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Stormarn Der große Demo-Tag in Stormarn
Lokales Stormarn Der große Demo-Tag in Stormarn
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16:15 20.09.2019
Knapp 400 Teilnehmer waren in Bargteheide zur Demo gekommen. Quelle: Bettina Albrod
Bargteheide

Der 20. September war in Stormarn dreifacher Aktionstag: „Fridays for Future“ demonstrierte in Bargteheide für den Klimaschutz, daran schloss sich der „Parking Day“ an, der mehr Ruheräume für Menschen in der Innenstadt will, und vor dem Ahrensburger Schloss steckte der Deutsche Kinderschutzbund Stormarn über 7100 blaue Fähnchen, um das Thema Kinderarmut sichtbar zu machen.

 

Mit Geklingel und Polizeibegleitung traf die Radtour aus Bad Oldesloe in Bargteheide ein. Passanten applaudieren. Quelle: Bettina Albrod

Der globale Klimastreik der Bewegung „Fridays for Future“ (FFF) konzentrierte sich in Stormarn am Freitag auf Bargteheide: Hier hatten die Gruppen aus Bad Oldesloe und Bargteheide erstmals gemeinsam zur Demo vor dem Rathaus aufgerufen. Zuvor wurde eine Radtour aus der Kreisstadt zum Veranstaltungsort angeboten. „Es sind zwischen 50 und 60 Teilnehmer bei der Radtour mitgefahren“, erklärte Frederike Wrohn vom Oldesloer Orga-Team, „inklusive Pause in Elmenhorst haben wir etwa zwei Stunden gebraucht.“ Sie freue sich, dass die Demo nach anfänglichem Verbot nun doch vor dem Bargteheider Rathaus stattfinden konnte.

Demo in Bildern

„Keine Demo gegen die Politiker“

Die Radler wurden bei ihrem Eintreffen in der Rathausstraße von Passanten mit Beifall begrüßt. Am Bahnhof war das große Sammeln, und aus Bahn, Bus und dem Bargteheider Schulzentrum stießen weitere Schüler dazu, die großteils mit Plakaten gekommen waren. Mit knapp 400 Demonstranten blieb die Zahl allerdings hinter den prognostizierten 500 Teilnehmern zurück. Sie skandierten ihre Parolen und zogen zum Rathaus. Auch Kindertagesstätten und Grundschulen waren mit Aktionen wie Kuchenverkauf beteiligt. „Vom Klimawandel ist die ganze Welt betroffen“, warnte Nils Bollenbach vom Bargteheider Orga-Team bei der Kundgebung. Erstmals habe man zur Demo auch die Politik eingeladen. „Wir demonstrieren nicht gegen Politiker, sondern für das Klima“, machte Bollenbach klar.

Etwa 400 Menschen beteiligten sich in Bargteheide an der Fridays-for-Future-Demo. Quelle: Bettina Albrod

Bargteheides Bürgervorsteherin Cornelia Harmuth lobte die Aktion der Schüler zu einem wichtigen Thema. „Durch eure Initiative hat das Thema Klimaschutz einen neuen Stellenwert erhalten.“ Auch in Bargteheide werde der Klimaschutz mit verschiedenen Projekten stetig vorangebracht. „Ich finde es gut, dass Jugendliche sich engagieren“, erklärte Andreas Kopischke, der die Demo beobachtete, und Ilse Kutsche war extra dafür hergekommen. „Ich finde es super, was die machen.“ Fantasievoll waren die vielen Plakate oder der Sarg, den Detlef Mielke hinter sich herzog. Aufgerufen waren erstmals auch Erwachsene, sich bei der Demo zu engagieren. Neben der Bargteheider „Parents for Future“-Bewegung hatten sich Naturschutzverbände, der ADFC und eine Bargteheider Bürgerinitiative angeschlossen. Zusätzliche Unterstützung gab es von zwei Gewerkschaften.

Parking-Day für Ruheräume

Die blieben nach der Demo gleich da, denn am Mittag wurde der zweite „Parking Day“ in Bargteheide eingeläutet, an dem Parkbuchten vorübergehend anderweitig genutzt werden. „Der Park(ing) Day will darauf aufmerksam machen, dass Städte mehr Platz für Fußgänger bieten sollen“, erklärte Dr. Ruth Kastner von den Bargteheider Grünen, die hinter der Aktion stehen und im Vorjahr Rollrasen in zwei Haltebuchten verlegt hatten. „An diesem Tag verwandeln Bürger Parkplätze mit Kaffee, Kuchen, Klappstuhl, Musik und kreativen Ideen in Parks.“ Eine Sitzgarnitur lud am Klapptisch mit Blumen und Kuchen zum Verweilen ein, wo sonst Autos parken. Auch die Bargteheider Buchhandlung bot Sitzmöbel statt Parkplatz an.

Beim Parking-Day werden aus Parkplätzen Sitzflächen: Wiebke Garling-Witt (v.l.), Dr. Klaus Witt, Boris Sund und Birthe Jabs. Quelle: Bettina Albrod

Wenn es nach den Grünen geht, sollten solche Inseln Standard werden. „Das macht das Einkaufen netter“, erklärten Wiebke Garling-Witt und Dr. Ruth Kastner. „Durch attraktive Ruheorte schafft man Treffpunkte und macht das Einkaufen intensiver“, so ihre These. Pausieren, ohne etwas bestellen zu müssen, mit anderen ins Gespräch kommen und Ruhe im Verkehr finden – das kam bei den Passanten gut an. Sie konnten per Strichliste ihre eigenen Wünsche an den Innenstadtraum angeben. „Wir wissen vom Seniorenbeirat, dass Einsamkeit ein großes Thema ist“, erläuterte Ruth Kastner. „Wir schaffen einen Ort der Begegnung.“

7104 Fähnchen gegen Kinderarmut

Ein jährlicher Appell ist die Fähnchensteck-Aktion des Deutschen Kinderschutzbundes in Stormarn (DKSB), der immer am Weltkindertag auf die Zahl der Kinder hinweist, die in Armut leben. „Immer noch ist ungefähr jedes sechste Kind im Kreis Stormarn von Armut betroffen“, erklärte Ingo Loeding vom DKSB-Stormarn. „In diesem Jahr stecken wir 7104 Fähnchen in die Wiese vor dem Ahrensburger Schloss.“ Ab Januar seien sogar 9000 Kinder betroffen, denn der Gesetzgeber habe jetzt auch die Kinder aus der Grauzone geholt, die Leistungsansprüche haben, ohne zu den Hartz-IV-Empfängern zu gehören.

Birgitt Zabel und Ingo Loeding vom Deutschen Kinderschutzbund Stormarn: Über 7100 Fähnchen zeigen die Kinderarmut im Kreis. Quelle: Bettina Albrod

Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der betroffenen Kinder um ein Prozent gestiegen, so Loeding weiter. Gleichzeitig begrüßte er, dass das Thema mittlerweile zu mehr Unterstützung durch neue Bundesgesetze geführt habe. Dennoch bestehe weiter Handlungsbedarf. Auch die Kommunen in Stormarn könnten etwas gegen Kinderarmut tun, indem Freizeitangebote und Ferienprogramme kostenlos angeboten würden.

Fähnchen gehen auf Tour

Die Fähnchen werden von Ahrensburg aus auf Tour gehen und auch in Bargteheide, Trittau, Reinfeld und Bad Oldesloe ein Zeichen setzen. Bad Oldesloe bleibt mit einem Anteil von 18,9 Prozent Hochburg der Kinderarmut im Kreis, Witzhave steht mit 2,36 Prozent am besten da.

Von Bettina Albrod

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