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Stormarn Wolfsangriff? Rinderherde läuft in Panik auf Bundesstraße
Lokales Stormarn Wolfsangriff? Rinderherde läuft in Panik auf Bundesstraße
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19:00 16.05.2019
Landwirt Niels Günthersberg mit seiner Mutterkuhherde auf der Koppel. „Kommt der Wolf wieder? Ich mache mir Sorgen“, so der Hamberger. Quelle: Britta Matzen
Hamberge

Es war nachts um 1.45 Uhr, als bei Landwirt Niels Günthersberg aus Hamberge das Telefon klingelte. Nachbar Björn Heyne rief an. „Deine Herde ist so unruhig, du musst schnell vorbeikommen.“ Günthersbergs Angestellter Marc Langhoff sei daraufhin sofort in Jacke und Hose gesprungen und zur Weide gefahren. Als er wenige Minuten später dort ankam, war die Herde bereits ausgebrochen – 22 Kühe mit ihren Kälbern und ein Deckbulle. Auf der Koppel lag ein totes Jungtier, daneben stand die Mutter, die ihr zwei Wochen altes Baby nicht verlassen wollte. „Die Tiere müssen eine halbe Stunde vom Wolf gehetzt worden sein. Eine riesige Fläche war komplett schwarz, weil die ganze Erde aufgewühlt war. Die Mutterkühe wollten ihre Kälbchen beschützen. Dann sind alle durch den Zaun geschossen“, schildert Günthersberg. Über die B 75 seien sie ins Dorf galoppiert.

Offenbar hat ein Wolf in Hamberge eine Herde von Mutterkühen mit Kälbern attackiert. Der Nachbar ist vom panischen Schreien und Getrampel der Tiere wach geworden.

Der Landwirt und sein Mitarbeiter informierten sofort andere Landwirte, gemeinsam konnten sie die Tiere im Mühlenweg wieder einfangen. „Als es gegen vier Uhr morgens langsam hell wurde, haben mein zukünftiger Schwiegersohn und ich den Wolf an der B 75 gesichtet. Wir haben ihn eindeutig erkannt“, so Günthersberg. Struppig habe er ausgesehen, etwas größer als ein Schäferhund mit grauem Fell und langen Beinen. „Ein Gutachter war auch schon da, der hat bestätigt, dass das ein Wolf war“, so der Hamberger Viehzüchter. „Wäre es ein Hund gewesen, wären vielleicht zwei, drei Tiere abgehauen, aber nicht die gesamte Herde. Hier ist der ganze Trupp durch vier Stacheldrähte und den E-Zaun gerannt, als wenn da gar kein Zaun ist. Die wurden eindeutig getrieben.“

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„Die Tiere waren alle am Schreien“

Nachbar Björn Heyne wohnt direkt neben der Koppel. „Wir haben jedes Jahr die Kühe nebenan auf der Weide. Da hört man, wenn was nicht stimmt.“ Gegen 1.15 Uhr sei er vom Lärm wach geworden. „Da war richtig Alarm auf der Wiese. Ich bin runter, um zu gucken, was los ist. Die Tiere waren alle am Schreien und sind voll panisch durch die Gegend gerannt.“

In den vergangenen Tagen habe sich seine Hündin schon so auffällig verhalten. „,Debbie’ turnt normalerweise fröhlich durch den Garten. Aber die Tage davor ist sie immer unter die Hecke gekrochen. Auch beim Spazieren gehen war sie ängstlich. Ich habe mich gewundert. Im Nachhinein nehme ich an, dass sie den Wolf gewittert hat“, so Heyne. Jetzt werde genau darauf achten, welche Reaktionen seine Hündin zeige und lieber sofort umdrehen. „Meine Tochter will nun nicht mehr mit ,Debbie’ raus. Das kann ich verstehen.“

Mütter in Sorge um ihre Kinder

Der Vorfall macht auch dem Bürgermeister von Hamberge Sorge. „Das Problem ist, dass gleich nebenan die A 20 ist. Wenn die Rinder auf die Autobahn laufen, wer haftet für die Schäden, wenn jemand verunglückt?“, so Paul Friedrich Beeck. Überall im Dorf werde bereits darüber diskutiert. „Die Mütter befürchten schon, dass sie ihre Kinder nicht mehr draußen spielen lassen können. Ob das alles Hysterie ist, ich weiß es auch nicht.“

Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Wolf begegne?

Genau wie bei anderen Wildtieren auch sollte zu Wölfen grundsätzlich Abstand gehalten werden. Man sollte daher nicht auf Wölfe zugehen oder die Tiere gar bedrängen.

Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad Wölfen begegnet, die sich nicht unverzüglich zurückziehen, sollte diese im Auge behalten, aber nicht direkt anstarren, und sich langsam entfernen. Keinesfalls überhastet vor den Tieren flüchten. Laut sprechen!

