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Stormarn Hamberge: Betreuung der Grundschüler wird erheblich teurer
Lokales Stormarn Hamberge: Betreuung der Grundschüler wird erheblich teurer
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18:00 19.11.2019
Aleksandra Müller ist Vorstandsvorsitzende des Fördervereins der Hamberger Grundschule. „Die Arbeit für den Verein ist kein Ehrenamt mehr, sondern ein Vollzeitjob.“ Die Nachmittagsbetreuung der Schüler wird ab Februar der Schulträger übernehmen. Quelle: Britta Matzen
Hamberge

Jetzt ist es passiert! Der Vorstand des Fördervereins der Hamberger Grundschule schmeißt wegen Überlastung hin. „Wir können nicht mehr“, sagt Vorstandsvorsitzende Aleksandra Müller. Mit fünf Eltern organisieren sie das warme Mittagessen, die Betreuung und das Kursusprogramm für 92 Schüler. Das sei einfach nicht mehr zu wuppen. „Das ist absolut kein Ehrenamt mehr, sondern ein Vollzeitjob“, schildert Müller. Sie hätten immer Unterstützer gesucht, aber vergeblich. „Es will sich keiner mehr ehrenamtlich betätigen.“ Künftig wird sich deshalb der Schulträger, sprich Gemeinde und Amt Nordstormarn, um die Nachmittagsbetreuung kümmern. Dafür müssen bezahlte Kräfte eingestellt werden. Die Kosten, die wohl deutlich steigen, werden auf die Eltern umgelegt.

Zehn Jahre Förderverein

Seit 2009 gibt es den Förderverein der Grundschule Hamberge. Gestartet ist die Gruppe mit 30 Schülern, heute sind es 92 Kinder, die von 11.30 bis 15.15 Uhr betreut werden. Aleksandra Müller hat den Posten der Vorstandsvorsitzenden vor anderthalb Jahren übernommen, als ihr Sohn zur Schule kam. „Damals haben die beiden Vorstände gesagt, sie stehen nicht mehr zur Wahl. Das hätte mir zu denken geben sollen“, sagt Müller rückblickend. Zusammen mit Nadine Schreiber sei sie neu und voller Elan im Verein gestartet. Doch dass die Arbeit so anstrengend und fordernd wird, das habe sie sich nicht träumen lassen.

Offene Ganztagsschule in Hamberge geplant

Zum nächsten Schuljahrmöchte die Gemeinde Hamberge das Konzept ihrer Grundschule ändern. Sie soll nach Auskunft von Bürgermeister Paul Friedrich Beeck zu einer Offenen Ganztagsschule (OGS) werden. Die OGS bietet ergänzend zum planmäßigen Unterricht Angebote außerhalb der Unterrichtszeit. Dabei wird das Ganze auf professionelle Beine gestellt. Lehrkräfte arbeiten gemeinsam mit anderen Professionen daran, Unterricht und ergänzende Angebote unter dem Dach von Schule zusammen zu führen und entwickeln so eine neue Lehr- und Lernkultur. Die Angebote umfassen zum Beispiel Hausaufgabenhilfe, Förder- und Fordermaßnahmen für Schüler mit besonderem Bedarf und mit besonderen Begabungen, Angebote zur musisch-kulturellen Bildung und Erziehung oder Bewegungs-, Spiel- und Sportangebote. „Die Offene Ganztagsschule muss vom Ministerium genehmigt werden, und es muss ein pädagogisches Konzept erarbeitet werden“, teilt Beeck mit.

In der vergangenen Wochehat der Schulleiterwahlausschuss in Hamberge eine neue Schulleiterin gewählt. Die Vorgängerin Gudrun Wrage war vor den Sommerferien pensioniert worden. Aus zwei Bewerbern fiel die Wahl auf eine Lehrkraft, die derzeit an einer Ganztagsschule in Ratekau tätig ist. Der Name wurde noch nicht offiziell bekannt gegeben. „Sie macht jedenfalls einen sehr kompetenten Eindruck“, verrät Aleksandra Müller, die mit im Ausschuss saß. Gemeinsam mit der neuen Schulleiterin soll das Konzept für die Offene Ganztagsschule erarbeitet werden. Am 1. Februar 2020 zum neuen Schulhalbjahr tritt die Ratekauerin ihre neue Stelle an. Beeck: „Bis zum 30. April müssen wir die Voraussetzungen für die OGS schaffen.“

