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Stormarn Freifunk will unabhängiges Netz schaffen
Lokales Stormarn Freifunk will unabhängiges Netz schaffen
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15:06 18.09.2015
Bald könnte auch im Oldesloer Stadthaus ein solcher Router stehen, wie ihn Kaj-Simon Töde (r.) und Marc Swenningshon hier zeigen. Quelle: von Dahlen
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Bad Oldesloe

 Bis die Freifunker aus Rethwisch und Reinbek ihr Ziel erreicht haben, werden noch einige Jahre ins Land gehen. Doch in Bad Oldesloe haben die beiden schon einige Erfolge errungen.

Nicht nur, dass sie in Zusammenarbeit mit dem Verein „Wir für Bad Oldesloe“ den ersten Hotspot in der Brunnenstraße möglich machten. Um ihr Vorhaben voranzutreiben, nahmen Töde und Swenningshon auch Kontakt zur Oldesloer Verwaltung auf. Der erste Gedanke war, den Flüchtlingen in der Stadt das kostenlose Surfen zu ermöglichen, weil das Internet für sie meist die einzige Möglichkeit darstellt, den Kontakt zu ihren, in den Krisengebieten zurückgebliebenen Familien aufrecht zu erhalten.

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„Wir hatten der Stadt deshalb vorgeschlagen, einen Hotspot an der Kurparkschule einzurichten“, erzählt Töde. Daraus ergab sich letztlich ein Gesamtpaket. Die Stadt hat die Bereitschaft signalisiert, auch in den Bereichen um den Marktplatz, die Bibliothek und anderen öffentlichen Gebäuden freies WLan anzubieten. Im Hauptausschuss fiel diese Idee auf fruchtbaren Boden. Mit nur einer Gegenstimme wurde der Antrag der SPD angenommen, 5000 Euro für Hotspots am Stadthaus und dem Bürgerhaus zu investieren.

Um ein solches flächendeckendes Netz, unabhängig von kommerziellen Anbietern in der Kreisstadt aufbauen zu können, bedarf es laut Töde und Swenningshon aber der Mithilfe vieler, die einen Teil ihrer Breitbandkapazität öffentlich teilen wollen. Sie brauchen nur einen zusätzlichen Router zu installieren, der so eingerichtet wird, dass er sich mit anderen Geräten in seiner Umgebung nach dem Prinzip des Mesh-Routings verbindet. Bei etwaigen Netzausfällen, sucht sich das System immer wieder selbstständig neue Verbindungen. „Man kann die Signale so von Fensterbrett zu Fensterbrett weiterleiten und könnte eine Infrastruktur für Wohnhäuser, Wohnblocks und die ganze Stadt schaffen“, erklärt Töde. Als großes Vorbild dient ihm das Kinder- und Jugendhaus St. Josef, das schon vor zehn Jahren dank eines IT-Spezialisten mit 30 Routern ausgestattet wurde und somit als leuchtendes Beispiel für ein funktionierendes Intranet in der Kreisstadt gelten kann.

Damit sich noch mehr Oldesloer mit der Idee des Teilens anfreunden können, bedarf es aber noch einiger Überzeugungsarbeit, sind sich die beiden Freifunker sicher. Die Furcht, dass jemand aufgrund der in Deutschland geltenden Störerhaftung in Schwierigkeiten gerate, sei unbegründet, sagen sie. „Wir leiten den Datenverkehr nach Holland um und umgehen die Regelung. Das ist völlig legal“, sagt Töde.

Für ihn und seinen Mitstreiter bedeutet der Aufbau eines solchen Intranets aber noch mehr als nur das flächendeckende kostenlose Surfen. „Das Ziel ist, ein unabhängiges Netz zu schaffen, in dem es auch Telefonie- oder Chatfunktionen gibt, ganz unabhängig von kommerziellen Anbietern wie Google und Co.“, sagt er.

Um für das Gemeinschaftsprojekt besser werben zu können, suchen die beiden Freifunker einen Treffpunkt in Bad Oldesloe, zu dem sie regelmäßig einladen können, um Interessierte zu informieren. „Vielleicht gründen wir auch einen Verein“, sagt Töde.

Kirche zeigt Interesse
Neben der Stadtverwaltung zeigt sich auch die evangelische Kirchengemeinde Bad Oldesloe interessiert an einer Netzwerkverbindung im Stil der Freifunker. „Das hat uns gefreut. Alle sind sehr angetan von der Idee“, sagt Kaj-Simon Töde. Ihm zufolge wären gerade Kirchen als sehr hohe Gebäude gut geeignet, um eine Brücke zwischen weiter entfernt liegenden Orten zu schlagen. Dies bedürfe aber im Einzelfall gesonderter Genehmigungen.

Dorothea von Dahlen