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Stormarn In der Kreativgruppe dem Alltag entfliehen
Lokales Stormarn In der Kreativgruppe dem Alltag entfliehen
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07:00 02.01.2020
Ein Highlight für die Kreativgrupe der Lebenshilfe: Beim letzten Treffen vor Weihnachten wird gemeinsam gebacken. Quelle: Petra Dreu
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Ahrensburg

Rauskommen aus der Wohngruppe, andere Leute sehen, etwas anderes machen, kreativ sein und Spaß haben: Alle zwei Wochen treffen sich Teenager und Erwachsene bei der Lebenshilfe Stormarn in Ahrensburg, um nach ihren jeweiligen Möglichkeiten dem Alltag zu entfliehen und ihre kreative Ader spielen zu lassen. Das geschieht traditionell beim letzten Treffen vor Weihnachten mit Plätzchenbacken.

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„Meine Kekse nehme ich mit nach Hause“, Marvin (15) ist bei dem Gedanken ganz aufgeregt und sofort bei der Sache, als es darum geht, den Teig für die Gruppe zu rühren und zu kneten. Hilfe bekommt er dabei von seinem Wohngruppen-Mitbewohner Lukas (15) und Gruppenleiter Hendrik Bölck (29). Beim Rühren und Kneten legen die drei jungen Männer ein enormes Tempo vor. In Nullkommanix ist der Teig fertig, auf den die anderen Teilnehmer schon warten.

Ein Highlight: das große Backen vor Weihnachten

Die beiden 15-Jährigen leben in einer Wohngruppe in Siek. Dritter im Bunde ist Florian (17), der Bruder von Lukas. Die beiden Brüder können in der Wohngruppe besser gefördert werden, als es zu Hause der Fall wäre, denn auch ihre Eltern und weitere Geschwister leben mit Behinderungen. Um an der Kreativgruppe teilnehmen zu können, werden die drei Jugendlichen aus der Wohngruppe abgeholt und wieder zurückgebracht, damit sie dem Alltag entfliehen können. Zwei Stunden lang alle 14 Tage. Das große Backen vor Weihnachten ist für sie ein Highlight. Sie können etwas mitnehmen und zeigen, was sie geschafft haben. Das gibt Selbstvertrauen.

Ein Spaß für Behinderte und Betreuer gleichermaßen.

Marvin und Lukas sind die jüngsten Gruppenbesucher. Antje ist mit 52 Jahren die älteste Teilnehmerin. Auch sie wohnt in einer ambulanten Wohngruppe, in der sie mit Unterstützung das Leben meistert. Das Ausstechen der Weihnachtskekse und das Verzieren mit Nüssen oder bunten Streuseln schafft sie allein. Das Backblech in den Backofen zu schieben, traut sie sich jedoch nicht. Hilfe bekommt sie dabei von Alina, einer von insgesamt vier Betreuerinnen.

Vier Betreuer helfen den Gruppenteilnehmern

Als Aushilfen verdienen sich die jungen Frauen ein Taschengeld. Sie nehmen die Behinderten wie sie sind und sorgen dafür, dass die Freizeitaktivitäten der Lebenshilfe überhaupt stattfinden können, denn nicht alle Teilnehmer sind dazu in der Lage, mit wenig Hilfestellungen auszukommen.

So können Sie helfen

Liebe Leserinnen und Leser,„Alle Menschen sollen dabei sein. Bei der Arbeit, beim Wohnen, in der Freizeit und in allen Lebenslagen.“ So lautet das Leitmotiv der Lebenshilfe, die mit ihrer Arbeit dazu beiträgt, dass Menschen mit Behinderungen teilhaben können - in allen Lebenslagen.

Manche Projekte, für die es keine öffentlichen Mittel gibt, kann die Lebenshilfe nur über Spenden finanzieren - Disco, Kegeln oder einfach nur ein Ausflug in die Natur. Dinge, die für Menschen ohne Beeinträchtigungen selbstverständlich sind, bleiben für viele behinderte Menschen ohne die Lebenshilfe oft unerreichbar.

Deshalb kommen die Spenden aus der LN-Aktion „Hilfe im Advent“ in diesem Jahr der Lebenshilfe zugute. Ich bitte Sie, liebe Leserinnen und Leser: Unterstützen Sie „Hilfe im Advent“, spenden Sie für die Lebenshilfe.

Holger Schwartz, LN-Redaktionsleitung Bad Segeberg/Bad Oldesloe

Spendenkonto Segeberg: Lebenshilfe Bad Segeberg; Sparkasse Südholstein, IBAN: DE 30 2305 1030 0511 0464 76, Verwendungszweck: „Spende Hilfe am Advent

Spendenkonto Stormarn: Lebenshilfe Stormarn e. V.; Sparkasse Holstein, IBAN: DE 91 2135 2240 0090 1753 42; Verwendungszweck: „Spende Hilfe am Advent

Wesentlich mehr Betreuung brauchen Lukas (26) und Nicole (30), denen die Freude auf das Backen deutlich anzumerken ist. Beide sind wegen einer Tetraspastik auf Elektro-Rollis angewiesen. Seine rechte Hand kann Lukas nicht so gut gebrauchen. Aber mit seiner linken schafft er es mit etwas Hilfe, die Plätzchen auszustechen und nach dem Backen zu verzieren. Bei Nicole klappt das nur, wenn Betreuerin Anne den Teig zu ihrer Hand führt. Dennoch sind beide stolz, dabei sein zu können.

„Unsere Rollifahrer sind toll. Sie warten geduldig, wenn man nicht sofort helfen kann“, erzählt Hendrik Bölck. In der Kreativgruppe ist der Erzieher der einzige festangestellte Mitarbeiter der Lebenshilfe. 2010 gehörte er zum letzten Jahrgang, der zwischen Bundeswehr und Zivildienst entscheiden konnte. Seinen Zivildienst hat er in der Lebenshilfe Ahrensburg abgeleistet und ist mehr oder weniger dort „hängen“ geblieben.

Ausflüge und Besuche bei Ikea stehen hoch im Kurs

In der Kreativgruppe versucht er, all das umzusetzen, was die Teilnehmer möchten. „Das ist manchmal nicht so einfach. Man muss etwas finden, was alle machen können“, erzählt Hendrik Bölck. Auf dem Terminplan seiner Gruppe stehen mitunter Ausflüge und ein Besuch bei Ikea, aber auch Kegeln ist bei den Teilnehmern beliebt. Und sie strahlen, wenn sie etwas, was sie selbst hergestellt haben, mit nach Hause nehmen können.

Während die Personalkosten für Freizeitaktivitäten wie die Kreativgruppe eine ist, gedeckt sind, sind es Eintrittsgelder und Material wie Bastel- und Malutensilien oder die Zutaten für das Weihnachtsbacken nicht. Hendrik Bölck: „Deshalb sind wir auf finanzielle Unterstützung angewiesen und für alle Spenden sehr dankbar.“

Von Petra Dreu