Allein der Verwaltungsaufwand: Mitgliedsbeiträge eintreiben, Rechnungen stellen und begleichen, Mahnungen schreiben, Mittagessen ordern, Kursusleiter organisieren, Anträge beim Land auf Fördergelder stellen. Zudem sieht es die Gemeinde gerne, wenn sich der Förderverein auch beim Dorf- oder beim Weihnachtsfest engagiert, auch das muss vorbereitet werden. „Ich habe tatsächlich keine Freizeit mehr“, resümiert Aleksandra Müller. Schließlich müsse sie sich auch noch als „Fördervereinspolizei“ betätigen. „Ich bin zuständig fürs Beschwerdemanagement und löse Probleme zwischen Eltern und den Kursusleitern oder Kindern. Außerdem habe ich den unangenehmen Part, dass ich auch mal Kinder von der Betreuung ausschließen muss, wenn sie sich absolut nicht an Regeln halten.“

Überzogene Anforderungen der Eltern

Erschwerend kämen die Anforderungen der Eltern hinzu. „Wir sollen Erziehungsaufgaben lösen, das wird an uns herangetragen.“ Sie bekämen zum Beispiel Beschwerden von Müttern und Väter, warum das „Fachpersonal“ nicht in der Lage sei, deren Kinder ruhig zu stellen. Dabei bestehe das Betreuerteam aus ehrenamtlichen Großmüttern oder jungen Menschen, die sich etwas dazu verdienten. Pädagogisches Fachpersonal könne der Förderverein sich finanziell gar nicht leisten.

Zudem hätten sie immer zu wenig Personal gehabt. „Ich habe 14 ehrenamtliche Kräfte angesprochen. Davon habe ich eine angestellt. Die anderen hatten Probetage und sind schreiend weggelaufen“, schildert die Vorsitzende. Selbst eine Kraft, die das Amt fest angestellt habe, habe nach drei Monaten gekündigt. „Ihr hat die Struktur gefehlt, und die Anfeindungen der Eltern seien ihr zu viel gewesen. Das übersteige ihre Energie, hat sie gesagt.“ Der Vorstand sei ihr dankbar für die klaren Worte.

30 Euro für die Betreuung im Monat

Zu haben ist die Betreuung für 180 Euro im Halbjahr. 3,50 Euro kostet das Mittagessen. Für zusätzliche Kursusangebote sind die Eltern pro Schulhalbjahr ab 55 Euro dabei. „Das ist für alle sehr bequem und sehr günstig gewesen. Aber für dieses Geld kann der Schulträger das gar nicht stemmen. Das wird deutlich teurer.“

Kosten werden sich verdoppeln bis verdreifachen

Bürgermeister Paul Friedrich Beeck teilt dazu mit: „Es ist sehr erfreulich, dass so viele Kinder das Betreuungsangebot in Anspruch nehmen. Aber für die Ehrenamtler ist das zu viel, die waren alle überlastet. Es ist ein Riesenverwaltungsaufwand und sehr viel Bürokratie. Nun haben wir uns entschlossen, dass der Schulträger die Betreute Grundschule übernimmt.“ Dafür müsse man voraussichtlich zwei, drei hauptamtliche Kräfte einstellen. „Und das kostet mehr, als wenn das Ehrenamt das übernimmt. Es wird sich wahrscheinlich mehr als verdoppeln oder verdreifachen. Genau weiß ich das noch nicht. Wir müssen das noch mal kalkulieren.“ Zum neuen Schulhalbjahr Anfang Februar wird der Schulträger die Betreuung übernehmen.

Vereinsvorsitzende steigt aus

Wie geht es mit dem Förderverein weiter? Müller: „Wir erwarten noch die Ausschusssitzung der Gemeinde. Erst danach können wir uns mit den Vereinsmitgliedern zusammensetzen und beschließen, was passiert.“ Entweder laufe der Verein als normaler Elternverein, der sich ums Weihnachtsmärchen oder das Schulfest kümmere, weiter. Oder er löse sich auf. „Die Verwaltung und die Nachmittagsbetreuung wird der Verein jedenfalls nicht mehr übernehmen“, macht die Vereinsvorsitzende deutlich. Wie die Entscheidung auch ausfällt: Aleksandra Müller hat für sich entschieden, auszuscheiden. „Ich höre auf, wenn die Übergabe stattgefunden hat, weil ich persönlich nicht mehr kann.“

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