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Stormarn Geschichte von alten Glasfenstern in Trittaus Kirche erforscht
Lokales Stormarn Geschichte von alten Glasfenstern in Trittaus Kirche erforscht
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07:04 25.12.2018
Gustav van Treeck gestaltete 1888 eines der Glasfenster in der Kirche Trittau. Ein Dürerholzschnitt war die Vorlage. Quelle: Katrin Balters
Trittau

Als 2012 eine neue Orgel in der Trittauer Martin-Luther-Kirche eingebaut werden sollte, wurden in der Orgelbalgkammer sechs alte Kirchenfenster entdeckt. Kunstexperte Jochen Pause fand heraus, dass sie Anfang des 20. Jahrhunderts von Maximilian Freiherr von Stoltzenberg als Stiftung innen im Kirchraum vor den existierenden schlichten Glasfenstern angebracht worden waren. Als der Geschmack sich änderte, wurden sie wieder abgenommen und in der Kammer verstaut. 60 Jahre später wurden sie nun erneut hervorgeholt, um sie einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Eines der Fenster, das eine Krippenszene zeigt – das Weihnachtsfenster – soll am zweiten Weihnachtstag im Rahmen des Regionalgottesdienstes um 11 Uhr in der Trittauer Kirche vorgestellt werden.

Freiherr von Stoltzenberg – eine schillernde Figur

Freiherr von Stoltzenberg war persönlicher Adjutant des Kaisers und erwarb nach dem Ersten Weltkrieg den „Sonnenhof“ in Trittau“, erklärt Jochen Pause. Er sei eine schillernde Figur gewesen, war sowohl Mitglied der Rechtsritter des Johanniterordens als auch im „Stahlhelm“, in der Freiwilligen Feuerwehr Trittau und in der Bekennenden Kirche. Selbst als er den Ortsnazi als „Dorf-Mussolini“ beschimpfte, passierte ihm nichts. Sein Haus soll mit Kunstgegenständen gefüllt gewesen sein, und es ist denkbar, so Pause, dass er die Glasfenster aus seiner Sammlung um 1920 der Kirche gestiftet habe.

 

Das Weihnachtsfenster. Quelle: Katrin Balters

Das Weihnachtsfenster ist als einziges mit einer Signatur versehen. „Daher wissen wir, dass es Gustav van Treeck 1888 in München angefertigt hat“, sagt Pause. Der Glasmaler lebte von 1854 bis 1930 und hatte in München eine Werkstatt, die noch heute besteht. Bekannt war er insbesondere als „Madonnenkopf-Maler“. „Das Weihnachtsfenster zeigt das Kind in der Krippe mit Maria, Josef und einem Engel“, erläutert Pause. Als Vorlage habe ein Holzschnitt von Dürer gedient, aus dem van Treeck einen Ausschnitt gewählt habe. Auch Einflüsse des Renaissance-Malers Martin Schongauer seien erkennbar. Stilistisch sind die Fenster – neben dem Weihnachtsmotiv zwei Alttestamentarische Darstellung, Kreuzigung, Grablegung und eine Mariendarstellung – der Epoche des Historismus (19. Jahrhundert) zuzuordnen. Dabei besann man sich auf das Mittelalter und ahmte Stil und Motive nach – so gut, dass die Finder die Fenster zunächst für barocke Fundstücke hielten. Eingefasst waren sie in Holzrahmen mit Rautenmuster und Wappendarstellungen, letztere aus dem Raum Nürnberg.

Engagierte Schatzsucher

2017 hat sich innerhalb des Trittauer Kirchengemeinderats ein neuer Ausschuss gebildet, der zum Ziel hat, Geschichts- und Kulturzeugnisse der Kirchengemeinde zu erfassen, zu pflegen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Leiter Jochen Pause hat zusammen mit den Mitgliedern Pläne dazu entwickelt und einen Beitrag zum Weihnachtsfenster im Jahrbuch 2019 des Heimatbundes Stormarn veröffentlicht.

Augenzeuge erinnert sich

In Trittau gibt es eine Gruppe engagierter Kirchenfreunde, die die Schätze bargen, säuberten, untersuchten und das Landesamt für Denkmalpflege, das Baudezernat der Nordkirche und einen Gutachter einbanden. Nach der Bergung hat die Trittauer Fotografin Katrin Balters die Funde fotografiert. Da lediglich ein schriftlicher Hinweis auf das Abhängen der Bilder von ihrer Existenz zeugt, suchte und fand Jochen Pause in einem Trittauer einen Augenzeugen, der sich erinnerte, die Glasfenster in seiner Kindheit in der Kirche gesehen zu haben. „Es ist gesichert, dass die Fenster in der Kirche hingen“, erklärt Pause. „Hier bedarf es aber noch weiterer Archivarbeit.“

Die Fenster wurden gereinigt. Quelle: Katrin Balters

Die Glasfenster sollen aus den Rahmen gelöst und der Gemeinde zugänglich gemacht werden. „Die Wappendarstellungen könnte man veräußern, die Bildfenster könnte man für den Gottesdienst nutzen“, schlägt Pause vor. So werde eine Identität für die Kirche geschaffen, die zuletzt schon mit expressionistischen Holztafeln von sich Reden gemacht hatte; auch sie eher zufällig im Abseits entdeckt und ein kunstgeschichtlicher Schatz. Wie die Glasbilder den Gottesdienst beleben können, kann man beim Regionalgottesdienst am 26. Dezember in Trittau erleben: Dann wird das Weihnachtsfenster auf einem Leuchtkasten aufgestellt, Jochen Pause erläutert seine Geschichte, und die Gottesdienstbesucher erhalten jeder eine Ansichtskarte des Fensters, um den Ausführungen folgen zu können. Eingebettet ist der Vortrag in einen Kantatengottesdienst zu „Das neugeborene Kindelein“ von Dietrich Buxtehude.

Bettina Albrod

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