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Stormarn Hilfe im Advent: „Café International“ in Trittau verbindet Menschen
Lokales Stormarn

Hilfe im Advent Stormarn: „Café International“ in Trittau verbindet Menschen

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15:00 30.11.2021
Vor Corona trafen sich Helfer und Gäste regelmäßig im Café International in der Wassermühle.
Vor Corona trafen sich Helfer und Gäste regelmäßig im Café International in der Wassermühle. Quelle: Trittauer Bürgerstiftung
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Trittau

Das „Café International“ in der Trittauer Wassermühle führt Kulturen zusammen. Die Trittauer Bürgerstiftung hat es gegründet, als die ersten Flüchtlinge nach Stormarn kamen. Alle 14 Tage konnten sich bis zum Beginn der Pandemie Menschen aus vieler Herren Länder bei Kaffee, Tee und Keksen auf Augenhöhe begegnen. Ein wertvoller Beitrag dazu, dass die Flüchtlinge nicht in Isolation leben müssen und mit ihren Problemen allein dastehen. Neben dem Austausch von Trittauern mit Zugezogenen gehört das Üben der deutschen Sprache zum Ziel der Aktion. Sobald es möglich ist, soll das Café wieder geöffnet werden.

Unkomplizierte Begegnung ermöglichen

„Als Bürgermeister Walter Nussel sein Amt abgab, hat er eine Gruppe gegründet, die für die Begrünung Trittaus zuständig sein sollte“, erzählt Ursula Otten vom Vorstand der Trittauer Bürgerstiftung. Nach einem Jahr Pflanzen und Harken kamen die Flüchtlinge, und schnell wurde den ehrenamtlich Helfenden klar, dass auch jene „Hege und Pflege“ brauchten. „Wir wollten ihnen die Gelegenheit bieten, über die Sprachkurse hinaus ihre Deutschkenntnisse anzuwenden“, sagt Ursula Otten. Zudem sollte eine unkomplizierte Begegnungsmöglichkeit mit Trittauer Bürgern geschaffen werden. So entstand das „Café International“. „Wir haben Plakate aufgehängt und das Café alle 14 Tage für zwei Stunden angeboten. Wir haben die Tür geöffnet und auf Deutsch ,Herzlich Willkommen’ gesagt.“

Mit Kaffee und Tee zur Völkerverständigung: Ursula Otten arbeitet im Café International mit. Quelle: Bettina Albrod

Das Angebot kam an, und regelmäßig trafen mal mehr, mal weniger Gäste zusammen. „Viele haben ihre Kinder mitgebracht, sodass wir auch Bücher und Spiele besorgt haben. Dadurch hat man leichter Kontakt hergestellt.“ Man redete mit Händen und Füßen oder nutzte einen der zwei Dolmetscher, die regelmäßig dabei waren. Mit der Zeit habe sich immer mehr Nähe ergeben, berichtet Ursula Otten weiter. Junge Mütter brachten ihre Babys mit ins Café und alle waren bemüht, Kinderwagen zu beschaffen oder bei Gängen zum Amt zu helfen. „Nach und nach haben sich Sympathien entwickelt.“

Hier können Sie spenden

Die LN-Leser-Aktion „Hilfe im Advent“ macht sich in diesem Jahr für ehrenamtliche Projekte stark, die sich für das Miteinander einsetzen und Menschen helfen, einen Weg aus der Einsamkeit zu finden. Die Spendensammlung der LN und der Sparkasse Holstein findet unter dem Motto „Gemeinsam gegen einsam“ statt. Mit Hilfe der Lübecker Freiwilligenagentur ePunkt stellen wir Ideen und Projekte vor, die sich uneigennützig im Verein, in der Nachbarschaft oder in anderen Bereichen dafür stark machen, dass sich einsame Menschen wieder eingebunden fühlen und wieder Freude am Leben haben. Der ePunkt sammelt die Spenden der LN-Leserinnen und -Leser und gibt sie dann an die Ehrenamtlichen weiter.

