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Stormarn Sie sind seit 70 Jahren verheiratet
Lokales Stormarn Sie sind seit 70 Jahren verheiratet
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05:25 24.07.2019
Gertrud und Adolf Holdorp aus Groß Wesenberg sind seit 70 Jahren verheiratet. Quelle: Britta Matzen
Groß Wesenberg

Das besondere Glück, die Gnadenhochzeit feiern zu können, wird nur sehr wenigen zuteil. Gertrud und Adolf Holdorp aus Groß Wesenberg haben die Ehre. Vor 70 Jahren sind die beiden vor den Traualtar geschritten. Zu diesem außergewöhnlichen Jubiläum gratulierte sogar der Bundespräsident. „Zu meiner Freude hörte ich, dass Sie Ihren 70. Hochzeitstag feiern können. Zu diesem Festtag möchte ich Ihnen besonders herzlich gratulieren“, schrieb Frank-Walter Steinmeier.

Glückwünsche des Bundespräsidenten

Die Urkunde aus der Hauptstadt hat die 90-Jährige gleich in ihrer Hochzeitsmappe abgelegt – zusammen mit vielen weiteren Urkunden, die sich im Laufe der Jahrzehnte angesammelt haben. Vor 20 Jahren zum Fest der Goldenen beglückwünschten Ministerpräsidentin Heide Simonis und Amtsvorsteher Heinrich Blunck das Jubelpaar, zur Eisernen Hochzeit 2014 schrieben Ministerpräsident Torsten Albig und Bundespräsident Joachim Gauck. Letzterer fand besonders schöne Worte. „Es ist schön zu erleben, wie Menschen so lange durch viele Jahrzehnte glücklich zusammenleben, alles teilen und Verantwortung füreinander und andere übernehmen.“

Geheimnisse einer glücklichen Ehe

Worauf kommt es an, damit die Liebe lange hält? Professor Karl Pillemer von der Cornell Universität in New York hat die größte Umfrage unter lange verheirateten Paaren gemacht, die es je gab. Mehr als 700 Menschen, die zusammen mehr als 40 000 Jahre verheiratet waren, hat er befragt. Hier die Ergebnisse:

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Die Glückwunschmappe, die Gertrud Holdorp wie einen Schatz hütet, hat auch einen speziellen Umschlag: leuchtend blaue Punkte auf gelbem Grund. Das hat seine Bewandtnis. „Die Mappe hat das gleiche Muster wie das schicke Kleid, das ich an dem Abend getragen habe, als ich meinen Mann kennenlernte.“ 1948 war das, am Tag vor der Währungsreform. In Groß Wesenberg war Feuerwehrball, und der Schiffsbauer Adolf saß an der Kasse. „Das Kleid hat es ihm wohl angetan“, erinnert sich die Jubilarin und bekommt glänzende Augen. 19 Jahre jung war sie damals. Die Erinnerungen sind lebendig wie eh und je. „Zwei Mark sollte der Eintritt bei dem Fest kosten. 50 Pfennig davon sollte ich eigentlich wieder kriegen.“ „Ach, Frollein, das lassen Sie mal. Da tanzen wir beide für“, erwiderte Adolf und entführte Gertrud auf die Tanzdiele. Damit kam die Liebe in Gang.

Heiraten, wenn sie Plattdeutsch lernt

„Wenn du mich heiraten willst, musst du Plattdeutsch lernen“, lautete wenig später Adolfs Bedingung. Seine Auserwählte kam nicht von hier. „Ich bin aus Elbing in Westpreußen. Im Januar 1945 bin ich mit Mutter und meiner jüngsten Schwester geflüchtet. 15 war ich und meine Schwester neun.“ Von zu Hause sind sie zu Fuß los mit einem Rodelschlitten. Bis Danzig mussten sie sich durch hohen Schnee kämpfen. „Dann ging es mit dem Schiff weiter nach Swinemünde. Von da mit dem Zug bis Reinfeld.“ Am Bahnhof Reinfeld wurden sie abgeholt und in ihr Quartier gebracht – bei einem Bauern in Klein Barnitz. Um ein Haar wären die Geflüchteten jedoch nie in Stormarn angekommen. „In der Nacht, in der die ,Wilhelm Gustloff’ untergegangen ist, waren wir auch unterwegs. Aber wir haben noch großes Glück gehabt.“

