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Stormarn Heilshoop stellt sich gegen Windkraft
Lokales Stormarn Heilshoop stellt sich gegen Windkraft
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20:10 23.02.2017
„Man kann nicht Forderungen an die Gemeinde stellen, ohne für Einnahmen zu sorgen.“Karin Westphal, Einwohnerin
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Heilshoop

Windkraft ja oder nein: Darüber schieden sich in Heilshoop bereits vor acht Jahren die Geister. Ganz so schlimm wie damals war es am Mittwoch in der Sitzung der Gemeindevertretung zwar nicht, dennoch sind die Heilshooper immer noch unterschiedlicher Auffassung über den Bau von Windkraftanlagen, die in komfortabler Entfernung vom Ort an der Autobahn entstehen könnten. Jetzt soll eine Arbeitsgruppe Gründe sammeln, die gegen Windräder auf dem Gebiet der Gemeinde sprechen.

Arbeitsgruppe soll Argumente finden, die gegen den Bau von drei Anlagen an der A 20 sprechen.

2009 hatte die Gemeindevertretung einen Beschluss gegen Windkraftanlagen gefasst. Alles schien damit erledigt zu sein, zumal Heilshoop in dem vom Oberverwaltungsgericht gekippten Regionalplan schon gar nicht mehr aufgeführt war. Dann jedoch wurde am 6. Dezember 2016 der neue Entwurf vorgestellt. Und siehe da: Heilshoop war wieder dabei und der Ärger von einst begann langsam wieder an den Nerven der Einwohner zu zerren.

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In einer Einwohnerversammlung im letzten Monat hatten rund 70 Windkraftgegner und -befürworter bereits Dampf abgelassen. Der erste Ärger war damit verraucht, denn zur Sitzung des Gemeinderates kamen am Mittwoch nur noch 25 Einwohner, die eine kontroverse Diskussion aus nächster Nähe verfolgen wollten.

„Wir gucken sowieso auf die Dinger. Dann können wir auch auf welche schauen, an denen wir Geld verdienen“, sagte Gemeindevertreter Lars Westphal pragmatisch. Er rechnet pro Windkraftanlage mit 20

000 bis 30000 Euro Gewerbesteuereinnahmen und kritisierte das Anspruchsdenken im Ort. „Die Gemeinde soll alles fertig machen. Aber woher kommt das Geld dafür?“, fragte er. Einwände von Bürgermeister Wendelin Herbrand, dass die Meinung der Bürger gar nicht gefragt sei und dass die Gemeinde ohnehin keine Möglichkeiten habe, eine solche Planung zu verhindern, kamen beim Publikum nicht an.

Richtig konkret wurden die Argumente der Windkraft-Gegner jedoch nicht. Für Frauke Schoer ist die Gesundheit das höchste Gut, das es zu schützen gelte. Ralf Rühmlich möchte mit einem „Nein“ zu Windkraft die Bürger in Heilshoop schützen. Karin Westphal monierte, dass die Gemeinde überhaupt keine Chance habe, genügend Einnahmen für ihre Aufgaben zu erzielen.

Gemeindevertreterin Dagmar Stolten konnte wie auch Lars Westphal über die Argumente gegen Windkraftanlagen nur den Kopf schütteln. „Wir reden hier über drei Windräder an der Autobahn, die dann auch noch 1500 Meter von der nächsten Bebauung entfernt sind“, sagte sie. In der Tat, angesichts solcher Entfernungen dürften die Einwohner der Pronstorfer Ortsteile Reinsbek und Wulfsfelde aus dem benachbarten Kreis Segeberg voller Neid auf Heilshoop blicken. Von ihren Häusern ist der Windpark Obernwohlde lediglich 800 Meter entfernt.

Auch wenn der Bürgermeister seine Stellungnahme am liebsten auf eine „Kenntnisnahme“ beschränkt hätte, wurde daraus nichts. Stattdessen soll nun eine Arbeitsgruppe aus Bürgern alle Argumente zusammentragen, die gegen den Bau sprechen. Auch ist jeder Einwohner aufgefordert, für oder gegen den Entwurf des Landes Stellung zu beziehen.

Petra Dreu

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