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Stormarn Bus-Kontrolleure erwischen immer mehr Schwarzfahrer
Lokales Stormarn Bus-Kontrolleure erwischen immer mehr Schwarzfahrer
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11:49 16.08.2019
Besonders an Umsteigepunkten soll kontrolliert werden, hier die Hagenstraße in Bad Oldesloe. Quelle: mc
Bad Oldesloe

„Einstieg vorne“ heißt es auch bei den Bussen im Kreis Stormarn. Doch daran hält sich längst nicht jeder. Im Gegenteil. Immer mehr Passagiere steigen nicht nur in der Mitte oder hinten ein, sondern tun das auch ohne gültigen Fahrschein.

„Die Kurve der Schwarzfahrer geht steil nach oben“, berichtete jetzt Björn Schönefeld, ÖPNV-Fachmann der Stormarner Kreisverwaltung, den Mitgliedern des Kreisverkehrsausschusses. Rund drei Jahre habe es keine Schwerpunktkontrollen in Stormarn und den Nachbarkreisen gegeben. Das hat sich offenbar herumgesprochen, denn bei jüngsten Kontrollen kamen teilweise erschreckende Ergebnisse zum Vorschein.

Ohne Ticket von der Disco nach Hause

Prüfer des HVV (Hamburger Verkehrsverbund) waren dabei an bestimmten Orten im Einsatz, zum Beispiel an Schulen, Umstiegen oder auch der Discothek Fun-Parc in Trittau. Bei einigen Kontrollen ist dann auch die Polizei mit im Einsatz. So wie bei einer Stichprobe vor Kurzem in Trittau nachts zwischen 4 und 5 Uhr auf den Linien 333 und 364, als viele Besucher die Disco verließen und nach Hause fahren wollten. „Zwischen 50 und 70 Prozent hatten keinen gültigen Fahrschein“, erklärte Schönefeld.

Zuschüsse für Oberstufenschüler?

Schüler im Kreis Stormarn erhalten bis zur zehnten Klasse eine kostenlose Busfahrkarte für ihren Weg zwischen Wohnort und Schule. Finanziert wird diese zu zwei Drittel vom Kreis und zu einem Drittel vom jeweiligen Schulträger, also Städten und Gemeinden oder Schulverbänden.

In einigen anderen Kreisen bekommen auch Oberstufenschüler eine kostenlose Fahrkarte. Die SPD möchte das zum Teil auch für den Kreis Stormarn und hat einen entsprechenden Antrag an die Kreispolitik gestellt. Danach soll der Kreis zwei Drittel der Kosten für die Schülerfahrkarte übernehmen. Wie hoch die Kosten wären, kann derzeit noch niemand beziffern. Mit Blick auf die Haushaltsberatungen haben Politiker anderer Fraktionen aber schon jetzt Bauchschmerzen.

„Als finanziell gut aufgestellter Kreis können wir Jugendliche und ihre Eltern durchaus mehr unterstützen“, sagt dagegen Susanne Borchert, die schul-, kultur- und sportpolitische Sprecherin der Kreis-SPD. Die Sozialdemokraten möchten diese Maßnahme zunächst auf drei Jahre befristen. Die Fraktion stellt den Antrag, schon ab dem Schuljahr 2020/2021 die zu zwei Drittel geförderte Fahrkarte zur Verfügung zu stellen.

Kontrolleure erwischen viele Schüler

Auch an Schulen fahren überraschend viele Schüler schwarz. Die Quote liegt laut Kreisverwaltung bei fünf bis zehn Prozent. Schönefeld: „Sie lag mal bei zwei bis drei Prozent. Da wollen wir wieder hin.“ Er hat jedoch schon festgestellt, dass die Wirkung an den Schulen nachhaltig ist. „Die Schüler sind doch sehr überrascht.“ Um wirklich alle Fahrgäste zu kontrollieren, sind manchmal wie kürzlich in Bargteheide bis zu 25 Prüfer im Einsatz. Sie warten an neuralgischen Punkten und kontrollieren dann speziell beim Aussteigen.

„Wieso überhaupt Schüler?“, fragte in der Sitzung Martina Bornstein von der Linken-Fraktion mit Verweis auf die – für die Kinder und Jugendlichen – kostenlosen Schülerfahrkarten? Laut Schönefeld werden die Karten manchmal vergessen, sind verwaschen, wurden nicht neu beantragt oder verloren. Und die Ersatzbeschaffung koste dann Geld.

Junge Schwarzfahrer auf dem Lande

Außerdem würden der Kreis und die jeweiligen Schulträger nur für Schüler bis zur zehnten Klassen die Kosten übernehmen. Oberstufenschüler müssten selbst für die Fahrkarten aufkommen – und tauchen dementsprechend häufig in der Schwarzfahrer-Statistik auf.

Es seien jedoch auch immer viele jüngere Schüler dabei, so Björn Schönefeld. „Sogar im ländlichen Raum, wo doch eigentlich jeder eine Schülerfahrkarte hat.“ Allerdings gelte eine Mindestentfernung von Wohnort zur Schule von vier Kilometern, um überhaupt eine Jahreskarte von Kreis und Schulträger gesponsert zu bekommen. Zum Beispiel erhielten Kinder aus Stubbendorf keine Fahrkarte, um zur Schule nach Reinfeld zu gelangen – und benutzten dann den Bus ohne gültiges Ticket.

60 Euro Strafe

Wer seine Karte lediglich vergessen hat, bekommt ein Schreiben und kann sie innerhalb einer Woche vorzeigen. Wer keine gültige Fahrkarte hat, muss 60 Euro Strafe zahlen. Der HVV hat bereits angekündigt, in den kommenden Wochen weitere Schwerpunktkontrollen anzusetzen. Daneben sind auch weiterhin einzelne Kontrolleure zum Beispiel der Autokraft oder der VHH (Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein) in den Bussen unterwegs.

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Deutlicher geht es nicht: Die Passagiere sollen vorne einsteigen. Quelle: mc

Von Markus Carstens

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