„Man musste auch gehorchen“

In Klein Barnitz war für Gertrud alles neu. „Ich kam aus der Stadt und musste erst mal die Landwirtschaft kennenlernen – melken, raus aufs Feld, Garben binden und all das.“ Als ihr künftiger Ehemann mit dem Plattdeutsch um die Ecke kam, gab sich Gertrud große Mühe. „Man musste den Faden ja festhalten“, sagt sie lachend. „Ich hab plattdeutsch gelernt. Aber man hört es, dass ich keine echte Holsteinerin bin.“ Die große Liebe. Dafür tut man einiges. „Man musste auch gehorchen. Das war damals so.“

Ein Jahr nach dem Kennenlernen wurde geheiratet. Drei Kinder, eine Tochter und zwei Söhne, sind aus der Ehe hervorgegangen. „Die Kinder wohnen alle in Lübeck. Sechs Enkel haben wir und zwei Urenkel.“ Adolf Holdorp hat 43 Jahre bei der Lübecker Maschinenbaugesellschaft als Schiffsbauer sein Geld verdient. Seine Gattin kümmerte sich um die Kinder und verdiente nebenbei in einem Reinfelder Kaufhaus ein kleines Zubrot als Verkäuferin.

Historisches Foto von der Trauung 1949: Gertrud und Adolf Holdorp sind jetzt 70 Jahre verheiratet. Quelle: E-Mail-LN-Redaktion

Mit Schwiegermutter unter einem Dach

„Doch dann konnten wir Schwiegermutter nicht mehr allein lassen, und ich musste die Arbeit aufgeben.“ Die Mutter ihres Mannes, die nie geklebt und deshalb keine Rente hatte, wohnte bei ihnen im Obergeschoss. Gertrud, Adolf und die drei Kinder teilten sich im Erdgeschoss drei Mini-Räume. Küche, Wohnzimmer, Kinderzimmer. „Mein Mann und ich schliefen auf dem Sofa im Wohnzimmer, die Kinder hatten Etagenbetten.“ 34 Jahre hat Gertrud Holdorp mit ihrer Schwiegermutter auf engstem Raum gelebt. „Das war nicht immer lustig. Es war auch nicht jeden Tag Sonnenschein. Aber es ging alles. Man war eben nicht so anspruchsvoll wie heute.“ Privatsphäre gab es wenig. „Wenn es mal was Ernstes zu besprechen gab, gingen mein Mann und ich raus vor die Tür.“

Was verbindet ein Paar über eine so lange Zeit? Gemeinsame Hobbys? „Mein Mann ging gerne angeln. Ich war kein Angelfan. Ich bin dann aber mit meinem Strickzeug mitgegangen. Nur diese Stille, das war nichts für mich.“ Dafür mochte Gertrud Holdorp gerne Fisch essen. Am liebsten gebraten, manchmal auch geräuchert. „Wir haben sie alle verputzt.“ Als die Kinder aus dem Haus waren, sind die Holdorps erstmals verreist – in den Schwarzwald. „Zu der Familie, bei der wir damals nach unserer Silberhochzeit zum ersten Mal waren, haben wir immer noch Kontakt.“

Die 90-Jährige verschlingt Krimis

Heute verbringt die 90-Jährige ihre Zeit gern mit Lesen. „Krimis von Sylt und Lübeck – die fresse ich bald. Wenn das spannend wird, verschlinge ich eine Seite nach der anderen. Ich werde noch Professor, glaube ich“, meint sie und zwinkert fröhlich.

Ehemann Adolf ist seit zwei Jahren im Heim. „Es ging zu Hause nicht mehr.“ Einfach war die Entscheidung nicht. Gertrud Holdorp besucht ihren Mann in Reinfeld jede Woche. Dann erzählen sich die beiden von früher und sind glücklich, dass sie sich noch haben. Am 1. August feiert Adolf Holdorp seinen 95. Geburtstag. Gertrud, die Kinder, Enkel und Großenkel kommen im Senioren- und Pflegezentrum Reinfeld vorbei. Und Adolf freut sich schon.

Britta Matzen

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