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10:00 17.11.2019
Mitglieder des Heimatbundes Stormarn präsentieren das Jahrbuch 2020. Quelle: Bettina Albrod
Jersbek

Forschung beginnt vor der Haustür: In Stormarn gibt es viele Interessierte, die sich auf Spurensuche zu Themen aus Geschichte, Kultur, Politik, Wirtschaft oder Natur machen und ihre Erkenntnisse in wissenschaftlichen Aufsätzen festhalten. Seit 38 Jahren erscheint das gesammelte Wissen jährlich in einem Buch, das der Heimatbund Stormarn herausgibt. Jetzt ist das Jahrbuch 2020 erschienen, das auf 202 Seiten abwechslungsreiche Beiträge von 19 ehrenamtlichen Autoren bietet.

Schwerpunkt auf der NS-Zeit

„Ziel ist es, die Vielseitigkeit des Lebens in Stormarn aufzuzeigen, und das auf anspruchsvolle Weise“, erklärt Helmuth Peets, Vorsitzender des Heimatbundes Stormarn. Die Titelseite des Buchs bietet gleichsam als Appetithäppchen eine Collage von Illustrationen zu den unterschiedlichen Beiträgen. „In diesem Jahr liegt ein Schwerpunkt auf der NS-, Kriegs- und Nachkriegszeit“, erläutert Burkhard von Hennigs von der Redaktion. So holt Dr. Johannes Spallek den Maler Karl Ballmer aus der Vergessenheit, der in Glinde lebte und arbeitete und Hals über Kopf vor den Nazis in die Schweiz flüchten musste. „Samuel Beckett war in Glinde Gast beim Richtfest und hat Ballmer später als „großen Unbekannten“ bezeichnet.“ Hildebrand Gurlitt zählte ebenso zu seinen Förderern wie der damalige Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg, Max Sauerlandt.

Alte Bauzeichnungen der Peter-Paul-Kirche in Bad Oldesloe werden erstmals in dem Jahrbuch veröffentlicht. Sie schlummerten bisher im Landesarchiv. Quelle: Petra Dreu

Der Wald in Tangstedt und seine Geschichte werden von Horst Völksen beleuchtet. Er geht auch darauf ein, dass nach dem Krieg viele Waffen und Munition im Wald weggeworfen wurden, wo sie zu einer tödlichen Gefahr für Kinder wurden. Über das große Abholzen nach dem Krieg zeichnet der Autor die Entwicklung des Waldes bis zum heutigen Erholungswald nach. Die Verfahren zur Entschädigung von NS-Opfern in Stormarn hat Florian Bayer aufgearbeitet; der Beitrag im Jahrbuch ist Teil seiner Dissertation zu dem Thema. Auch Geschichten von Flucht und Vertreibung, die Joachim Wergin gesammelt hat, erinnern an die Nachkriegszeit.

Bauzeichnungen erstmals gezeigt

Daneben bleibt Platz für viele weitere Themen. So ist Burkhard von Hennigs ins Landesarchiv gefahren und hat dort Bauzeichnungen der Kirche in Bad Oldesloe entdeckt, die nun erstmals im vorliegenden Jahrbuch veröffentlicht werden. „Daraus ist zu erkennen, dass die heutige Kirche erst der zweite Kirchenbau in der Kreisstadt ist“, kann er die Überlieferung korrigieren. „Die alten Unterlagen zeigen, dass die alte Vicelin-Kirche 1751 repariert, nicht neu gebaut wurde.“ Ein Bauaufmaß von Johann Gottfried Rosenberg legt Zeugnis ab von den geplanten Reparaturarbeiten statt eines Neubaus, wie man bisher angenommen hatte. Auch Zeichnungen zu einem Turm lagen im Archiv, der allerdings nie verwirklicht wurde.

Auflage von 600 Stück

Das Jahrbuch 2020 des Heimatbundes Stormarn ist in einer Auflage von 600 Stück erschienen. Es hat 202 Seiten mit vielen, teils farbigen Abbildungen. Das Buch kostet 15 Euro und ist mit Fördermitteln der Sparkassenkulturstiftung Stormarn unterstützt worden. Erhältlich ist es im örtlichen Buchhandel, ISBN 978-3-9816279-6-1.

Kunst und Kirche stehen im Mittelpunkt der Arbeit von Kunsthistoriker Jochen Pause, der zum Thema „Historische Nachahmungen gotischer Glasmalereien“ in Trittau gearbeitet hat. Dort existiert eine Reihe von Kirchenfenstern, die 2012 in der alten Orgelbalg-Kammer entdeckt wurden. Sie entstanden zwischen 1890 und 1920 und gelangten als Stiftung eines Trittauers in die Martin-Luther-Kirche. Ein Bericht über die Fossiliensammlung von Richard Wenck, ein Aufsatz zum Naturschutzgebiet Nienwohlder Moor oder 100 Jahre Bauhaus in Stormarn am Beispiel von Lothar Schreyer und Siegfried Ebeling werfen weitere Schlaglichter auf Stormarns Geschichte. Auch Günther Bocks Forschung zu „Wüstungen in Stormarn“ wird fortgeschrieben. Zusätzlich wird aus Anlass des 200. Geburtstages von Klaus Groth an den niederdeutschen Autor erinnert, denn die Pflege des Plattdeutschen ist ein weiteres Anliegen des Heimatbundes Stormarn.

Das Nienwohlder Moor. Quelle: hfr

„Im Jahrbuch gehen wir ad fontes – zu den Quellen“, betont Spallek, „das macht die Beiträge so spannend.“ Sie seien nicht nur Teil der Geschichte Stormarns, sondern auch Bausteine der Landesgeschichte. Exemplare des Jahrbuchs sind deshalb auch in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek, in der Universitätsbibliothek, in öffentlichen Bibliotheken und beim Amt für Denkmalschutz zu finden.

Von Bettina Albrod

Die besondere Idee, Kinderliteratur mit Bezug zum Beruf vorzulesen, kam gut an.

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