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Stormarn Hamberge: Bauplätze unter Hochspannungsleitung
Lokales Stormarn Hamberge: Bauplätze unter Hochspannungsleitung
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07:42 13.10.2019
Unter den 110 000-Volt-Leitungen im Hamberger Neubaugebiet Haferkoppel werden noch sieben Bauplätze vergeben. Es gibt auch schon Bewerber für die Grundstücke. Quelle: Britta Matzen
Hamberge

38 Wohngrundstücke für Einfamilien- und Doppelhäuser wollte Hamberge im Neubaugebiet Haferkoppel 2015 selbst vermarkten. „Und die gleiche Menge noch mal im Roggenring. Das waren zwei Bauabschnitte“, sagt Bürgermeister Paul Friedrich Beeck (CDU). Wie warme Semmeln gingen die meisten Parzellen weg. Neun Grundstücke erwiesen sich jedoch als Ladenhüter. Das Problem war die Stromtrasse der Schleswig-Holstein Netz AG, die über das Plangebiet führt.

Achtung, Hochspannung!

Die Freileitung hat eine elektrische Spannung von 110 000 Volt. Manche Interessenten fürchteten Gesundheitsgefährdungen durch Elektrosmog. Es gab auch noch einen weiteren Knackpunkt: Die Leitungen hängen so tief, dass potenzielle Käufer ihre Gärten nicht optimal nutzen können. „Diese Einschränkung haben wir leider erst im Laufe des Verfahrens der Bauleitplanung herausgefunden. An einer Stelle waren gerade mal 67 Zentimeter Höhe erlaubt. Da kann man eine Sandkiste in den Garten stellen, mehr nicht“, schildert Stefan Wulf, Amtsdirektor Nordstormarn, die Problematik. 2017 zog die Gemeinde Hamberge die Notbremse und stoppte den Verkauf der betroffenen Grundstücke.

Das müssen Häuslebauer unter der Stromtrasse beachten

Bauen unter Stromleitungen mit 110 000 Volt – da gelten bestimmte Regeln. So muss ein Sicherheitsabstand zu der Hochspannungsleitung eingehalten werden. „Für den Sicherheitsabstand relevant ist der sogenannte Leitungsschutzbereich. Dieser beträgt für die unterschiedlichen Grundstücke zwischen 15 und 16 Metern. Innerhalb des Leitungsschutzbereiches ist die maximale Arbeits- und Bauhöhe begrenzt“, erläutert Fabian Dahlem von der Schleswig-Holstein Netz AG. Sechs Meter tief hänge die Stromleitung an der niedrigsten Stelle, wobei Hügel am Boden nicht mitberechnet seien.

„Die Arbeitshöhe beträgt am niedrigsten Punkt drei Meter. Die erlaubte Bauhöhe liegt dort bei einem Meter“, so der Sprecher der Netz AG. Wenn auf einem Grundstück das Erdreich erhöht sei, könne die erlaubte Bauhöhe aber auch nur bei 67 Zentimetern liegen. „Der Abstand zur Leitung muss immer mindestens drei Meter betragen. Wenn man zum Beispiel eine Hundehütte baut und jemand stellt sich darauf, dann wird die Höhe der Hundehütte plus zwei Meter gerechnet. Darüber müssen bis zur Leitung noch drei Meter Platz sein. So berechnet sich die erlaubte Bauhöhe“, erläutert Dahlem. Außerhalb des Leitungsschutzbereiches sei eine Bebauung uneingeschränkt möglich, sofern während der Baumaßnahme die erforderlichen Schutzabstände z. B. durch Krane, Gerüste, etc. eingehalten werden.

Die Abstandsregel für Stromleitungen hat zwei Aufgaben: Zum einen sollen Unfälle vermieden werden, die entstehen können, wenn Baumaschinen, hohe Leitern oder landwirtschaftliche Geräte zu dicht an die Leitungen kommen. Hierbei kann ein sogenannter Überschlag ausgelöst werden, der zu schwersten Verletzungen führen kann. Fabian Dahlem: „Zum anderen gelten die Sicherheitsabstände zum Schutz der Menschen vor elektromagnetischen Feldern und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Gesundheit. Bezüglich elektromagnetischer Strahlen macht der Gesetzgeber klare Vorgaben zu Grenzwerten. Diese halten wir zu jeder Zeit ein.“

Könnte man die Stromleitungen über dem Hamberger Baugebiet nicht höher anbringen? „Dies ist grundsätzlich eine Option, die wir der Gemeinde bereits angeboten haben. Die Baumaßnahme würde für die Gemeinde aber mit vergleichsweise hohen Kosten verbunden sein“, informiert der Sprecher der Netz AG.

110 000-Voltleitungen dienen der Versorgung großflächiger Gebiete. Eine Leitung wie die über dem Hamberger Neubaugebiet reicht beispielsweise aus, um eine Stadt wie Lübeck mit Strom zu versorgen.

Abstand zur Stromtrasse vergrößert

Mittlerweile ist allerdings wieder Bewegung in die Sache gekommen. Die Gemeinde hat den Bebauungsplan für die Haferkoppel-Baugrundstücke unter der Hochspannungsleitung geändert und die Nutzung neu geregelt. „Wir haben den Abstand zur Stromtrasse verändert, sodass er jetzt größer ist“, teilt der Bürgermeister mit. Zudem seien die Zuschnitte verändert worden. „Aus neun Baugrundstücken haben wir sieben gemacht. Der B-Plan wurde aufgestellt, ausgelegt und angehört. Das ist jetzt alles durch, und bei der Gemeindevertretersitzung haben wir das genehmigt. Der B-Plan ist jetzt rechtskräftig, und wir dürfen die Grundstücke verkaufen“, so Beeck.

Für die Grundstücke gibt es schon Bewerber

Paul Friedrich Beeck, Amtsvorsteher und Bürgermeister von Hamberge: „Für jedes einzelne Grundstück kriegen wir Auflagen, welche Abstände zur Stromleitung einzuhalten sind.“ Quelle: Britta Matzen

Preise hängen von Bauhöhe im Garten ab

Etwa 600 Quadratmeter groß sind die einzelnen Grundstücke. „Die Fläche unter den Leitungen ist nicht mehr als zu bebauende Fläche, sondern als Grünfläche ausgewiesen. Wenn wir die genauen Abstände von der Netz AG für jedes Grundstück bekommen, wollen wir individuell den Kaufpreis für jedes Areal festlegen.“ Zum einen werde berücksichtigt, dass eine Grünfläche nicht den Wert von Bauland habe. Zum anderen hänge der Preis davon ab, welche Bauhöhe im Garten erlaubt sei. „Wenn die Netz AG sagt, du darfst im Garten nur Geräte aufstellen, die nicht höher als 1,50 Meter sind, ist der Wert geringer, als wenn es heißt, dass bis 2,50 Meter erlaubt sind.“ Carports oder Gartenhäuser lassen sich bei 1,50 Meter zugelassener Höhe zum Beispiel nicht errichten.

2016 wurden die ersten Grundstücke an der Haferkopppel für 160 Euro pro Quadratmeter verkauft. „Jetzt sind wir im Roggenring bei 190 Euro pro Quadratmeter“, so der Gemeindechef. Man darf also gespannt sein, welche Preise Hamberge für die Grundstücke unter der Hochspannungsleitung aufruft. Erschlossen sind die Bauplätze bereits. „Das ist alles fix und fertig“, so der Bürgermeister.

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Von Britta Matzen

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