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Stormarn Hitze: In manchem Stormarner Teich wird jetzt der Sauerstoff knapp
Lokales Stormarn Hitze: In manchem Stormarner Teich wird jetzt der Sauerstoff knapp
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13:14 25.07.2018
Fritz Witten an der Brücke hinter der Oldesloer Hude. Das Kraut steht dort verhältnismäßig hoch, aber der Fluss wird noch gut belüftet. Quelle: Dorothea von Dahlen
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Bad Oldesloe

Schön für Sommerfrischler, mitunter bedrohlich für die Fischwelt. Denn die lang anhaltende Hitze lässt die Gewässer in der Region aufblühen, was den Lebenwesen darin den Sauerstoff raubt. Fritz Witten, Vorsitzender des Oldesloer Anglervereins, hat die Lage genau im Blick.

„Man muss jetzt genau beobachten, wie sich alles entwickelt. Der Sommer ist noch lang“, sagt Witten. In manch stehendem Gewässer wie etwa dem Oldesloer Königsteich an der Segeberger Straße sei die Situation schon kritisch, weil er nicht von Natur aus genügend belüftet werde. Je weniger Sauerstoff sich in einem See befinde, desto paradiesischer entwickelten sich die Lebensbedingungen für Algen. Im Extremfall entstehe Faulschlamm und der See kippe um, so dass sich darin kein Leben mehr halten könne. Beim Königsteich habe das künstlich verhindert werden können. „Als Gegenmaßnahme pumpen wir ständig Wasser aus der Wökenitz hoch. Sonst wäre er schon längst umgekippt“, sagt der Vereinschef. Das gehe allerdings enorm ins Geld. Die Stromkosten dafür beliefen sich auf etwa 3000 Euro in diesem Jahr. Ebenso gefährdet seien die Vinzierer Teiche.

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Fische fliehen in die Flüsse

Fische, die sich in diesem Milieu aufhielten, seien deshalb sehr gefährdet, da sie kaum Chancen hätten, in sauerstoffreichere Zonen zu gelangen. Problematisch sei das für alle Weißfischarten, wie Rotfeder, Aland, Döbel, Rotauge und Brasse. Aus dem Neversdorfer, Mötzener, Warder oder Großem Segeberger See allerdings gebe es im Ernstfall ein Entkommen, da die Gewässer alle eine Verbindung zur Trave hätten.
Sowohl Trave als auch Beste sind zurzeit noch ein sicherer Hafen für die Weißfische, weiß Witten zu berichten. Denn anders als in anderen Regionen sei das warme Wetter in Stormarn zurzeit immer noch von stetigem Wind begleitet. „Die ständige Bewegung an der Wasseroberfläche trägt auch zu einer Verbesserung des Sauerstoffgehalts im fließenden Gewässer bei“, erklärt er. Deshalb setze in kritischen Situationen auch ein Abwandern der Fische in die Flüsse ein.

Überlebenschance für den Aal

Als Anglervereinschef hat Witten aber längst nicht nur den eigenen Einzugsbereich im Blick. Das zunehmende Verschwinden des Aals aus norddeutschen Gewässern bereitet ihm Sorgen. „Der Bestand ist tatsächlich bedroht. Die Meere sind überfischt. Das bekommen wir auch hier zu spüren“, sagt er. In Japan und Frankreich seien Glas aale – wie die Fische in noch sehr jungem Stadium genannt werden, weil sie nahezu durchsichtig sind – eine Delikatesse. Deshalb gelangten die meisten Vertreter dieser Spezies gar nicht erst zur Geschlechtsreife, um selbst Nachkommen zu produzieren. Dabei sei die Vermehrung des Europäischen Aals auch ohne menschliches Zutun ein kompliziertes Unterfangen. Schließlich wanderten die Tiere über Monate hinweg bis zur Saragossa-See nahe der Bahamas, um zu laichen. Und das sei von vielen Unwägbarkeiten begleitet, da auf dieser Strecke allerlei Gefahren lauerten – bis hin zur Endstation auf einem Fischkutter.
Um zu verhindern, dass diese bedrohte Art eines Tages nur noch als Foto bei Wikipedia bestaunt werden kann, ziehen Witten und seine Kollegen aus anderen Anglervereinen an einem Strang. Jedes Jahr setzen sie Jungaale im Wert von 5000 bis 6000 Euro in die Gewässer aus.
Ein Anliegen ist den Vereinen aber auch die Pflege des Meerforellen- und Lachsbestands. Haben die Muttertiere ihre Eier gut geschützt in Trave oder Beste abgelegt und sind sie erfolgreich befruchtet worden, so besteht nach Erfahrung von Witten immer noch die Gefahr, dass das Laichbett von angeschwemmtem Sand zugedeckt wird und der Nachwuchs erstickt.

Befruchtung in vitro

Das versuchen die in der Hegegemeinschaft Trave zusammengefassten Angler von vornherein zu verhindern. „Wir fahren mit dem Boot bis nach Bad Segeberg und Klein Rönnau und fangen die Fische. Den Weibchen streifen wir die Eier und den Männchen das Sperma ab und bringen sie zur Fischbrutanstalt nach Alt-Mühlendorf“, berichtet Witten. Die dort bebrüteten Jungforellen würden später wieder im heimischen Gewässer ausgesetzt. Die Ansiedlung der Meerforelle sei auf diese Weise geglückt. „Der Lachs bereitet uns mehr Schwierigkeiten. Woran das liegt, weiß keiner“, sagt Witten.

Von Dorothea von Dahlen 

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