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Stormarn Jungs am Kochpott, Mädchen am Hammer
Lokales Stormarn Jungs am Kochpott, Mädchen am Hammer
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19:01 28.03.2019
Kira (11) möchte später mal im Handwerk arbeiten. Hier fertigt sie einen Schlüsselanhänger. Quelle: Sandra Freundt
Bad Oldesloe

 Bundesweit fand am Donnerstag der Girls’ & Boys’ Day für die fünften bis zehnten Klassen statt. Zum dritten Mal luden die Agentur für Arbeit und das Jugendaufbauwerk (JAW) 26 Mädchen und Jungen ein, in geschlechteruntypische Berufe reinzuschnuppern. An der Ida-Ehre-Schule waren erstmals die LandFrauen Reinfeld u. U. e. V. vertreten, um mit Jungs zu kochen.

Mädchen zwischen Holz und Metall

Beim Jugendaufbauwerk hatten sich zehn der vierzehn teilnehmenden Mädchen für die Metallwerkstatt entschieden Kyra gehörte dazu. Die kleine Rethwischerin feilte an einem Freundschaftssymbol, welches sie später zu einem Schlüsselanhänger verarbeiten wollte.

Das Vorzeichnen auf dem Messingstück nahm dabei schon einige Zeit in Anspruch. Das störte die Fünftklässlerin, die am gestrigen Tag ihren elften Geburtstag feierte, aber nicht, denn sie liebt es zu handwerkeln, repariert auch zu Hause schon viele Dinge. „Ich möchte später auch beruflich etwas im Metallhandwerk machen“, weiß sie schon jetzt und hatte viel Spaß. „Genauso hatte ich es mir auch vorgestellt“, strahlte das Geburtstagskind.

Auch Nele (11) aus Bargteheide genoss den Tag, gab aber zu: „Das Schneiden des Metalls war schon anstrengend – und ich kann mir das als Beruf eher nicht vorstellen. Lotta (10) und ihre Freundin Johanna (11) aus Bargteheide hatten sich ebenso wie zwei weitere Mädchen für die Holzwerkstatt entschieden und fertigten eine Notizzettelbox. „Im letzten Jahr war meine Schwester hier und hatte „Metall“ gewählt, daher wollte ich jetzt etwas anderes machen“, erklärt Johanna ihre Wahl, der sich Lotta dann anschloss. „Das richtige Treffen der Nägel mit dem Hammer ist gar nicht so einfach“, stellten die beiden fest, möchten später mit Hundetrainerin und Lehrerin aber doch lieber einen eher „frauentypischen“ Beruf ergreifen.

Jungen am Fön und am Kochlöffel

Während sich die Wahl zwischen den Werkstätten bei den Mädchen ohne Probleme löste, wollten tatsächlich alle der elf teilnehmenden Jungen in die Küche, sodass hier – wie schon in den Jahren zuvor – wieder gelost werden musste. Mio (11) aus Tremsbüttel und Oskar (10) aus Trittau hatten Glück, sie durften Maccaroni-Muffins und Stracciatella-Quark herstellen. „Den Nachtisch mach ich auf jeden Fall auch noch mal zu Hause“, so Mio. Der Elfjährige kocht an sich gerne, – vor allem Pfannkuchen mit seinem großen Bruder – und kann sich den Beruf des Kochs später durchaus vorstellen.

Die Jungen, die in der Friseurstube gelandet waren, wie Caspar und Wolf Bendix (beide 12) aber waren sich einig, dass sie als „Friseur“ auf keinen Fall arbeiten werden. „Ich habe schon nicht die Geduld beim Locken eindrehen“, gab Wolf Bendix zu.

Jungen kochen, Mädchen werkeln

„Diese Entscheidungen sind auch absolut legitim. Das Ziel ist ja, zum einen, geschlechteruntypische Berufe kennenzulernen, und zum anderen, dabei festzustellen, ob dieser einem selbst liegt“, erklärt Sylvia Freund. Die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt betreute das Projekt zwischen der Agentur für Arbeit und dem Jugendaufbauwerk als Gastgeber bereits zum dritten Mal. „Es ist toll, dass hier die Werkstätten schon vorhanden sind“, strahlte sie.

Die angebotenen Plätze waren – wie bereits in den Vorjahren – sofort vergeben. Aus Platzgründen sind nicht mehr als 26 Teilnehmer möglich. „Wir entwickeln das Konzept aber stetig weiter, sodass wir vielleicht irgendwann doch mehr aufnehmen können“, so Freund. Sie ermutigt aber auch Unternehmen, sich auf den Internetseiten „girlsday.de“ und „boysday.de“ als Anbieter einzutragen, damit die Schüler noch mehr Berufsfelder und Plätze zur Auswahl haben.

Kochen an der Ida-Ehre-Schule

Unter dem Motto „Hauswirtschaft – cool, wenn man’s kann“ bieten die LandFrauen in Schleswig-Holstein schon einige Jahre regelmäßig Trainingscamps an Schulen an. Eine Vertretung der LandFrauen Reinfeld u. U. e. V. war gestern an der Ida-Ehre-Schule, um mit vier Sechstklässlern zu kochen.

Ursula Schmidt bereitete mit Momme, Fadi, Joni (alle 12) und Marvin (11) ein gesundes und leckeres Mittagessen aus Hähnchenkeulen, Kartoffelpüree, Kohl und einem Rohkostsalat, sowie einer Quarknachspeise zu. Dabei hatte das quirlige Quartett viel Spaß. „Lustig war, wie beim Herstellen den Nachtisches alles aus der Schüssel geschwappt ist“, verriet Joni, und seine Klassenkameraden lachten. Die vier werden die Mahlzeit wohl zu Hause auch mal den Eltern kredenzen.

Anstrengend waren am Ende nur die Aufräumarbeiten, die natürlich nach dem gemeinsamen Essen dazugehören. Doch auch diese wurden gemeinschaftlich bewältigt. Ursula Schmidt freute sich, dass alle so arbeitseifrig waren, und kann sich eine weitere Zusammenarbeit im nächsten Jahr gut vorstellen.     

Girls’ & Boys’ Day in Deutschland

Den Girlsday – Mädchen-Zukunftstag gibt es bundesweit bereits seit 2001 und soll Mädchen die Sicht auf frauenuntypische Berufe ermöglichen. An diesem Tag absolvieren die Mädchen der Klassen fünf bis zehn ein Praktikum, begleiten dabei z.B. einen Tag den Vater mit zur Arbeit. Aufgrund der Kritik, dass es ähnliches auch für Jungen geben müsste, wurde 2011 der Boysday eingeführt. Mit mehr als 10.435 Angeboten für Mädchen mit 7.461 Angeboten für Jungen hat dieser Aktionstag 2019 eine neue Rekordmarke geknackt. Unter www.girlsday.de und www.boysday.de kann man sich näher informieren. SF

    

Sandra Freundt

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