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Stormarn Hilfe im Advent: Was das Leben glücklich macht
Lokales Stormarn Hilfe im Advent: Was das Leben glücklich macht
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12:37 02.12.2019
Tanzlehrerin Anke Sturm mit Emma. Im Hintergrund die Kinder der Tanzgruppe. "Hilfe im Advent“, Besuch der Tanzgruppe Lebenshilfe, 29.11.19 Quelle: 54° / John Garve
Bad Segeberg/Stormarn

Paul Plugarev (32) geht langsam, weil er eine Gleichgewichtsstörung hat. Er spricht stockend und braucht länger, um das zu sagen, was er möchte. Doch wenn er etwas sagt, liegt ein Lächeln auf seinem Gesicht. Paul Plugarev ist seit seiner Geburt behindert und doch führt er ein glückliches Leben.

Weil er ein eigenes Zimmer in einer Wohnstätte in Wahlstedt hat, weil er wie andere Menschen auch morgens zu seiner Arbeit geht, bei der er in der Werkstatt Waren für Arko verpackt. Und weil er in seiner Freizeit am Leben teilhaben kann. „Am Sonnabend ist wieder Disco, da gehe ich auf jeden Fall hin. Ich tanze gerne“, sagt Plugarev und lacht fröhlich. „Außerdem gehe ich gern zum Kegeln. Zwei oder dreimal ist mir da beim letzten Wurf schon was Besonderes gelungen. Weißt Du was?“ „Nein. Was denn?“ „Alle Neune!“, ruft er.

Freizeit muss überSpenden finanziert werden

Dass Paul Plugarev ein fast normales Leben führen kann, verdankt er auch der Lebenshilfe. Diese wurde vor rund 60 Jahren in Deutschland als „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind“ gegründet und organisiert sich vor allem in Vereinsstrukturen auf regionaler Ebene. Mit den Jahren sind immer mehr Angebote für Menschen mit Behinderungen entstanden. „Es gibt Kindertagesstätten, Wohnheime, Werkstätten und vieles mehr“, sagt Sylvia Johannsen, die Vorsitzende der Bad Segeberger Lebenshilfe und Ursula Johann, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Stormarn stimmt ihr zu. Für all diese Grundbedürfnisse wie Wohnen und Arbeiten gibt es Kostenträger und klare Sätze für die Finanzierung.

„Aber es gibt eine Lücke zwischen dem, was bezahlt wird, und dem, was die Menschen brauchen und sich wünschen“, so Johannsen. So bleibt die Freizeitgestaltung, also all die Discoabende, Kegeltreffen oder Ausflüge, die auch Paul Plugarevs Leben so glücklich machen und die für die meisten Menschen selbstverständlich sind, vor allem von Spenden abhängig. Die Behinderten selbst bekommen in den meisten Fällen nur die Grundsicherung.

Dabei geht es für die Lebenshilfe nicht nur um die Organisation eines Angebots, sondern vor allem darum, den Menschen die Teilhabe zu ermöglichen. Etwa im Kinder- und Jugendbereich. Ursula Johann: „Wir haben da unheimlich viele Ideen und Möglichkeiten. Wichtig ist uns, dass jeder an den Angeboten teilhaben kann und nicht aufgrund einer Behinderung ausgeschlossen wird.“

Die behinderten Menschen wohnen in verschiedenen Wohnstätten, viele auch zuhause bei ihren Eltern. Die meisten können nicht selbstständig fahren. „Wir müssen daher immer ’rumfahren, alle einsammeln und wieder nach Hause bringen. Und der Kreis ist groß“, sagt Johannsen. „Wir haben eine Handicap-Fußballmannschaft, die zu Turnieren gefahren werden muss“, ergänzt ihre Stormarner Kollegin. Gerade die Schwächsten möchte die Lebenshilfe erreichen. „Diese Menschen möchten einfach auch mal etwas anderes sehen, als immer nur die eigenen vier Wände“, so Johannsen. Ausflüge, sei es in den Erlebniswald Trappenkamp oder zur Seehundstation nach Friedrichskoog, seien unvergessliche Erinnerungen.

Auch Angebote wie der Freizeitclub in der „Villa Kunterbunt“ in Ahrensburg, der von bis zu 130 Menschen jede Woche genutzt wird, habe einen sehr hohen Stellenwert, unterstreicht Ursula Johann. „Das städtische Gebäuden in dem er untergebracht ist, ist in die Jahre gekommen. Mit Spenden könnten wir die Situation ein Stück weit entspanne.“

Weitere Informationen zu „Hilfe im Advent“

Klicken Sie hier, um auf einer Themenseite alle Berichte zur LN-Aktion „Hilfe im Advent“ zu lesen

Leben mit Behinderungen: So meistert eine Lübecker Familie die Barrieren des Alltags (große LN-Reportage)

Der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung im Interview: Warum Schleswig-Holstein Nachholbedarf hat

Diese Initiativen unterstützen wir 2019 mit Ihrer Spende – in den Artikeln steht, wie Sie helfen können:

Lübeck: Die Marli GmbH hilft schwerbehinderten Menschen. Mehr Informationen zum Projekt.

Ostholstein: „Die Ostholsteiner“ helfen Menschen mit Behinderung zu mehr Selbständigkeit und Bewegungsfreiheit. Mehr Informationen zum Projekt.

