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Stormarn Historischer Friedhof neu entdeckt
Lokales Stormarn Historischer Friedhof neu entdeckt
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12:32 15.02.2017
25 historische Grabsteine und einige Gruften sind auf dem Friedhof noch erhalten. Doch viele Inschriften sind längst verwittert. Quelle: Fotos: Matzen
Bad Oldesloe

Eine Insel der Ruhe mitten in der Stadt: der Historische Friedhof von Bad Oldesloe. Gartendenkmalpfleger und Landschaftsarchitekten untersuchten jetzt die Anlage und kamen zu einem überraschenden Ergebnis: „Die kulturelle Wertigkeit des historischen Friedhofs schätzen wir sehr, sehr hoch ein. Hier wird nicht nur Oldesloer, sondern auch schleswig-holsteinische, preußische und deutsche Geschichte greifbar – das ist einmalig“, erklärten Frank Bellinger und Dr. Joachim Schnitter aus Hamburg am Montagabend den Mitgliedern des Bauausschusses. Eine Friedhofsanlage mit so einem denkmalpflegerischen Wert existiere im Norden kaum noch. „Wäre ich Geschichtslehrer in Oldesloe, würde ich meine Klasse zum Obelisken bringen und hier die Historie erzählen“, sagte Bellinger.

Konzept von Denkmalpflege-Experten offenbart kulturhistorische Bedeutung der Parkanlage.

Bellinger und Schnitter stellten dem Bauausschuss ein Konzept zur Erhaltung und Entwicklung des Kleinods vor, das vorab mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt worden war. Doch zunächst nahmen die beiden Experten die Ausschussmitglieder mit auf einen schnellen Ritt durch die Geschichte.

1823 sei der Friedhof gegründet worden – damals noch vor den Toren der Stadt. „Es existiert sogar noch ein Entwurfsplan aus der Zeit mit mittigem Wegekreuz, der den Friedhof in vier Bereiche teilte“, so Schnitter. Die wohlhabenden Bürger der Stadt hätten ihre eigenen Areale gehabt – ebenso die weniger Begüterten. „Es gibt nur noch wenige Anlagen, in denen sich diese typische nordelbische Friedhofskultur so gut erhalten hat“, informierte Schnitter über die Besonderheit. Bedeutend sei auch der umlaufende Weg mit dem Lindenkranz, der noch deutlich ablesbar sei. „Den schätzt die Denkmalpflege besonders hoch ein“, so Schnitter. Die Toranlage von 1824 stamme von dem angesehenen Hamburger Baumeister Alexis de Châteauneuf. Sie sei seine früheste Arbeit. Leider seien nur noch 25 historische Grabsteine erhalten sowie einige Gruftanlagen und ein Obelisk, der an die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 erinnere.

Auch der Garten- und Landschaftsarchitekt Harry Maasz habe die Gestaltung des Friedhofes entscheidend geprägt. „Für jeden Gefallenen des 1. Weltkrieges eine Eiche – das war die patriotische Idee, die hinter Maasz’ Heldenhain steht“, erläuterte Bellinger. Selten sei ein Heldenhain so komplett erhalten. „In den frühen 50er Jahren fanden Veränderungen des Ehrenfriedhofs statt, die heute noch sichtbar sind“, sagte Bellinger. Zeugnis davon sei auch die Figur der Trauernden – ein Werk von Richard Kuöhl, dem Schöpfer des Gänselieselbrunnens.

„Doch der Park hat im Laufe der vergangenen Jahrzehnte sehr gelitten und gilt als akut gefährdet. Es müsste deshalb dringend was getan werden, um dieses Schmuckstück zu erhalten“, machten die Hamburger Experten deutlich. Ihr Konzept sieht eine Reihe von Maßnahmen vor. Unter anderem sollen die Linden, die über Jahrzehnte vernachlässigt wurden, fachmännisch gepflegt werden, um sie noch möglichst lange zu erhalten. In ihrem Konzept empfehlen sie auch, das Wegekreuz zu rekonstruieren, umgefallene Grabsteine wieder aufzurichten, den Hauptzugang gehfreundlicher zu gestalten und den fehlenden Sichtschutz auf der linken Seite durch eine Eibenhecke zu ergänzen. „Auch die Aussichtsplattform zur Beste kann man aufwerten“, so Bellinger. Viele Ideen mehr haben sich Schnitter und Bellinger einfallen lassen. Doch im Bauausschuss war nicht jeder begeistert. „Wir wollten nur das Torhaus saniert wissen und den Eingangsbereich. Das finde ich hier nicht. Für mich kommt das Konzept in die Schublade“, erklärte Hans-Hermann Roden (SPD).

Uwe Rädisch (CDU) sah das anders. „Mir ist deutlich geworden, was wie hier für einen Schatz in der Stadt haben. Mich hat das Konzept überzeugt. Wenn wir noch gefördert werden, sollten wir zugreifen.“

Im Rahmen des Programms Stadtumbau West wäre es möglich, Mittel dafür zu beantragen.

 Britta Matzen