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Stormarn Raketen begleiteten Jonas auf seinem letzten Weg
Lokales Stormarn Raketen begleiteten Jonas auf seinem letzten Weg
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22:28 02.01.2020
Auf dem Foto blickt Familie Ewald mit Neele (6, v. l.), Vater Sebastian (36), Jonas (10), Mutter Stefanie (35) und Nesthäkchen Lenja (sieben Monate) noch mit Zuversicht in die Zukunft. Inzwischen ist Jonas am 29. Dezember verstorben. Der Zustand von Sebastian Ewald ist ebenfalls deutlich schlechter geworden. Quelle: hfr
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Hamberge

Das Schicksal der Familie Ewald bewegte im Sommer die gesamte Region: Sowohl Vater Sebastian (36) als auch Sohn Jonas (10) waren aufgrund eines Gendefektes, dem „Li-Fraumeni-Syndrom“, ohne Chance auf Heilung an Krebs erkrankt. Bei einem Benefizturnier der E-Jugendmannschaften zugunsten der Familie hatte Jonas noch selbst mitgespielt. Am 29. Dezember hat er den Kampf gegen seinen Hirntumor verloren. Beerdigt wurde er an dem für ihn schönsten Tag des Jahres: Silvester.

Er hatte noch so viel vor: Den Wechsel von der Grundschule an eine weiterführende Schule wollte er erleben, weiter Fußball spielen und als Mitglied der Jugendfeuerwehr Hamberge wollte er sich zum Feuerwehrmann ausbilden lassen. All das blieb ihm verwehrt.

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Jonas liebte Silvesterraketen

Wie viele andere Kinder in seinem Alter liebte es Jonas, wenn zum Jahreswechsel Raketen den Himmel erleuchten und ein Funkenregen auf die Erde fällt. „Silvesterraketen haben ihn immer begeistert“, denkt seine Mutter Stefanie Ewald zurück. „Deshalb hatten wir uns gewünscht, dass seine Beerdigung am 31. Dezember stattfinden sollte. Wir sind dankbar, dass das geklappt hat.“

Dankbar ist die Familie auch der Jugendfeuerwehr Hamberge, die in den sozialen Medien mit der Aktion „Der Himmel soll für Dich leuchten“ um virtuelle Raketen für Jonas gebeten hatten. „Jonas, Du wirst immer einer von uns bleiben. Der Himmel soll heute Nacht für Dich leuchten. Wir werden Dir den Weg zum schönsten Platz auf Deiner Wolke leuchten“, heißt es auf der Facebook-Seite der Jugendfeuerwehr Hamberge. Dem Aufruf waren viele weitere Jugendfeuerwehren und Privatpersonen gefolgt.

Benefizturnier machte auf den Gendefekt aufmerksam

In einer beispiellosen Aktion hatten Fußballmütter des SV Hamberge am 1. und 2. Juni 2019 ein Benefizturnier auf die Beine gestellt, um mit dem Erlös der Familie von Sebastian und Stefanie Ewald einen letzten Wunsch zu erfüllen und auf den Gendefekt aufmerksam zu machen, der Krebszellen ungehindert wachsen lässt. Einen Familienurlaub hatte sich Jonas gewünscht, der bei dem Turnier sogar noch selbst mitgespielt hat. Damals ging es im noch gut, doch bereits einen Monat später musste er notoperiert werden. Anfang August durfte die Familie Jonas zum Sterben nach Hause holen.

Am 29. November kam der Zehnjährige mit Fieber doch wieder ins Krankenhaus. Die Ärzte begannen eine neue Behandlung des als chemoresistent geltenden Hirntumors, einem Glioblastom. „Es ging ihm besser und mit jedem neuen Tag schöpft man wieder Hoffnung“, erzählt Stefanie Ewald. Womit die Familie zu dem Zeitpunkt nicht gerechnet hatte, passierte am 29. Dezember: Jonas schlief für immer ein.

Auch der Gesundheitszustand von Sebastian Ewald ist schlecht

Stefanie Ewald fährt weiterhin jeden Tag zum Krankenhaus, denn inzwischen geht es auch Ehemann Sebastian sehr schlecht. Er hat ebenfalls einen Hirntumor und Lungenkrebs im Endstadium. Metastasen sind bereits im ganzen Körper verteilt. Ein in Deutschland noch nicht zugelassenes Medikament verbesserte zunächst seinen Zustand.

„Im August/September sagte er dann, dass er sich nicht gut fühlt. Innerhalb von zwei Monaten war der Tumormarker um 1800 gestiegen“, sagt Stefanie Ewald, die sich derzeit mit Freunden und Familienangehörigen im Schichtdienst abwechselt, um ihren Ehemann beizustehen und ihn den ganzen Tag im Rollstuhl durch das Krankenhaus zu schieben.

„Es ist ein lebendiger Alptraum“

Sebastian Ewald hatte den Gendefekt von seinem Vater geerbt, der mit 39 Jahren an Krebs verstarb. Auch Tochter Neele ist davon betroffen. Im Alter von zwei Jahren wurde ihr ein erster Tumor entfernt. Dann erkrankten der Vater und schließlich der älteste Sohn Jonas. Lediglich das einjährige Nesthäkchen Lenja und Stefanie Ewald blieben von dem Gendefekt verschont.

„Es ist ein lebendiger Alptraum, der nicht enden will. Ich muss jetzt an meine Mädchen denken“, schildert Stefanie Ewald ihre Gemütslage. Unterstützt wird sie derzeit von ihrer Schwester, die aus den USA angereist ist. Unbeschwert wird das Familienleben nicht mehr sein, denn der Krebs bei Neele kann jederzeit zurückkommen.

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Von Petra Dreu