Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn So soll aus Gülle umweltfreundlicher Superdünger werden
Lokales Stormarn So soll aus Gülle umweltfreundlicher Superdünger werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:18 17.10.2019
Kiruna Janina Stephan und Wolfgang Ewert forschen in Siek daran, wie man Gülle in wertvolle Bestandteile aufspalten kann. Quelle: Bettina Albrod
Siek

Die Praxis, Gülle auf die Felder zu fahren, birgt Risiken. Zwar sind Stickstoff und Phosphor in der Gülle wertvoller Dünger, die ungezielte Ausbringung der Gülle kann aber Grundwasser und Umwelt schädigen. Was wäre, wenn man die gefährliche Mischung Gülle in einzelne Bausteine aufspalten könnte, die jeder für sich wertvoll sind, so dass die Risiken der Gülle entschärft würden? Die isolierten Stoffe könnten dann gezielt eingesetzt werden. Diese Frage wird derzeit an der Universität Rostock erforscht: Wie kann man Phosphor, Stickstoff und den Kohlenstoff in der Biomasse voneinander trennen? Als einer von drei Partnern ist die Firma Econ in Siek als einziges Unternehmen in Schleswig-Holstein an dem Forschungsprojekt beteiligt.

Bau eines kleinen Prototyps

„Durch Anreicherung des Phosphors und Stickstoffs in verschiedenen hochkonzentrierten Produkten ist eine bedarfsgerechte Verwertung in der Landwirtschaft möglich“, erklärt Dr. Simone Tränckner von der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät FG Wasserwirtschaft der Universität Rostock. Die ebenfalls zurückgewonnene organische Substanz könne zum Humusaufbau eingesetzt werden, ohne dass schädliche Stickstoff-, beziehungsweise Nitrat-Emissionen in das Grundwasser und die Atmosphäre gelangten. Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen und baut auf Erfahrungen und Verfahrensentwicklungen aus dem Klärschlammbereich auf. Inhalt des Forschungsprojektes sind die grundsätzliche Verfahrensentwicklung sowie Bau und Test eines kleintechnischen Prototyps.

Ein Traktor mit Gülleanhänger versprüht die Gülle. Quelle: dpa

Wolfgang Ewert, der gemeinsam mit Kiruna Janina Stephan in Siek an dem Forschungsprojekt beteiligt ist, bringt Jahrzehntelange Erfahrung aus dem Klärschlammbereich mit. Aufgabe der Zukunft wird es sein, so die Chemie- und Umweltingenieure, die schädliche Hinterlassenschaft in unschädliche Bestandteile aufzuspalten, die jeder für sich nutzbringend eingesetzt werden können. Vor Ewert stehen zwei Dosen mit Pellets und Granulat, die in Zukunft viele Tausend Liter Gülle ersetzen könnten.

„Wir untersuchen, wie man die Gülle aufspalten könnte“, erläutert Kiruna Janina Stephan. „Aus phosphor-, stickstoff- und kohlenstoffhaltigen Verbindungen sollen Phosphorsalze, eine stickstoffhaltige Düngemittellösung und eine kohlenstoffhaltige organische Masse werden.“ Phosphor und Stickstoff könnten dann als Salz-Granulat, Pellet oder stickstoffhaltige Lösung als Dünger gezielt da aufgebracht werden, wo sie im Boden fehlen. Der unschädlich gewordene Rest kommt auf den Acker. „Die Gülle kommt vor der Behandlung in eine Biogasanlage. Die so vorbehandelte Gülle ist quasi der Ausgangsstoff für unsere Stoffauftrennung.“

