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Stormarn Erlaubt? Wohnen im Gewerbegebiet
Lokales Stormarn Erlaubt? Wohnen im Gewerbegebiet
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18:00 07.01.2019
Die Reinfelder Holländerkoppel ist Gewerbegebiet. Hier gibt es noch freie Flächen, die bebaut werden können. Die Politik denkt darüber nach, ob hier Wohnungen entstehen können. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

Es könnte ein cleveres Geschäftsmodell sein: das Wohnen gleich neben dem Betrieb. Gewerbebauland ist schließlich oft günstiger als Bauland zum Wohnen. In der Holländerkoppel wollte ein Reinfelder in zweiter Reihe ein Gebäude errichten, das sich zwischen der Straße und der Bahnlinie befindet. Der Reinfelder, der laut eigenem Bekunden mit seinem Bruder einen Internethandel betreibt, hatte den Bauantrag für ein Gebäude eingereicht, das überwiegend dem Wohnen dienen sollte.

Die Bedingungen im Gewerbegebiet

Im Gewerbegebiet gilt es, die berechtigten Interessen der Gewerbetreibenden zu berücksichtigen. Sie vertrauen darauf, ihr Gewerbe ausüben zu können. Das ist häufig mit Lärm und anderen Emissionen verbunden, die sich mit dem Wohnen nicht vereinbaren lassen. Zudem muss es möglich sein, dass Gewerbebetriebe sich erweitern oder sich neue Betriebe auf den Gewerbeflächen ansiedeln, die eventuell sogar mehr Lärm verursachen als die jetzt dort ansässigen. Wohnungen dürfen solchen Entwicklungen auf Gewerbeflächen nicht entgegenstehen. Die Bewohner können zudem keine Ansprüche gegen die Gewerbetreibenden z. B. auf Lärmminderung erheben. Auch eine Vermietung an Nachmieter oder ein Weiterverkauf als Wohnung ist ausgeschlossen.

Ursprünglich waren drei getrennte Büroeinheiten im Erdgeschoss und zwei im ersten Obergeschoss geplant. Im Staffelgeschoss war eine „großzügig geschnittene ,Betriebswohnung’ vorgesehen“, erläuterte die Verwaltung in ihrer Vorlage für den Bauausschuss, der über dieses Vorhaben befinden sollte. Mitte Oktober habe der Antragsteller einen Befreiungsantrag nachgereicht, um eine überwiegende Wohnnutzung des Gebäudes zu erhalten. Vorgesehen war nunmehr, die Gewerbeeinheiten im Obergeschoss teilweise für Angehörige zu Wohnzwecken zu nutzen. Die Wohnung im Staffelgeschoss wollte er selbst als Betriebswohnung nutzen.

Erlaubt sind 25 Prozent Wohnnutzung

Die Flächenberechnung ergab: Die Wohnflächen umfassen mehr als die Hälfte – 310,14 Quadratmeter, die gewerblich genutzten Flächen 280,71 Quadratmeter. Erlaubt sind im Gewerbegebiet maximal 25 Prozent für die Betriebsleiterwohnung, 75 Prozent müssen gewerblich genutzt werden. Erschwerend kommt hinzu: „Ein Gewerbe ist beim hiesigen Ordnungsamt weder auf seinen noch auf den Namen seines Bruder angemeldet“, teilte die Verwaltung mit, die den Mitgliedern des Bauausschusses vorschlug, das Einvernehmen zu versagen. Die Mitglieder des Bauausschusses mussten in dieser Sache nicht lange diskutieren. Alle Fraktionen waren sich einig: Der Antrag des Reinfelders wurde abgelehnt.

Neue Wohnungen in der Holländerkoppel?

