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Stormarn Häusliche Probleme spielen eine größere Rolle in der Kant-Schule
Lokales Stormarn Häusliche Probleme spielen eine größere Rolle in der Kant-Schule
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20:10 21.08.2013
Reinfeld

Da hat Reinfelds neuer Bürgervorsteher und gerade pensionierter Lehrer Gerd Herrmann genau zugehört: Schulsozialarbeiter Lutz Deistler hat dem Bildungsausschuss bei dessen erster Sitzung nach der Kommunalwahl in neuer Besetzung den Jahresbericht über das Schulleben an der Immanuel-Kant-Schule vorgelegt — und kam zu ebenso überraschenden wie oftmals positiven Erkenntnissen.

Deistler musste sich danach „kaum noch mit Gewalt unter Schülern auseinandersetzen“. Mädchengewalt sei nicht mehr spürbar. Ausnahme sei das Mobbing. In zwei Fällen seien die Konflikte bis in die Grundschulzeit zurückgegangen. Gleichfalls weniger problematisch sei Drogenkonsum. Es gebe zwar Schüler, „die mehr Alkohol trinken als sie sollten“. Denen kommt der Sozialpädagoge mit der Freundschaftsargumentation bei. „Ein guter Freund“, berichtete Deistler, „das mache ich ihnen klar, ist einer der sagt: Dies ist das letzte Bier.“ Und nicht einer, der zu noch mehr Trinken animiere.

Die Suchtthematik verlagere sich nach seiner Beobachtung zunehmend hin zu Computern und Internet.

Zunehmend gehe es um häusliche Konflikte, bei denen die Kinder und Jugendliche an der Schule keine Lösung wüssten. Es gehe um Vernachlässigung, um Überforderung und überhöhte Erwartungen. Und um körperliche wie psychische Gewalt. Es sei dabei eindrucksvoll zu beobachten, wie Mitschüler sich sorgten um ihre Klassenkameraden. Aufgefallen ist Sozialarbeiter Deistler, dass die Zahl der Hilfe suchenden Mittel- und Oberstufenschüler zwar konstant bleibe, die Zahl der Jüngeren hingegen zunehme.

Eine beruhigende Bilanz für den Sozialdemokraten Herrmann, der einer der treibenden Kräfte im Reinfelder Kriminalpräventiven Rat vor allem gegen rechtsradikale Tendenzen ist, und für Leute wie Manfred Schönbohm von der Wählerinitiative: „Das Thema Neonazis ist kaum noch spürbar an dieser Schule.“ Das sei, sagte Deistler auf Nachfrage, auch eine Folge der Daueraktion „Schule gegen Rassismus“.

Schulsozialarbeit gewinnt an Gewicht in der Stadt. Inzwischen ist gar die Rede von einem Reinfelder Modell. Mit Julia Stiller an der Kant-Schule leistet sich die Stadt eine weitere Kraft, die bereits viele „positive Rückmeldungen“ habe. Sie unterstützt im Unterricht und ist zuständig für den BundesFreiwilligendienst. An der Matthias- Claudius-Schule ist seit April Marlis Givens auf einer von Schulverband und Stadt finanzierten, aber noch befristeten Stelle tätig. Die Stelle soll nach Willen von Bürgermeister Gerhard Horn möglichst erhalten bleiben. Beratung und Begleitung von Schülern in schwierigen Lebenssituationen, Prävention und Integration gehören zu den Aufgaben von Marlis Givens. Demnächst will sie Streitschlichter unter den Schülern ausbilden.

Doch die Schule kommt noch in den Genuss einer weiteren Hilfe. Finanziell durch den Kreis Stormarn, der Mittel angeboten hat für ein Kompetenztraining problematischer Kinder. Gemeint sind Erst- bis Drittklässler, die, wie Fachbereichsleiterin Beate Janke formuliert, „nicht mal eine Viertelstunde stillsitzen können. Das geht einfach nicht“. Die würden ohne solche Therapie „durchs Raster fallen“.

Diese Kinder würden selbst auf der Erich-Kästner-Schule kaum bestehen können, müssten möglicherweise auf die Ahrensburger Woldenhorn-Schule. Doch nach einem Kompetenztraining könnten sie sich nach drei Jahren vielleicht normal entwickeln. Fachlich kommt die Hilfe vom Kinderschutzbund.

„Eine tolle Unterstützung“, lobt Ausschussmitglied Tara Rosenkranz, selber Lehrerin an der Claudius-Schule. Bürgermeister Horn weiß jedoch, dass der Landrat bisweilen knausert. Er drängt seine Kreistagsabgeordneten: „Wirken sie darauf hin, dass diese Hilfe dauerhaft gewährt wird.“

Uwe Krog

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