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Stormarn Franz Thönnes tritt bei der nächsten Wahl nicht wieder an
Lokales Stormarn Franz Thönnes tritt bei der nächsten Wahl nicht wieder an
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20:25 03.05.2016
Ammersbek

Ein Mann wirft hin. Das wäre jetzt die völlig falsche Schlagzeile. Denn Franz Thönnes (61) wird sein Mandat als Bundestagsabgeordneter der SPD für den Wahlkreis Segeberg/Stormarn- Nord schließlich noch bis 2017 zu Ende führen. Dann aber will er nicht mehr kandidieren — nach insgesamt 31 Jahren politischer Tätigkeit in Parlamenten, 23 Jahre davon im Deutschen Bundestag. Gero Storjohann (CDU), in vier Wahlkämpfen direkter Kontrahent von Thönnes, sagt: „Diese Entscheidung überrascht mich schon. Von allen Sozialdemokraten ist er mir doch einer der liebsten.“

Franz Thönnes (SPD, 61)

Thönnes begann, wie das auf dem „Ochsenweg“ der Sozialdemokraten so üblich ist, ganz unten. Aber bereits als Kreistagsabgeordneter in Bad Oldesloe (1986 bis 1994) sowie bald auch als Stormarner Kreisvorsitzender (1986 bis 1992) zeigte sich sein ausgleichendes, moderates Talent — auch wenn Thönnes nie ein Blatt vor den Mund nahm, kommunal- wie bundespolitisch stets klar Stellung bezog. Die linke Ecke war nichts für den überzeugten Gewerkschafter.

Bei seiner ersten Bundestagskandidatur 1994 rückte er noch über die schleswig-holsteinische Landesliste in den Bundestag. Vier Jahre später gewann Thönnes direkt den Wahlkreis Segeberg/Stormarn-Nord direkt — und das gegen das eigentlich unschlagbare CDU-Schlachtross Peter-Kurt Würzbach. Zur selben Zeit rückte Thönnes als stellvertretender Vorsitzender in der Hierarchie der Landes-SPD auf, 1999 übernahm er sogar den Vorsitz des Landesverbandes. Als er bei der Bundestagswahl 2002 auch gegen seinen neuen CDU-Herausforderer Gero Storjohann direkt gewann, sahen manche in Thönnes schon einen kommenden Kieler Regierungschef.

Doch bei der folgenden Kommunalwahl schmierte die SPD ab, was dazu führte, dass Thönnes 2003 mit nur 47,5 Prozent nicht als Landeschef bestätigt wurde. Nun konzentrierte er sich auf die Bundespolitik. Drei Mal hintereinander musste er sich von 2005 bis 2013 direkt geschlagen geben. Dazu Storjohann: „Erst ein, dann fünf, dann zehn Prozent Vorsprung für mich — so hätte es weitergehen können . . .“

Über die Liste aber war der Ammersbeker Franz Thönnes ungefährdet, übernahm von 2002 bis 2005 das Amt des Parlamentarischen Staatssekretärs im Gesundheits- und danach im Sozialministerium, bis die Merkel-Koalition mit der FDP 2009 Bundeskanzler Schröder ablöste. Thönnes hatte Förderer, Anhänger, aber auch Neider. So sorgte ein bislang unentdecktes „U-Boot“ im Jahr 2007 dafür, dass seine parlamentarische Immunität aufgehoben wurde: Thönnes hatte seine Frau Rita auf eine von der Eon-Ruhrgas finanzierte Norwegenreise mitgenommen und soll sie dort, so der Vorwurf, als Mitarbeiterin des Gesundheitsministeriums ausgegeben haben. Doch der Abgeordnete konnte alles entkräften, zudem hatte er die Reise selbst bezahlt.

Und wie geht es weiter, wer folgt nach? Ein Vertreter des Stegner-Flügels drängt sich nicht auf, und wenn die heimische SPD nicht noch einen zugkräftigen Direktkandidaten aufstellt, kann es durchaus sein, dass es bei der Wahl 2017 über die Liste nicht mehr reicht für einen Segeberg-Stormarner SPD- Abgeordneten. kul

LN

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