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Stormarn Hier plant Norderstedt seinen neuen Recyclinghof
Lokales Stormarn Hier plant Norderstedt seinen neuen Recyclinghof
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13:58 15.04.2019
Recyclinghof Norderstedt - möglicher Alternativ-Standort am Schützenwall Quelle: Fuchs
Norderstedt.

Der mögliche Ausstieg aus dem mit dem Wegezweckverband (WZV) des Kreises Segeberg betriebenen Recyclinghof an der Norderstedter Oststraße wird immer konkreter. So hat die Norderstedter Stadtvertretung auf ihrer jüngsten Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit entschieden, bis zu zwei Millionen Euro für den Kauf eines Gewerbegrundstücks am Schützenwall bereit zu stellen.

Dort könnte auf einem knapp 6000 Quadratmeter großen Areal von 2020 an ein eigenständiger Recyclinghof für die Entsorgung von Papier, Sperrmüll, Elektroschrott und Bauschutt betrieben werden, sofern die Stadt mit dem WZV keine Einigung über eine Fortsetzung der Kooperation über das Jahresende hinaus erzielt.

Plan B in der Hinterhand

Dabei wird es mit Sicherheit auch um Geld gehen. Denn das Konzept eines Eigenbetriebes, das die politischen Gremien nach Ostern beraten wollen, ist mit 1,1 Millionen Euro Jahreskosten weitaus günstiger als die Ende vorigen Jahres plötzlich um eine halbe Million Euro auf 2,6 Millionen Euro erhöhten Abschlagszahlungen an den WZV.

Offiziell halten die Verantwortlichen in Norderstedt an der möglichen Einigung mit dem WZV fest. „Natürlich müssen wir einen Plan B in der Hinterhand haben“, sagt Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder, die im Mai mit dem neuen WZV-Verbandsvorsteher Peter Axmann über die Fortsetzung des Recyclinghofes an der Oststraße verhandeln wird. „Ein guter Plan A wäre mir lieber“, hofft Roeder auf eine Verständigung mit dem WZV. Dann müssten aber auch die Kosten, die Norderstedt für den Betrieb des Recyclinghofes zahlen soll, transparenter werden, heißt es aus dem Rathaus.

„Kostenaufstellung nicht nachvollziehbar“

Für reichlich Unverständnis sorgte in der Verwaltung und Politik jüngst eine als nicht nachvollziehbar erklärte Kostenaufstellung des WZV, warum der Recyclinghof, für den Norderstedt 2017 endabgerechnet 1,9 Millionen Euro zahlte und damit rund 80 Prozent der Gesamtkosten deckte, 2019 auf einmal 2,6 Millionen Euro kosten solle. Der WZV begründete dies ohne Nachweis durch höhere Fix- und Gemeinkosten, eine notwendige Preisanpassung sowie eine Aussage der Stadtverwaltung aus einem Zeitungsbericht, wunderten sich die politisch Verantwortlichen.

Der neue Verbandsvorsteher Axmann ist für die Norderstedter Seite kein Unbekannter. Der Wirtschaftsjurist arbeitete bislang in einer Hamburger Beratungsfirma, die Norderstedt im Rechtsstreit gegen den WZV beraten hatte, wo es um Rückzahlungsforderungen und einen Korruptionsfall eines Mitarbeiters im Recyclinghof ging.

Wenn aber alle Stricke reißen sollten, will die Verwaltung nicht wie kurz vor Weihnachten geschehen, sich vom WZV vorführen lassen, der plötzlich und unerwartet mit der Schließung des Recyclinghofes zum Jahresende 2018 drohte, falls Norderstedt nicht die Preisanpassung auf 2,6 Million Euro akzeptierte.

Areal soll gekauft werden

Darum soll jetzt das freie Gewerbe-Areal am Schützenwall, zwischen den Betriebsstätten der Lufthansa und Saint Gobain gelegen, gekauft werden, das eine Hamburger Immobilienfirma im Auftrag des Eigentümers vermarktet. Es verfügt über Lagerhallen und Büroflächen und ausreichend Platz für bis zu 16 Abfallcontainer, in die die Norderstedter ihren Sperrmüll und ihr Strauchgut weiterhin kostenlos und andere Wertstoffe gegen Gebühr entsorgen lassen können sollen.

Etwa 4000 Tonnen Bauschutt, Holz, Metallschrott oder Sperrmüll liefern die Norderstedter bislang an der Oststraße ab. Der Umschlag der eingesammelten Restabfälle, Papier- und Sperrmüll, der 20.000 Tonnen im Jahr für Norderstedt ausmacht, soll dann künftig auf dem Betriebshof in der Friedrich-Ebert-Straße entsorgt werden. Für beide Vorhaben bedarf es noch der behördlichen Genehmigungen, die bis zum Jahresende vorliegen sollen.

Die Politik unterstützt mit großer Mehrheit diesen Kurs der Verwaltung. „Aus unsere Sicht wäre es schön, wenn es zu einer Einigung mit dem WZV käme“, sagt SPD-Fraktionschef Nicolai Steinhau-Kühl. „Wenn es nicht funktioniert, müssen wir aber eine Alterbnative haben.“ Grünen-Fraktionschef Marc Muckelberg sagt: „Ziel der Stadt muss es sein, eine gute Verhandlungsposition gegenüber dem WZV zu haben.“ Mit der Realisierung eines konkreten Plans B werde der WZV an den Verhandlungstisch zurückgeholt, ist Linken-Fraktionschef Miro Berbig überzeugt. Und falls das scheitern sollte, weil der WZV immer noch nicht seine hohe Gebühren belegen könnte, sei es auch nicht so schlimm. Dann hätte die Stadt Norderstedt schon nach wenigen Jahren die Investitionen für den Grundstückskauf wieder drin, weil der Betrieb nach der Kalkulation der Verwaltung sehr viel günstiger für Norderstedt wäre. „Dann könnten wir auch die Müllgebühren wieder senken, die jetzt angehoben werden müssen“, sagt Berbig.

Nur FDP-Fraktionschef Tobias Mährlein ist skeptisch. „Wir haben gegen den Grundstückskauf gestimmt. Niemand will zwei Recyclinghöfe in Norderstedt haben.“

Aber auch dafür gibt es bereits einen Plan C. So könnte das angekaufte Areal am Schützenwall, falls es mit dem WZV an der Oststraße auch 2020 weiterginge, Platz schaffen für das Feuertechnische Zentrum ganz in der Nähe an der Stormarnstraße, wo in der Leitstelle auch alle Feuerwehr-Notrufe aus dem Kreis Segeberg auflaufen und koordiniert werden, das dort bereits aus allen Nähten platze. (bf)

Weitere Info:

http://www.ln-online.de/Lokales/Segeberg/Nach-Streit-mit-WZV-Norderstedt-plant-eigenen-Recyclinghof

http://www.ln-online.de/Lokales/Segeberg/WZV-und-Norderstedt-gleichen-sich-an

Burkhard Fuchs

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