Bedarfsgerechte Düngung als Ziel

„Die Tierhaltung in großen Betrieben konzentriert sich auf ländliche Gebiete“, beschreibt Wolfgang Ewert. Die Tonnen von Gülle, die dabei anfallen, würden in der Nähe ausgebracht, da der Transport der Masse schwierig und teuer sei. Granulat oder Pellets dagegen könne man lange lagern, und sie seien leicht dahin zu transportieren, wo die Stoffe den Böden fehlen, und das nicht nur regional, sondern global. „Die Aufspaltung der Gülle würde dazu führen, dass die daraus gewonnen Stoffe als Dünger gezielt ausgebracht, lange gelagert und in einem großen Radius verteilt werden könnten“, bilanziert Ewert die Vorteile der neuen Methode. „Ein 25 Kilosack mit Phosphorsalz ersetzt die sonst in 1000 Litern Gülle enthaltenen Nährstoffe, die weniger gezielt aufgebracht werden können.“ Durch eine bedarfsgerechte Düngung würden die Böden nicht mehr überlastet. Der organische Rest sei für die Umwelt unschädlich.

In Biogasanlagen wird die Gülle vorbehandelt, ehe die neue Technik angewendet wird. Quelle: dpa

Die richtige Methode muss aber erst einmal gefunden werden, und da suchen die Sieker in ihrem Versuchslabor mit. Wie lässt sich Gülle mechanisch oder chemisch am besten spalten? Was ist bei einem chemisch-technischen Konzept machbar, ohne neue Belastungen zu schaffen? Wie kann ein Spaltungs-Prozess so gestaltet werden, dass ihn die Landwirte vor Ort unkompliziert anwenden können? Denn zu den Zielen des Forschungsprojekts, das zu 70 Prozent vom Bund gefördert wird, gehört, dass die neue Technologie auf der Ebene der Landwirtschaftsbetriebe dann auch installiert wird.

Gülleverordnung

Das Ausbringen von Dünger in Deutschland ist streng durch ein Düngegesetz und die Düngeverordnung reglementiert. 2017 hat sich das nationale Düngerecht grundlegend geändert. Ziel ist eine Verringerung von Umweltbelastungen und die Umsetzung der EG-Nitratrichtlinie. Die Düngeverordnung beinhaltet Aufbringungsbeschränkungen für stickstoff- und phosphathaltige Düngemittel in Abhängigkeit von Standort und Bodenzustand, regelt Sperrzeiten für die Aufbringung von Düngemitteln und macht Vorgaben zur Lagerung organischer Düngemittel. Die neue Düngeverordnung ist seit dem 2. Juni 2017 in Kraft.

„Heutzutage sind landwirtschaftliche Betriebe hoch technisch und mit digitalen Hilfen geführt“, betont Ewert. „Viele haben bereits eine Biogas-Anlage auf dem Hof, in der Gülle verwertet wird.“ Hier könnte die noch zu entwickelnde Technik angeschlossen werden. Die müsse man ganzheitlich betrachten, denn das Futter spiele für den Phosphatgehalt der Gülle eine Rolle, ebenso müsse man die CO2-Produktion im Blick haben und mit politischen Entwicklungen Schritt halten.

Wie trennt man die Gülle?

Im Rahmen des Forschungsprojekts sollen die Forscher zunächst untersuchen, unter welchen Bedingungen die Gülle gut getrennt werden kann. Eine kleine Pilotanlage soll als Prototyp Daten liefern. Bei Erfolg ist eine Anschlussfinanzierung möglich, um das Verfahren in größerem Stil zu entwickeln. Während der Forschungen arbeitet das Sieker Unternehmen eng mit der Universität Rostock zusammen.

Von Bettina Albrod

Der Ärztlicher Direktor der „LungenClinic Großhansdorf“, Prof. Klaus F. Rabe, erhält den international renommierten Balzan-Preis für seine Forschungsarbeit. Vor ihm gab es einige prominente Preisträger.

16.10.2019

21 Kinder- und Jugendprojekte aus dem Kreis Stormarn – von der Latrine für Pfadfinder bis zum Schwimmkursus – werden jetzt mit dem Erlös aus dem Benefizkonzert Rock am Schloss unterstützt.

16.10.2019

Auf der Flucht vor dem Zoll ist ein BMW-Fahrer auf dem Ahrensburger Ostring verunglückt. Der Mann wurde verletzt dabei. Mit Spürhunden fahndete die Polizei nach möglichen weiteren Insassen.

16.10.2019