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Stormarn Fragen und Antworten zur Müllverbrennung
Lokales Stormarn Fragen und Antworten zur Müllverbrennung
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10:05 13.11.2019
Die Müllverbrennungsanlage in Stapelfeld. Quelle: M.Giese
Stapelfeld

Das Unternehmen EEW Energy from Waste plant in Stapelfeld den Neubau einer Müllverbrennungsanlage (MVA) bei gleichzeitiger Erweiterung um eine Klärschlammverbrennungsanlage (KVA). Das führt zu Sorgen bei den Anwohnern, die erhöhte Schadstoff-Emissionen und die Zunahme des Verkehrs fürchten. Die LN haben Fragen an das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, an den Kreis Stormarn und an das Unternehmen EEW gestellt. 

Was für Schadstoffe werden durch MVA und KVA in Stapelfeld ausgestoßen?

Die Zusammensetzung der gereinigten Abluft bleibt hinsichtlich der einzelnen Komponenten (zum Beispiel Staub, Kohlenmonoxid oder Stickstoff) unverändert. Im Internet kann man sie nachlesen. Das Unternehmen zeigt die aktuellen Werte auch auf einer Infotafel am Werk an.

Der Betreiber der MVA veröffentlicht laufend die Messwerte der Schornsteinabgase. Quelle: Bettina Albrod

Steigt die Menge der Schadstoffe?

Für die neuen Anlagen liegen vor Inbetriebnahme keine Messwerte vor. Hier erfolgt im Rahmen des Genehmigungsverfahrens die Prüfung, ob die beantragten und gesetzlich vorgegebenen Emissionswerte mit der beantragten Technologie plausibel eingehalten werden können. Insgesamt gibt es eine Zunahme des Abgasvolumenstroms um 15 Prozent. 15 Prozent mehr Abgas zu reinigen bedeutet aber nicht, 15 Prozent mehr Schadstoffe zu emittieren. Das Bundesimmissionsrecht wurde auf 100 Prozent gesetzt, die Genehmigungsbehörde hat diesen Wert noch verschärft. Von diesem verschärften Wert wird der Ersatzneubau der MVA 5,6 Prozent ausschöpfen und werden MVA und KVA zusammen 7,5 Prozent ausschöpfen.

Wird der Abgasausstoß regelmäßig überwacht?

Der Betreiber überwacht den Anlagenbetrieb rund um die Uhr. Parallel werden die Emissionsdaten per Datenfernübertragung an die Genehmigungsbehörde übermittelt. Sie kann jederzeit und in Echtzeit die Daten einsehen. Schadstoffe wie Dioxine und Furane werden gemäß den Vorgaben des Bundesimmissionsrechts durch anerkannte Messinstitute bestimmt. Die dazu erstellten Messberichte werden der zuständigen Überwachungsbehörde zur Auswertung vorgelegt.

Warum ist der Schornstein nur noch 63 Meter hoch?

Die Höhe eines Schornsteins beeinflusst nicht den Ausstoß des Schornsteins. Wie die Höhe zu bestimmen ist, wird gesetzlich geregelt. Früher diente der Kamin dazu, die emittierten Schadstoffe mit der Abluft in einem weiten Gebiet zu verteilen. Inzwischen werden die Emissionen über gesetzlich vorgegebene Grenzwerte geregelt. Diese Grenzwerte müssen bereits vor Einleitung der Abluft in den Kamin eingehalten werden.

In den 90er-Jahren kam es zu erhöhten Dioxinablagerungen im Umfeld.

In den 90er-Jahren sind im Umfeld der MVA Stapelfeld Untersuchungen im Hinblick auf Dioxine durchgeführt worden. Ein ursächlicher Zusammenhang mit der MVA Stapelfeld wurde nicht festgestellt. 1991 sind die Ergebnisse von zwölf Bodenproben nochmals und umfassender ausgewertet worden. Das Umweltministerium Schleswig-Holstein kam danach zum eindeutigen Schluss, dass kein Bezug zur MVA Stapelfeld zu erkennen sei. Das heißt, dass die Emissionen der MVA Stapelfeld nicht in sieben oder 14 Kilometer Entfernung und auch nicht in der eigentlichen Umgebung der MVA zu einer signifikanten Bodenbelastung durch Dioxine und Furane geführt haben. Angesichts der bis heute erheblich verbesserten Filtertechnik, aber auch angesichts der heute weitaus besseren Abfalltrennung, die eine entsprechend geringere Schadstofffracht nach sich zieht als früher, besteht eine solche Gefahr heute noch weniger als ehemals.

