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Stormarn Gehröcke und wallende Kleider in den prächtigsten Farben
Lokales Stormarn Gehröcke und wallende Kleider in den prächtigsten Farben
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18:10 02.05.2015
Auf einen Blick: Badomat-Gruppenbild für die Titelseite des Extrablattes vor dem Logenhaus. Quelle: Fotos: S. Fofana
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Bad Oldesloe

Bis zur Welturaufführung des historischen Theaterstücks „1848 — Freiheit für Oldesloe“ am Freitag, 15. Mai, sind es nur noch knapp drei Wochen. Jetzt probten die Laiendarsteller erstmals in den neuen Kostümen. Die schillernden Kleider und Gehröcke der Mode von vor 167 Jahren entstanden in der Nähstube des Vereins Bad Oldesloe macht Theater (Badomat) in der Stadtmitte.

Ist das Gardine oder Tapete? Selbst Regisseur Sven Lenz weiß nicht immer, aus welchem Zwirn die fleißigen Schneiderinnen in vielen Überstunden so tolle Kostüme gezaubert haben. Jetzt gab es den ersten Fototermin mit dem Badomat-Team. Schließlich soll das Gruppenbild einen Ehrenplatz im Programmheft erhalten. Darin wird man sicherlich auch etwas über Oldesloes erste Zeitung erfahren, um die sich das ganze Stück „1848 — Freiheit für Oldesloe“ dreht. Das „Königlich privilegierte Oldesloer Wochenblatt für Stadt und Land“ wurde 1839 von Julius Schythe gegründet. Der landete wegen kritischer Artikel sogar im Gefängnis.

Als Foto-Location für die rund 30 Laiendarsteller in ihren zum Teil schrillen Kostümen hatte der Regisseur das historische Logenhaus ausgewählt. Auf der langen Treppe vor dem weißen Gemäuer brachten die Kostüme Farbe ins Bild. Zum Beispiel das schrill pinkfarbene Outfit von Gerd-Günter Finck in der Rolle des Quacksalbers. Damit die Darsteller fürs Foto lockerer werden und nicht so langweilig unter den historischen Helmen und Hauben ins Bild starren, stimmen sie das an, was sie in den letzten Monaten so häufig geübt haben: Die Oldesloer Fassungen der National-Hymnen aus Schleswig-Holstein und Dänemark.

Das Kostüm von Harry Mähl, der die Hauptfigur des Verlegers Julius Schythe gibt, ist mitsamt Gehrock und Zylinder bereits komplett durchgestylt. Trotzdem ist sein Kopf noch nicht bühnenreif. „Ich werde noch verjüngt“, verrät der Neritzer. Das jugendlichere Aussehen soll unter anderem durch einen feschen Haarschnitt und eine Tönung erreicht werden.

So schön wie auf der Treppe des Logenhauses wird in der Nähstube des Vereins in der Innenstadt nicht gesungen. Dort kommt die Musik aus dem Radio. Und statt der Nationalhymnen sind Rock und Reggae angesagt. Gleich nach der Kostümprobe hat sich Roswitha Sack (64) das Kleid von der Verlegerfrau Jakobine Schythe aus blau-grauem Seidentaft noch einmal vorgenommen. „Es wird noch ein bisschen aufgehübscht“, verrät sie lachend. Schon mehrmals habe sie die Taillennähte wieder aufmachen müssen, weil ihre Puppe mehr Rundungen habe als Ines Lachs, die das Kleid auf der Bühne trägt.

Sack hat es am liebsten, wenn alles schnell fertig ist. „Das klappt nicht immer“, weiß sie aus Erfahrung. Den Kleinkram wie Knöpfe annähen, nimmt ihr Monika Laternicht (69) mittlerweile ab. Seit zehn Wochen schon sind die Beiden fast täglich acht bis zehn oder zwölf Stunden im Näheinsatz. Weitere Unterstützung kam von Badomat-Vorstandsmitglied Ilona Rehme. Gemeinsam brachten sie es bisher auf rund 2500 Arbeitsstunden.

Für das neue Stück mussten neun Kostüme komplett neu geschneidert werden. Das auffälligste Kostüm verpassten die Damen Gerd-Günter Finck. Passend zu seiner Rolle als Kurpfuscher wurde er in einen pinkfarbenen Gehrock gesteckt, dazu kamen eine lilafarbene Weste und gelbes Futter. Ganz glücklich sah Finck in seinem schillernden Outfit noch nicht aus.

Dagegen läuft Ulf Schwinum in seinem goldfarbenen Gehrock aus Brokat-Gardinenstoff zur Höchstform auf. „Wir haben Tränen gelacht und bei der Probe applaudiert“, berichtet Sack. Die Schnittmuster für die historischen Gewänder stammen teilweise von Piraten- und Karnevalskostümen. Für die Kleider fanden sich original amerikanische Schnitte.

Die Schneiderei fürs Theater ist zum Hobby geworden
Für Roswitha Sack (64) und Monika Laternicht (69) ist das Schneidern Hobby und Leidenschaft zugleich. Beruflich gelernt haben es die beiden Oldesloerinnen Frauen jedoch nicht. Sie haben früher im Büro gearbeitet.
„Aber es macht mir Spaß“, gesteht Roswitha Sack. Schon in der Schule gefiel ihr das Fach Handarbeiten. Später nähte sie für sich selbst und die Enkelkinder. Selbst lateinamerikanische Tanzkleider für eine Tanzschule hat sie schon gefertigt. Für den Verein Bad Oldesloe macht Theater näht Sack seit der dritten Badomat-Produktion „Die Witwe von der Hude“.
Noch länger hilft Monika Laternicht (69) dem Oldesloer Theaterverein. Sie ist bereits seit dem zweiten Stück, dem „Salzgrafen“ (2004), dabei. Danach nähte sie für die Oldesloer Open-Air-Produktionen „Die Witwe von der Hude“ 2007 und „Marke Bölck“ 2011.
Früher haben die Frauen bei sich zu Hause für Badomat genäht. Mittlerweile ist es geselliger in der kleinen Nähstube mitten in der Innenstadt. Da sich beide Frauen gut verstehen, haben sie viel Spaß
daran.
Manches Mal sind sie sogar bis nach Lübeck gefahren, um die richtigen Stoffe zu finden. „Ich muss sie anfassen können“, sagt Sack. Den Seidentaft für ihr Lieblingskleid der Verlegerfrau Jakobine Schythe hat sie jedoch ausnahmsweise im Internet entdeckt. sus

Susanna Fofana

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