Besucher. Quelle: Dorothea von Dahlen

„Fressen die Schafe die Hühner nicht?“

Das Getümmel der vielen Zwei- und Vierbeiner scheint auch die jüngsten Besucher des Hofs stark zu beeindrucken. Denn das Angebot, am Kneedener Bauernhof-Geburtstag zu feiern, wird offenbar gern angenommen. Von April bis Oktober können die Lütten nach Herzenslust weiches Fell streicheln oder die Eigenheiten der Tiere studieren. Wie ahnungslos manches Stadtkind der heimischen Fauna gegenüber tritt, davon kann die Bäuerin ein Lied singen. „Ein Kind, das alle Tiere zusammen auf der Weide stehen sah, fragte mich mal: ,Fressen die Schafe die Hühner eigentlich nicht?’“

Dominik Wilken mit seinem kleinen Traktor aus der Kindheit. Heutzutage spielen die lütten Besucher immer noch gern damit. Quelle: Dorothea von Dahlen

Alter Fendt-Traktor ist beliebt wie eh und je

Die Kinderaugen weiten sich erst recht, wenn Sohn Dominik den grünen Trettraktor aus der Scheune holt, den er selbst als kleiner Junge vom Opa geschenkt bekam. „Er war damals nicht davon runterzukriegen und hat das Teil über die Jahre ständig umgebaut. Während andere schon ihren ersten Kettcar fuhren, hat Dominik seinem Trecker doppelte Bereifung spendiert oder eine nach hinten verlegte Sitzbank“, erzählt Mutter Sabine amüsiert. Beim Tuning des kleinen Fendt-Traktors muss der angehende Hofnachfolger vieles richtig gemacht haben. Denn selbst heute befindet sich das Gefährt im einwandfreien Zustand und wird sicherlich noch viele Touren auf dem Wilkenschen Hof überdauern.

Weitere Hofläden in Stormarn:

Kleverhof: Spezialitäten-Gärtnerei mit alten Tomatensorten, außerdem Beerenfrüchte, alte, seltene Gemüsesorten aus eigenem Anbau mit Hofcafé. Mönkenbrook 26 in Elmenhorst Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 19 Uhr, Sonnabend 8 bis 16 Uhr

Erdbeerhof Glantz: Hofrestaurant- und café mit regionaler Küche und hausgemachten Kuchen und Torten. Hofprodukte, Geschenkartikel, Wohnaccessoires. Hamburger Straße 2a, Delingsdorf, täglich 10 bis 19 Uhr

Kürbisparadies Hof Adolf: 180 verschiedene Kürbissorten, Kürbiskernöl, Kürbismarmelade, Chutneys, Kürbissekt. Im Dorf 8, Braak, geöffnet im September und Oktober täglich 10 bis 18 Uhr

Gut Wulfsdorf: große Auswahl an Bioerzeugnissen wie Käse, Fleisch, Brot etc. Bornkampsweg 39, Ahrensburg, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 18.30 Uhr, Sonnabend, 8. bis 16 Uhr,

Hof Lütjensee:Bauernmarkt: Milch- und Brotwaren u.a. Alte Schulstraße 13, Lütjensee, geöffnet Montag bis Freitag 9 bis 19 Uhr, Sonnabend 8 bis 13 Uhr.

Hof Menzel: Weidemilch, Eis, Kartoffeln, Freiland-Eier und Bio-Eier, Honig, Fruchtaufstrich, Dorfstraße 52, Meilsdorf, geöffnet 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.

Dorothea von Dahlen