Werden Bodenprüfungen vorgenommen?

Bodenprüfungen werden nicht vorgenommen. Im Dezember 2017 bis Juli 2018 hat EEW freiwillig in einem Umkreis von drei Kilometern die Luftqualität gemessen, um für spätere Messungen nach Inbetriebnahme des Ersatzneubaus objektive Vorbelastungswerte heranziehen zu können (Soll-Ist-Vergleich). Die Ergebnisse der Messungen waren vollständig unauffällig und sind vergleichbar mit Werten ländlicher Räume.

Bürger fürchten einen „Mülltourismus“ – wie sieht es mit der Auslastung aus und woher kommt der Müll/Schlamm?

Die Kapazität der künftigen Anlage am Standort Stapelfeld ist schon heute vertraglich zu mehr als 80 Prozent mit kommunalen Klärschlämmen aus der Region ausgelastet. Im Übrigen hat sich der Betreiber verpflichtet, vorrangig Klärschlämme aus den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg zu verwerten.

Warum hat der Kreis sein Veto-Recht nicht geltend gemacht?

Das Vetorecht des Kreises gilt grundsätzlich nur für eventuelle Anlagenerweiterungen. Ein Vetorecht für den Ersatzneubau der MVA besteht dagegen nicht. Ein Veto gegen die Klärschlammverbrennung hätte diesen Anlagenteil möglicherweise verhindern können. Da die neue MVA jedoch in jedem Fall gekommen wäre, wurde das nicht ausgesprochene Veto gegen die Klärschlammverbrennung mit dem Ziel der Vereinbarung minimaler Emissionen der zukünftigen MVA verknüpft.

Gibt es neue chemische Verbindungen im Abgas, die bisher nicht erforscht sind?

Dem Ministerium liegen keine Anhaltspunkte für nicht erforschte chemische Verbindungen im Abgas vor.

Kann es passieren, dass Krankheitserreger (vgl. Aussagen Bundesumweltamt) durch den Schornstein in die Umwelt geblasen werden?

Die Verbreitung von Keimen über die Abluft aus dem Kamin ist aufgrund der hohen Temperaturen über 850 Grad Celsius im Kessel und der hohen Temperaturen in der anschließenden Rauchgasreinigung ausgeschlossen. Sicherheit geben darüber hinaus eine berührungslose Anlieferung der Klärschlämme, höchste Hygienestandards, ein Maximum an Gesundheitsschutz sowie die professionelle thermische Verwertung, bei der alle Keime vernichtet werden. Im Falle eines Anlagenstillstands wird der Unterdruck durch eine so genannte Stillstandsabsaugung aufrechterhalten. Darüber angesaugte Luft wird über Aktivkohlefilter gereinigt. Zudem wird der Klärschlamm, der früher ungeschützt auf Äcker ausgebracht wurde, in abgedeckten Mulden-LKW in einen geschlossenen Bunker mit Doppelschleusensystem angeliefert.

Was passiert bei einem Störfall?

Notfallpläne regeln den sicheren Umgang mit allen denkbaren Szenarien wie Brand, Stromausfall oder Überschwemmung. Vor Erteilung einer Betriebserlaubnis sind gegenüber der Genehmigungsbehörde Konzepte etwa zum Brandschutz vorzulegen. Nur, wenn diese Konzepte allen Anforderungen der sicheren Gefahrenabwehr genügen, kann eine Genehmigung erteilt werden.

Das Unternehmen

Das Unternehmen EEW Energy from Waste ist im Bereich der Abfallentsorgung tätig. Gegründet wurde die MVA Stapelfeld GmbH 1973 von den Kreisen Stormarn, Herzogtum Lauenburg sowie der Freien und Hansestadt Hamburg. 1979 ging die Anlage in Betrieb. Ein Umbau der Anlage erfolgte 1997. Heute ist die Abfallverbrennungsanlage, die seit 2003 zur EEW-Gruppe gehört, für annähernd eine Million Menschen im Großraum Hamburg Entsorgungs- und Versorgungsdienstleister. Das Unternehmen ist seit 2016 eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Beijing Enterprises Holdings Limited.

Von Bettina Albrod

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