Im unwahrscheinlichen Fall, dass ein oder mehrere Wölfe sich direkt, zügig und entschlossen Menschen annähern, handelt es sich in der Regel um neugierige Jungtiere. Bleiben Sie in solchen Fällen stehen, rufen Sie laut und klatschen in die Hände. Bei weiterer Annäherung werfen Sie mit Gegenständen (z. B. herumliegenden Stöcken).

Wer einen Wolf an seiner Nahrungsquelle überrascht, sollten jede weitere Annäherung an das Tier und seine Beute unbedingt vermeiden und sich umgehend zurückziehen.

Hunde können von Wölfen angegriffen, verletzt und getötet werden. In Gebieten, in denen Wölfe gesichtet wurden, sollten Hunde daher angeleint geführt werden.

Wer einen toten, kranken oder verletzten Wolf findet, sollte das Tier keinesfalls anfassen.

Melden Sie alle Wolfskontakte den Mitarbeitern des schleswig-holsteinischen Wolfsmanagements (Tel. 0174/6330335 bzw. 04347/704325).

Rissexperte Michael Mielke war gleich am nächsten Tag vor Ort. „Er hat das tote Kalb mitgenommen und die Wolfshaare, die im Zaun hingen“, sagt Günthersberg. Der Fall liegt inzwischen dem Wolfsbeauftragten des Landes, Jens Matzen, vor. „Es ist nicht auszuschließen, dass es ein Wolf war. Jetzt müssen wir die Untersuchung abwarten“, so Matzen. Die Haare, die gefunden wurden, würden zunächst unter dem Rastermikroskop in Augenschein genommen. „Wenn es Wolfshaare sind, wird die DNA untersucht. Dann kann man gucken, welcher Wolf es war.“ Das tote Kalb sei in der Pathologie, wo eine Todesursachenerkennung vorgenommen werde. Frühestens in drei Wochen könne man mit dem Ergebnis rechnen.

Wolfshinweise in Lübeck

Dass ein Wolf durch Nordstormarn zieht, ist für Jens Matzen nicht abwegig. „Im Bereich Lübeck Richtung Stadtwald gab es bereits einige Wolfshinweise und auch Fotoaufnahmen. Und im Lauenburgischen hatten wir ab und zu mal einen. Es ist also nicht so, dass in der Gegend kein Wolf unterwegs ist. Aber es sind alles Einzeltiere“, so der Wolfsexperte. Grob geschätzt sollen in Schleswig-Holstein drei bis fünf Wölfe leben. Die Tiere legten immer große Strecken zurück. „Sie laufen zwischen 50 und 70 Kilometer pro Nacht.“

Dass ein Wolf die Hamberger Kuhherde attackiert hat, möchte Jens Matzen jedoch bezweifeln. „Mit Angriff hat das nichts zu tun, glaube ich. Vielleicht ist er da nur durchgelaufen, und die Kühe sind in Wallung gekommen und panisch geworden.“

Niels Günthersberg kann vor Sorge allerdings nicht mehr schlafen. „Was ist, wenn der Wolf wiederkommt?“ Jens Matzen: „Ausschließen kann man das nicht. Aber wir haben im Land die Erfahrung gemacht, wenn der Wolf ein Schaf gerissen hat, ist er nicht auf dieselbe Fläche zurückgekommen.“

Hunde an der Leine halten

Menschen meide der Wolf nach Auskunft des Experten normalerweise. „Doch es gibt ein paar Ausnahmen. So war es auch mit dem Wolf auf Lübecker Seite. Der hat sich ein paar Mal Menschen mit Hunden genähert. Nicht, weil er den Menschen interessant fand, sondern das Tier. Deshalb ist es ganz wichtig, wenn man mit Hund unterwegs ist, ihn an der Leine zu halten. Wenn der Mensch dicht beim Hund ist, passiert auch nichts.“ Wenn Waldi & Co. allerdings ohne Leine herumstöbern, kann die Sache anders ausgehen. Matzen: „Der Wolf nimmt den Hund als Eindringling wahr und er kriegt Ärger, sage ich mal vorsichtig.“

Den Stormarner Bauern empfiehlt der Wolfsbeauftragte, ihre Zäune in Schuss zu halten. „Beim betroffenen Landwirt waren die Zäune völlig okay. Für Rinder sogar ein super Zaun. Bei Schafhaltern muss man darauf hinweisen, dass sie wolfssichere Zäune nehmen. Eurozaun, Stromzäune oder Litzen, wo Strom drauf ist. Dann ist die Gefahr, dass Schafe gerissen werden, sehr gering.“

Der Wolf ist eine streng geschützte Tierart. Es herrscht absolutes Jagdverbot. Auch wenn eine Herde Rinder auf die Bundesstraße oder Autobahn läuft, werde der Wolf laut Jens Matzen nicht zum Abschuss freigegeben. Doch wer trägt die Verantwortung und die Kosten, wenn ein Unfall passiert? „Wenn der Zaun in Ordnung war, muss sich der Landwirt keinen Vorwurf machen, es wird ihn auch keiner in Haftung nehmen. Ein Unfall ist bitter, aber es ist schlichtweg höhere Gewalt. Es haftet keiner.“

Britta Matzen

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