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Stormarn Giftmord an Vermieter in Lütjensee – lange Haftstrafe für Angeklagten
Lokales Stormarn Giftmord an Vermieter in Lütjensee – lange Haftstrafe für Angeklagten
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14:11 26.09.2019
Der Hauptangeklagte hatte bereits zum Auftakt des Prozesses gestanden, seinem Vermieter Gift in eine Flasche Portwein gekippt zu haben. Quelle: Carstens
Lübeck

Es sollte ein Denkzettel sein, doch der war tödlich: Aus Ärger über seinen Vermieter hat ein 24 Jahre alter Mann dem ungeliebten Hausbesitzer das Pflanzenschutzmittel E 605 in dessen Portwein gemischt. Der Vermieter trank davon und starb. Das Landgericht Lübeck verurteilte den geständigen Angeklagten am Donnerstag zu neun Jahren Haft wegen Mordes durch Unterlassen.

Mit ihrem Urteil folgten die Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Das Gericht begründete sein Urteil damit, dass der Angeklagte nach eigener Aussage kurz erwogen habe, die Flasche mit dem vergifteten Wein wegzuwerfen, bevor das Opfer daraus trank. Aus Angst vor der Reaktion des alkoholsüchtigen Vermieters habe er die Flasche dann doch im Wohnzimmer stehen gelassen. Das wertete das Gericht als Mord durch Unterlassen, bei dem auch eine niedrigere als die lebenslange Haftstrafe verhängt werden kann.

„Wollte nicht, dass er stirbt“

Der Angeklagte verfolgte die Urteilsverkündung wie schon die vorangegangenen Prozesstage mit gesenktem Kopf und verschränkten Händen. Der 24-Jährige hatte im Prozess immer wieder betont, dass ihm die Tat leid tue und er seinen Vermieter nicht habe töten wollen. „Ich wollte niemals, dass er stirbt. Ich ging von Bauchschmerzen, Durchfall oder Erbrechen aus“, hatte der junge Mann zum Auftakt des Prozesses gesagt.

Das Gericht hielt das für eine Schutzbehauptung. „Auf der Flasche stand ’Achtung, Gift’ und auf dem Etikett war ein Totenkopf abgebildet. Der Angeklagte musste wissen, dass es sich um ein tödliches Gift handelte“, sagte die Vorsitzende Richterin.

Angeklagter handelte aus Rache

Aus Rache für angebliche Beleidigungen und Beschimpfungen durch den Vermieter hatte der Angeklagte am Abend des 18. Februar 2019 das Mittel E 605 in den Portwein gekippt und die Flasche zurück an ihren Platz gestellt. „Es war ganz sicher nur ein Tropfen“, hatte der 24-Jährige im Prozess gesagt. Nach Aussage eines toxikologischen Gutachters befanden sich jedoch 33 bis 50 Tropfen des Gifts in der Flasche.

Zwei 19 Jahre alte Mitangeklagte, die ebenfalls in dem Haus des 56-jährigen Vermieters wohnten, wurden wegen Nichtanzeigens einer Straftat zu Jugendstrafen von jeweils einem Jahr auf Bewährung verurteilt. „Sie haben mitbekommen, dass der Hauptangeklagte Gift in den Wein schüttete, und sind haarscharf an einer Mittäterschaft durch Unterlassen vorbeigeschrammt“, sagte die Richterin.

Staatsanwaltschaft und Verteidiger verzichteten noch im Gerichtssaal auf Rechtsmittel. Der Anwalt der Nebenkläger äußerte sich zunächst nicht. Er hatte für den zur Tatzeit 23-Jährigen lebenslange Haft wegen Mordes gefordert.

Von dpa/RND

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