Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Gewaltvideo kursiert an Schulen in Bad Oldesloe
Lokales Stormarn Gewaltvideo kursiert an Schulen in Bad Oldesloe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:33 20.12.2018
Nach Angaben eines Ratzeburger Polizeisprechers werden in den Videoclips Kleinkinder schwer misshandelt, ein Kind wird bis zur Atemnot gewürgt. Die Lübecker Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet. Quelle: Nicolas Armer/dpa
Bad Oldesloe/Kiel

Es sind Bilder, die an Brutalität nicht zu überbieten sind: An vier Schulen in Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) kursiert ein ekelhaftes Gewaltvideo. Nach Angaben eines Ratzeburger Polizeisprechers werden in drei Clips Kleinkinder im Alter von geschätzt sechs Monaten körperlich schwer misshandelt. Die Clips werden über den Messengerdienst WhatsApp in den sozialen Medien mit einer Sprachnachricht verschickt. Die ermittelnde Lübecker Staatsanwaltschaft teilte mit, dass die mutmaßliche Täterin – Mutter der Kinder – in Saudi Arabien identifiziert und festgenommen worden ist. Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien bewertete die Filme als „sehr verstörend“

Polizeibekannt geworden war der Fall, nachdem eine Schule wegen des Gewaltvideos Elternbriefe verschickt hatte. Aufgetaucht war das Video in Bad Oldesloe, zuerst in einer fünften Klasse. Danach reagierte das Ministerium und stellte allen Schulen im Land einen Musterbrief zur Verfügung, mit dem Lehrer und Eltern schnell informiert werden können. In diesem Schreiben heißt es, die Videoclips seien „eine erhebliche Gefährdung des Kindeswohls und wirkten unter Umständen traumatisierend“.

Video stammt aus Saudi-Arabien

Das Video stammt nach Mitteilung des Bundeskriminalamts (BKA) aus Saudi-Arabien. Es sei nicht davon auszugehen, dass die Taten in Deutschland gefilmt wurden. Die Aufnahmen sei bereits seit dem Sommer im Umlauf. Die Täterin schlägt in dem Video die Kleinkinder, lässt eines aus einen Meter Höhe auf den Boden fallen, würgt ein anderes Kleinkind bis zur Atemnot. Es handelt sich laut BKA um die Mutter der Kinder.

Die über die sozialen Medien verbreitete Video ist begleitet von einer Sprachnachricht. Eine männliche Stimme fordert infamerweise dazu auf, das Video weiterzuleiten, um „solche Vorfälle künftig zu verhindern“. So funktioniert das System als elektronischer Kettenbrief. Ob die Clips bereits an weiteren Schulen verbreitet werden, ist unbekannt. Nach Einschätzung des Ratzeburger Polizeisprechers Holger Meier ist die Dunkelziffer von Gewaltvideos auf Schüler-Handys hoch. Der Fokus der Ermittlungen liegt jetzt auf der Klärung, durch wen das Video ursprünglich versandt worden ist, so dass es in die Oldesloer Schülerschaft gelangen konnte.

Mutter wurde auf Film aufmerksam

„Die Sache hat uns Kopfschmerzen bereitet“, sagt Henning Bergmann, Leiter der Theodor-Mommsen-Schule in Bad Oldesloe. Zum Glück habe man schnell reagieren können, nachdem eine Mutter auf das Handyvideo ihres Kindes aufmerksam geworden war. Das Gymnasium empfiehlt allen Schülern, keine Chatgruppen in Messenger-Diensten zu nutzen. „Wir haben eine Schulplattform, über die man in Verbindung treten kann. Da kann keiner von außen rein“, sagt Bergmann. Seine Kollegin Barbara Richter-Conrad, Leiterin der Theodor-Storm-Gemeinschaftsschule, weist darauf hin, dass WhatsApp erst ab 16 Jahre genutzt werden darf. Tatsächlich hatte der Messenger-Dienst die Altersfreigabe in diesem Jahr von 13 auf 16 Jahre angehoben. Die Eltern seien für die Handynutzung ihrer Kinder verantwortlich, so Richter-Conrad. Auch das Verbreiten von Gewaltdarstellungen ist strafbar.

„Werden solche Vorfälle bekannt, sind Konsequenz und einheitliches Vorgehen eines Schulkollegiums wichtig“, sagt die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke. Schülern müsse klar gemacht werden, dass die Verbreitung von Gewaltszenen völlig inakzeptabel ist. Die Lehrer-Gewerkschaft hält mehr Prävention für unerlässlich. Dazu gehöre Kommunikationstraining, wie es beispielsweise die Aktion Kinder- und Jugendschutz anbietet.

Curd Tönnemann und Julia Paulat

Stormarn Wettbewerb der Schülerzeitungen - Reinfeld: erKant.de gehört zu den Besten

Gesucht: die besten Schülerzeitungen Schleswig-Holsteins. Jetzt hat in Kiel eine Jury die Preisträger gekürt. „erKant.de“ aus Reinfeld gehört zu den Gewinnern.

20.12.2018

An der A 1 ist seit Mittwoch Norddeutschlands erste Ultraschnell-Ladesäule für Elektroautos in Betrieb. Hinter dem Projekt stecken einige große Autobauer.

19.12.2018

Ein VW Touareg ist Mittwochnacht in Delingsdorf in einem Vorgarten gelandet. Die genauen Hintergründe sind noch unklar. Einer der Insassen flüchtete, wurde aber von der Polizei gestellt.

19.12.2018