Für den Ausschuss unter dem Vorsitz von Lorenz Hartwig (CDU) war der Tagesordnungspunkt auch Anlass, die Bebauung und Nutzung in der Holländerkoppel unter die Lupe zu nehmen. „Wir müssen uns sowieso mal unterhalten, wie wir in Zukunft mit dieser und ähnlichen Anfragen umgehen wollen“, so der Ausschussvorsitzende. Laut Bebauungsplan ist die Holländerkoppel reines Gewerbegebiet. Thorsten Dunkelgut (Wir): „Wir haben in der Vergangenheit die Wohnbebauung aus Gewerbegebieten ferngehalten. Ich sehe keinen Grund, davon abzuweichen“. Geert Karnick (Grüne) führte an, dass zwar Einigkeit darüber herrsche, dass man möglichst viele Wohnungen in die Innenstadt bringen wolle, bevor Außenflächen erschlossen würden. „Aber wenn es dazu führt, dass das Gewerbegebiet irgendwann zum Wohngebiet wird und sich alle beschweren, dass das Gewerbe Lärm macht, sollten wir genau das verhindern und deswegen Wohnungen nicht zulassen.“ Ewald Eden (CDU) sprach sich gegen eine grundsätzliche Verneinung aus. „Man sollte über Anträge individuell entscheiden.“ Lorenz Hartwig schlug vor, die Flächen links und rechts der Holländerkoppel zu überprüfen, eventuell sogar eine Anwohnerversammlung in Betracht zu ziehen. „Um sich mit den noch vorhandenen Betrieben über die Perspektiven zu unterhalten. Eventuell haben wir die Chance, dort mit dem Einvernehmen aller vielleicht eine verdichtete Wohnraum- oder Nutzungsbebauung hinzukriegen.“ Freie Flächen Richtung Bahn seien vorhanden.

Gebiet soll städteplanerisch überprüft werden

Grundsätzlich habe sich in der Holländerkoppel schleichend eine Wohnbebauung breitgemacht habe, so die Kritik der Stadtpolitiker. „Die Verwaltung hat das nicht auf die Reihe gekriegt. Was auch daran liegt, dass die Kommunikation intern ein bisschen hakt. Wenn das Gewerbe abgemeldet wird, kommt die Information nicht automatisch an die Bauabteilung“, so Hartwig.

Erlaubt sind 25 Prozent Wohnnutzung, der Rest muss Gewerbe sein. Vielfach wird der Richtwert für die Betriebswohnung in der Holländerkoppel überschritten. Einige Gebäude dienen sogar komplett dem Wohnen. Quelle: Britta Matzen

Eigentlich gelte der Schlüssel: 25 Prozent Betriebsleiterwohnung, 75 Gewerbenutzung. Inzwischen gebe es mehrere Objekte, die ursprünglich mal Gewerbe waren, dann verkauft wurden und jetzt ausschließlich Wohnnutzungen zugeführt seien. Bei anderen Objekten sei man inzwischen bei einer Aufteilung von 50: 50. Hartwig: „Mittelfristig müssen wir städteplanerisch überprüfen, ob die weitere Nutzung so bleiben soll oder ob wir sie verändern wollen.“ Thorsten Dunkelgut wollte wissen: „Wie verhindert man, dass Immobilien, die als Gewerbe geplant und seriös genutzt wurden, später zur reinen Wohnbebauung werden? Wer macht den Fehler? Der Käufer?“ Maike Petersen, Architektin der städtischen Bauabteilung, teilte mit, wie es korrekt ablaufen sollte: „Wenn die Immobilie als Gewerbe genehmigt worden ist und hinterher zum Wohnen genutzt wird, muss der Nutzer den Änderungsantrag bei der Bauabteilung stellen.“ Doch anscheinend sei das in den meisten Fällen nicht geschehen, sonst hätten dem Bauausschuss Nutzungsänderungsanträge vorgelegen, die sie hätten ablehnen können.

Müssen Bewohner aus Gewerbegebiet ausziehen?

Dunkelgut: „Über den Bewohnern schwebt theoretisch also ein Schwert, dass sie ausziehen müssen.“ Es sei in der Holländerkoppel eine „Duldungsgeschichte“, so der Ausschuss. Eine ähnliche Situation herrsche in der Feldstraße. „Ich beobachte das schon eine ganze Weile. Ich bin mir sicher, dass einige Objekte falsch genutzt werden“, so Geert Karnick. Das Problem soll angegangen werden. Laut Beschluss wird die Verwaltung beauftragt, die Nutzung der Flächen rechts- und linksseitig der Holländerkoppel zu überdenken, um eventuell eine verdichtete Bebauung möglich zu machen. Anwohner und Gewerbetreibende sollen dabei mitgenommen werden. „Wir wissen nicht, wie die Betriebe reagieren. Wenn man sie fragt, sind wir schlauer. Gucken wir mal, ob wir daraus eine B-Plan-Änderung machen können“, sagte Lorenz Hartwig.

Britta Matzen

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