„Wir möchten ehrenamtliche Aktionen unterstützen, die soziales Miteinander fördern und der Einsamkeit von Menschen etwas entgegensetzen wollen“, sagt dazu Jörg Schepers, Referent der Bürger-Stiftung. „Einsam sind aber nicht nur Ältere, sondern auch junge, geflüchtete, benachteiligte oder erkrankte Menschen.“ Für alle gibt es im Kreis Stormarn diverse Stiftungen, die sich unter dem Dach der Bürger-Stiftung treffen und austauschen können.

Hier können Sie spenden:

Empfänger: ePunkt e.V. - Hilfe im Advent Stormarn

Kontoinhaber: ePunkt e. V.

IBAN: DE05 2135 2240 0179 2610 11

BIC: NOLADE21HOL

Bank: Sparkasse Holstein

Verwendungszweck: „Spende: Hilfe im Advent“

Unter dem Dach der Bürger-Stiftung Stormarn sind sechs regionale Bürgerstiftungen und mehr als 30 Stiftungen und vielfältige Projekte vereinigt, die es Stormarnerinnen und Stormarnern ermöglicht, eigene Ideen, Projekte und Initiativen für ein nachhaltiges Leben in der Region Stormarn umzusetzen. Mehr als 280 Ehrenamtliche sind bereits Teil der Bürger-Stiftung Stormarn. „Wir sind eine Mitmach-Stiftung. Bei uns ist jeder willkommen: Zeitspender, Ideenspender, Stifter oder Geldspender“, sagt Stiftungsreferent Jörg Schepers.

Begegnungen sind ein Geben und Nehmen

20 bis 25 Gäste besuchen im Durchschnitt das Café, das vier bis sechs Ehrenamtliche betreuen, die mit den Kindern spielen, Fragen beantworten und helfen, wenn Not am Mann ist. „Eine Frau hatte sich bei der Flucht verletzt, da konnte ihr eine Physiotherapeutin aus dem Team helfen.“ Dann wieder kamen Lehrer aus Trittau und brachten Bücher und Landkarten mit. Ursula Otten gab einer Frau mit zwei Kindern Deutschunterricht. „Am Anfang waren viele Araber da. Inzwischen sind es hauptsächlich Iraner, die zu uns kommen.“ Die seien überwiegend Christen, könnten Englisch und seien großteils gut ausgebildet.

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Die Arbeit im „Café International“ ist für Ursula Otten ein Geben und Nehmen. „Wir bekommen sehr viel zurück“, sagt sie. „Wir erleben bei Besuchen eine überwältigende Gastfreundschaft.“ Eines Tages sei ein Iraner gekommen, der in seiner Heimat Künstler, Musiker und Filmemacher war. Er lebte mit einem weiteren Flüchtling in einem sieben Quadratmeter großen Zimmer in einer Unterkunft und konnte dort nicht malen. „Das Problem ist, dass viele nur eine Aufenthaltsgenehmigung für ein halbes Jahr haben, die dann wieder und wieder verlängert wird, bis über ihren Asylantrag entschieden wird.“ Ursula Otten organisierte eine Wohnung für den Iraner und zwei weitere Männer. „Es bilden sich teils enge Kontakte. Er ist mein iranischer Sohn.“

Nikolauskaffee in der Wassermühle beim „Café International“. Quelle: Trittauer Bürgerstiftung

Stipendium gewonnen

Eine Erfolgsgeschichte ist die des jungen Iraners Saeid Izadi. „Er hat sich selber Deutsch beigebracht und ist ins Café gekommen, um es auch zu sprechen.“ Bald schon arbeitete er als Dolmetscher im Café, doch sein Berufswunsch ist Erzieher. Als er einen Platz an der privaten Ludwig Fresenius-Schule in Lübeck bekam, erfuhr Ursula Otten von einem Stipendium des Rotary Clubs Bargteheide für soziale Berufe. Izadi bewarb sich und gewann das Stipendium für ein Jahr.

„Man hat bei der Arbeit gelernt, dass die Flüchtlinge Menschen sind wie wir“, bilanziert Ursula Otten. „Meine Welt hat früher bei der Türkei aufgehört. Jetzt kommen auch andere Länder ins Blickfeld.“ Sobald es geht, soll das „Café International“ wieder öffnen. „Bis dahin halten wir Kontakt über Whatsapp und Telefon.“

Von Bettina Albrod