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Stormarn Graffiti-Künstler verschönern „Café Namenlos“
Lokales Stormarn Graffiti-Künstler verschönern „Café Namenlos“
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13:11 19.11.2018
Das Mauerstück von Künstler „Satan" ist schon ordentlich farbenfroh. Quelle: Sandra Freundt
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Bad Oldesloe

„Entstanden ist das Projekt eigentlich, als wir so beim Kaffeetrinken feststellten, wie schlimm die Aussicht auf die kahle Mauer gegenüber ist“, erklärt Fabian Josten die Beweggründe für das Graffiti-Projekt von „Treffpunkt Plan B“.

Graffiti-Projekt

Wie alles begann

Aber von vorn: Ende 2017 hatte Maria Herrmann die ehemaligen Kita-Räumlichkeiten im Hölk für ihr Q8-Projekt akquiriert und gemeinsam mit der tohus gGmbH restauriert und einen Treffpunkt für die Anwohner geschaffen. Seither bietet Fabian Josten dort unregelmäßig stattfindende Aktionen, wie beispielsweise „Wie schmeckt Heimat“ an. „Da kommen die Anwohner mit Gerichten, die an ihre Heimat erinnern zusammen“, erklärt der tohus-Mitarbeiter. Er selbst bringt immer Kartoffeln mit Quark mit, denn das Gericht erinnert ihn an seine Kindheit. Zudem öffnet Josten im „Treffpunkt Plan B“ – so inzwischen der Name der Räumlichkeiten – jede Woche um 14 Uhr das „Café Namenlos“, welches gut angenommen wird. Dabei entstand die Idee eines „Graffiti-Projektes“ in zwei Teilen. „Wir wollten unbedingt die Öffentlichkeit und speziell die Anwohner mit einbinden. Denn nichts verbindet die Menschen mehr, als sich selbst an etwas zu beteiligen“, betont Josten. Daher rief er gemeinsam mit Maria Herrmann, der Adler GmbH als Eigentümer des kompletten Komplexes, der Stadt Bad Oldesloe und dem Kreisjugendring Stormarn (KjR) zu einem „Graffiti-Workshop“ für jedes Alter auf.

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Graffiti-Projekt mit Kindern und Jugendlichen

Überwiegend Kinder und Jugendliche, aber auch ein paar Erwachsene, fanden zusammen, um gemeinsam mit wahrhaftigen Graffiti-Künstlern aus der Umgebung erste Erfahrungen mit der Sprühtechnik zu machen und letztendlich auch ein Bild zu erstellen. „Zum Teil wurden die Säulen am Eingang zum Café besprüht, zum anderen auf großen Platten Werke erstellt, die dann beim Kreisjugendring-Festival „Wir sind. We are. VR (visuelle Realität)“ am kommenden Sonnabend im KuB ausgestellt werden. Künstler wie Workshop-Teilnehmer hatten dabei riesigen Spaß. „Es ist toll, wie man unter den Kindern richtige kleine Talente erkennt“, strahlte „Beast“, einer der acht Künstler, die den Workshop leitete. Selbst Fabian Josten hatte Freude daran, obwohl er für sich feststellen musste: „Selbst ein Graffiti zu erstellen, ist nicht meins.“

Künstler greifen selbst zu den Dosen

Im zweiten Teil seines Projektes hatte Fabian Josten ein Wochenende später die Künstler in Anlehnung an das KjR-Festival wieder unter dem Motto „Kulturelle Vielfalt trifft virtuelle Realität“ dazu aufgerufen, sich an der circa 30 Meter langen Mauer vor dem Treffpunkt mit eigenen Werken zu verewigen – und alle waren sofort Feuer und Flamme. „Satan“ (Künstlername) aus Bad Oldesloe schuf dabei eine leuchtende Weltkugel, auf welcher in Anlehnung auf seinen Beruf Programmierer im Binärcode „We are all the same“ geschrieben steht. „Reor“ erweckte einen Bahnhof mit Reisenden aus allen Kulturen zum Leben, „Beast“ eine nordische Landschaft mit Leuchtturm und Himmel und „Häcker“ – im wahren Leben Designer – hatte sich einen Buddha am PC erdacht, den er jetzt abkupferte. Um ein 12 Quadratmeter großes Stück Mauer zu verschönern, braucht es zwischen 30 und 40 Dosen Sprühfarbe. Doch daran soll es nicht scheitern: Der Eigentümer des Gebäudes, die Adler GmbH, stellte allerhand Farben für das Projekt zur Verfügung. Die schöne Aussicht aus dem „Café Namenlos“ ist so jedenfalls garantiert.

Treffpunkt Plan B – Mehr als nur ein Café

Im Plan B eröffnet zwar wöchentlich das „Café Namenlos“, doch bieten die Räumlichkeiten noch viel mehr. Montags (9-11 Uhr) findet eine Psychosoziale Beratung durch tohus statt, dienstags und donnerstags (jeweils 11-13 Uhr) ist Maria Herrmann vor Ort, mittwochs (11-13 Uhr) werden Fragen finanzieller Natur, sowie zu Wohn- und Mietangelegenheiten erörtert, freitags (9.30-12 Uhr) ist Marianne Kühn als Ansprechpartnerin dort. Zudem gibt es immer wieder weitere tolle Aktionen.

Sandra Freundt