Segeberg und Stormarn: Die „Lebenshilfe“ hilft Menschen mit Behinderungen, dass sie an alltäglichen Aktivitäten wie Disco oder Kegeln teilnehmen können. Mehr Informationen zum Projekt.

Herzogtum Lauenburg: In der integrativen Kindertagesstätte Heidepünktchen werden Kinder mit und ohne Handicap gemeinsam aufs Leben vorbereitet. Mehr Informationen zum Projekt.

Falls Sie eine Spendenbescheinigung wünschen, geben Sie Ihren Namen und Ihre Adresse bei der Überweisung an. Bei Spenden bis 200 Euro reicht der Überweisungsbeleg als Bescheinigung.

Teilhabe am normalen Leben

Doch es sind nicht nur reine Angebote für behinderte Menschen, die die Lebenshilfe macht. Die Einrichtung unterstützt die Menschen auch bei der Teilhabe am ganz normalen Leben. Paul Plugarev liebt das Töpfern. „Ich töpfere Blumen, Tiere, Schalen, Becher, das mag ich wirklich gern.“ Um das Handwerk zu lernen, hatte sich der 32-Jährige für einen Töpferkurs angemeldet. Da es in seiner Wohnstätte keinen gab, wollte er wie alle anderen auch zur Volkshochschule gehen. Am Anfang brauchte er dabei noch Unterstützung, und das war der Moment, in dem die Lebenshilfe ins Spiel kam.

Aktion „Hilfe im Advent“

Liebe Leserinnen und Leser,„Alle Menschen sollen dabei sein. Bei der Arbeit, beim Wohnen, in der Freizeit und in allen Lebenslagen.“ So lautet das Leitmotiv der Lebenshilfe, die mit ihrer Arbeit dazu beiträgt, dass Menschen mit Behinderungen teilhaben können - in allen Lebenslagen.

Manche Projekte, für die es keine öffentlichen Mittel gibt, kann die Lebenshilfe nur über Spenden finanzieren - Disco, Kegeln oder einfach nur ein Ausflug in die Natur. Dinge, die für Menschen ohne Beeinträchtigungen selbstverständlich sind, bleiben für viele behinderte Menschen ohne die Lebenshilfe oft unerreichbar.

Deshalb kommen die Spenden aus der LN-Aktion „Hilfe im Advent“ in diesem Jahr der Lebenshilfe zugute. Ich bitte Sie, liebe Leserinnen und Leser: Unterstützen Sie „Hilfe im Advent“, spenden Sie für die Lebenshilfe.

Holger Schwartz,

LN-Redaktionsleitung Bad Segeberg/Bad Oldesloe

Spendenkonto Segeberg: Lebenshilfe Bad Segeberg; Sparkasse Südholstein, IBAN: DE 30 2305 1030 0511 0464 76, Verwendungszweck: „Spende Hilfe am Advent

Spendenkonto Stormarn: Lebenshilfe Stormarn e. V.; Sparkasse Holstein, IBAN: DE 91 2135 2240 0090 1753 42; Verwendungszweck: „Spende Hilfe am Advent

Ein Mitarbeiter hat Plugarev zu seinem Kurs gefahren. Ohne diese Hilfe wäre dieser einfache Wunsch das Töpfern zu lernen, den sich ansonsten jeder nichtbehinderte Mensch selber erfüllen kann, ein unerreichbarer Traum geblieben. Denn Wohneinrichtungen für Behinderte können zwar für ihre Gruppen Aktivitäten organisieren, aber das Personal reicht oft nicht, um auf einzelne Wünsche und Bedürfnisse einzugehen. „Uns ist es deshalb wichtig, so etwas möglich zu machen“, sagt Johannsen und verweist auf die Entwicklung der Behindertenhilfe. „Erst gab es gar nichts für Behinderte, dann wurden sehr viele Einrichtungen wie Werkstätten und Wohnheime gegründet. Das war ein großer Fortschritt. Aber jetzt ist es soweit, den nächsten Schritt zu tun.“

Es sei nicht schön, wenn behinderte Menschen immer nur in ihren Einrichtungen die Angebote wahrnehmen könnten, abgetrennt von der Außenwelt. „Es ist eben toll, wenn sie auch mal an einem ganz normalen Volkshochschulkurs teilnehmen können. Deshalb schauen wir, was sich die Menschen außerhalb von den Angeboten der Einrichtungen wünschen – und helfen.“

Der große Traum: Eine Reise an das Mittelmeer

Paul Plugarev liebt auch die gemeinsamen Ausflüge. „Im Sommer waren wir mal zusammen am Strand, das war toll“, sagt der 32-Jährige. Ein Traum wäre es für ihn, mal gemeinsam mit anderen Behinderten so richtig zu verreisen. Wohin? „Nach Spanien, ans Mittelmeer!“, ruft er begeistert. Sylvia Johannsen lächelt. Ja, davon würden viele der behinderten Menschen träumen. Gemeinsam mal ein Haus am Meer zu mieten. Das ist nicht so billig, das Haus muss behindertengerecht sein, es muss Betreuer geben. Doch vielleicht wird auch dieser Traum durch die Spenden der LN-Leser wahr.

Von Sven Wehde

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