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Stormarn „Gott des Gemetzels“ im Bad Oldesloer KuB
Lokales Stormarn „Gott des Gemetzels“ im Bad Oldesloer KuB
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15:22 02.09.2019
Regisseurin Vanessa Sacharow mit ihren vier Darstellern. Quelle: SUSANNA FOFANA
Bad Oldesloe

Wenn die angehende Juristin Vanessa Sacharow später vor Gericht so feurig agiert, wie als Regisseurin der Oldesloer Bühne, können sich ihre künftigen Kontrahenten schon mal warm anziehen. Mit einem schauspielerischen Dream-Team aus Bad Oldesloe traut die 26-Jährige sich an die Inszenierung „Der Gott des Gemetzels“. Die Fußspuren, in die die junge Regisseurin tritt, sind groß. Wird die schwarze Komödie doch sonst eher von großen Bühnen gespielt und war in der Verfilmung von Roman Polanski hochkarätig besetzt. In dem Theaterstück geht es um einen Streit der zwischen bei Elternpaaren eskaliert, weil sich ihre Kinder geprügelt haben.

Die angehende Juristin Vanessa Sacharow führt die Regie in der schwarzen Komödie.

„Ich habe großen Respekt vor dem Stück“, gesteht die Regisseurin. Doch: „Es läuft super. Ich hätte es mir am Ende des Tages nicht besser vorstellen können.“ Die Regie habe zwar immer das letzte Wort. „Aber am Ende muss man es aus der Hand geben. Dann machen es die Darsteller. Natürlich werde ich vor der Aufführung aufgeregt sein. Aber ich weiß, dass sie es klasse machen.“ Die Grundaufregung sei immer da. Bei den Darstellern und auch bei der Regie.

Das Theaterspiel ist für Vanessa Sacharow der Ausgleich

Sacharow hat bereits fertig studiert und das 1. Staatsexamen in Jura geschrieben. „Ich bin gerade im Referendariat am Landgericht Lübeck.“ Das Theaterspiel ist für sie „der Ausgleich“. Dabei hatte sie gar nicht mehr damit gerechnet, dass es mit ihrem Theaterspiel-Wunsch seit ihrer Kindheit noch jemals etwas werden würde. Die 26-Jährige: „Es hat leider nie geklappt.“

Ein Friseurbesuch ist schuld daran, dass sie doch noch auf und hinter die Bühne kam. Die Oldesloer Friseur-Meisterin Annette Führmann habe sie beim Haareschneiden gefragt, ob sie nicht Interesse habe, im Stück „1848“ des Vereins Bad Oldesloe macht Theater mitzuspielen. Und so wurde der Open-Air-Auftritt 2015 als „Edwine Schneeden“ Sacharows Theaterpremiere.

Da die Oldesloer Bühne kurz danach eine Prinzessin suchte, mischte sie im dortigen Weihnachtsmärchen ebenfalls mit. Es folgte eine kleine Rolle als leichtes Mädchen im plattdeutschen St.-Pauli-Stück. Und dann kam schon „Irren ist männlich“, die allererste Aufführung der Oldesloer Bühne im Kultur- und Bildungszentrum zum 50. Geburtstag des Vereins.

„Ich durfte mich auf der Bühne danebenbenehmen“

Sacharow: „Da habe ich das erste Mal mit Nadine Hamm und Andreas Zimmermann (Regie) zusammengespielt.“ Zwei der vier Darsteller des aktuellen Stücks „Der Gott des Gemetzels.“ Sacharow spielte damals die Schwiegertochter mit Dreadlocks und Piercing. „Es hat echt Spaß gemacht. Ich durfte alles machen, was ich wollte. Und ich durfte mich danebenbenehmen, was seinen eigenen Reiz hat.“

Erneut unter der Regie von Andreas Zimmermann war sie bei „Acht Frauen“ ein durchtriebenes Hausmädchen. Da es nicht genug junge Frauen gab, konnte sie ihre Schwester Jelena (24) erstmals mit auf die Bühne locken. Die ist jetzt auch Ensemble-Mitglied im „Gott des Gemetzels“.

Im modernen „Faust“ führte sie erstmals allein Regie

Die erste Regie führte die angehende Juristin ab 2016 bei der Bühnenjugend gemeinsam mit Heidi Jurawitz. 2017 wurde „Mörder mögen’s messerscharf“ aufgeführt. Bei „Faust auf moderne Art“ führte sie dann ab 2017 das erste Mal ganz allein Regie bei der Bühnenjugend. Da dort akuter Männermangel herrschte, versuchte sie es bei ihrem Bruder. „Ich hätte nicht gedacht, dass er mitmacht. Aber er hat Ja gesagt“, freute sie sich.

Die Zusammenarbeit zwischen großer Schwester und kleinem Bruder hat sogar so gut geklappt, dass Max (14) im aktuellen Stück die Co-Regie übernahm. Ihr Faible für den „Gott des Gemetzels“ entdeckte Sacharow erst auf den zweiten Blick und nach Gesprächen mit dem Team. Ihr aktuelles Gefühl: „Alle haben große Freude daran.“

Es wurde kein einziges Mal mit Textbuch geprobt

Dabei hatte sie eigentlich neben Studium und Referendariat gar nicht so viel Zeit für ihr Theaterhobby. Zumal sie damals gerade von Grabau nach Hamburg gezogen war. So wurden die Proben auf einmal pro Woche angesetzt. Beim ersten Treffen im Februar sprachen alle ihren Text auf Band und lernten ihn auswendig. Die Regisseurin: „Wir haben nicht ein einziges Mal mit dem Textbuch auf der Bühne gestanden.“ Das Experiment habe geklappt, alle konnten ihren Text. Sacharow: „Ich bin sehr stolz und zufrieden. Wir haben Spaß miteinander und können sehr ernst miteinander arbeiten.“

Die Aufführungen

Premiere ist am Freitag, 13. September, 20 Uhr. Weitere Abendvorstellungen im KuB sind am 14., 15., 19., 20. und 21. September. Beginn 18, 19 oder 20 Uhr.

In der schwarzen Komödie von Yasmins Reza eskaliert unter Alkoholeinfluss ein Gespräch zwischen zwei Elternpaaren, deren Söhne sich geprügelt haben. Wortgefechte enden in Handgreiflichkeiten, es wird geschrien, gedroht, beleidigt, angeschuldigt und geschlagen in dieser Gesellschaftssatire, in der die Fassade bröckelt.

Mitspieler sind Andreas Zimmermann und Nadine Hamm als Ehepaar Langfeld, sowie Ed Kretz und Jelena Sacharow als Ehepaar Reher.

Infos: www.oldesloerbuehne.de

Karten gibt es in der Stadtinfo, bei Mirus und bei Pareibo sowie unter Telefon 0176-48561131 oder E-Mail: karten@oldesloerbuehne.de

Die Karten kosten 10,50 € im Vorverkauf, 13,50 € als Reservierung oder an der Abendkasse.

Nach dem „Gott des Gemetzels“ muss das Theater-Hobby erst einmal pausieren. Die 26-Jährige: „Dann hat das 2. Staatsexamen absolute Priorität.“ Sie geht davon aus, dass es irgendwann wieder ganz von allein zu einer Fortsetzung kommen wird. „Spätestens, wenn man bei Friseur sitzt“, sagt sie mit einem Auflachen.

Von Susanna Fofana

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