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Stormarn Höchstförderung für Chemie-Experimente
Lokales Stormarn Höchstförderung für Chemie-Experimente
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14:01 06.03.2019
Mette, Sema und Paula (v.l.) sind im Chemieprofil und freuen sich: „Es ist genauso toll, wie wir es uns vorgestellt haben !" Quelle: Sandra Freundt
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Bad Oldesloe

Vorsichtig zieht Mette die Flüssigkeit in die Pipette, träufelt dann etwas davon auf die zuvor erstellte Seifenlauge im Reagenzglas. Sema und Paula beobachten gespannt, was sich verändert. Das Trio diskutiert anschließend, welche Reaktion Zufall und was ein logisches Ergebnis sein könnte. Mit den Begriffen Kalziumionen, EDTA und pH-Wert gehen die Oberstufenschülerinnen dabei wie selbstverständlich um. Neben dem theoretischen Teil bestehen tatsächlich fast 50 Prozent des Chemieunterrichts an der TMS aus Experimenten.

2. Bescheid brachte Überraschung

Für diese „herausragende Einbeziehung von Experimenten in den Chemieunterricht“ – so der Verband der chemischen Industrie – wurde das Oldesloer Gymnasium jetzt als „besonders förderwürdig“ ausgezeichnet und erhielt einen finanziellen Zuschuss von 5000 Euro. Mit dieser Höchstförderung hatte Axel Reichert nicht gerechnet, als er im Juni letzten Jahres die acht Seiten umfassenden Antragsformulare ausgefüllt hatte. Tatsächlich gab es mit dem Bescheid aus August 2018 zunächst eine Bewilligung von 2500 Euro. „Bereits darüber haben wir uns schon sehr gefreut“, so der Chemie-Fachleiter der TMS. Umso überraschter waren seine Kollegen und er dann, als die Schule im Dezember erneut ein Bescheid mit der Zusage von exakt noch einmal der gleichen Summe erreichte. „Damit werden unsere Anstrengungen, lebendigen Chemieunterricht zu machen und somit mitzuhelfen, Nachwuchskräfte für den wohl wichtigsten Industriezweig Deutschlands zu stellen, enorm gewürdigt“, strahlte Reichert über diese besondere Anerkennung.

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Am Oldesloer Gymnasium wird Chemie ab der siebten Klasse unterrichtet, in Theorie und Praxis zu gleichen Teilen. Der Unterricht ist dabei so anschaulich gestaltet, dass viele Mittelstufenschüler sich bei der Wahl ihres Profilfachs für Chemie entscheiden. So ist derzeit auch jeder der drei Oberstufenjahrgänge mit einem Chemieprofil – ein Kurs umfasst dabei rund 25 Schüler – besetzt.

Höchstförderung für Experimente im Unterricht

„Ich werde wohl auch Chemie wählen“, so der vierzehnjährige Zeno. Der Achtklässler hat zwar noch gut ein Jahr Zeit für seine Entscheidung, doch experimentierte er schon immer gern, mischte auch in der heimischen Küche verschiedene Substanzen zusammen, um die Reaktionen zu testen. An der TMS haben ihn besonders die Versuche mit Rotkohl beeindruckt. „Da haben wir Rotkohl erhitzt, das daraus entstehende Wasser mit Laugen und Säuren versetzt und die Reaktionen ermittelt“, weiß er noch. In diesen Tagen stand nun die Flammenfärbung auf dem Plan. „Mit sieben verschiedenen Salzproben haben wir die Flamme in den unterschiedlichsten Farben leuchten lassen“, so Zeno. Zwei seiner Klassenkameraden haben sogar eine Regenbogenflamme erzeugen können. „Und was kann man mit diesem Wissen anfangen ?“, zieht Lehrkraft Jan Tiekötter den Bezug zur Realität. „ Das ist wichtig für Feuerwerk, Silvester, Shows“, so einige Antworten – und Tiekötter ergänzt: „Die Band Rammstein erzeugt so ihre genialen Showeffekte.“

Verwendung der Fördergelder

Und genau dieser Bogen zur Nutzung der Experimentierergebnisse im wirklichen Leben ist Reichert und seinen Kollegen wichtig. Daher wurden jetzt für einen Teil der 5000 Euro bereits Hydrocar- und Solarhydrogensätze angeschafft, die Herstellung von Wasserstoff mithilfe der Sonne, sowie die Nutzung von Wasserstoff als Treibstoff kann damit experimentell untersucht, neue Zukunftstechnologien nachvollzogen werden. Mit der Anschaffung von elektronischen Messgeräten wird die Elektrochemie aufgestockt, mit Windkraft-Kits die Möglichkeit, erneuerbare Energien zu erforschen. „Ich hoffe zudem, noch einige medizinische Utensilien anschaffen zu können, um so den Chemieunterricht mit der Medizintechnik zu verbinden“, wünscht sich Reichert. Erste Experimente mit den Neuanschaffungen werden dann in den nächsten Monaten – wohl zunächst mit den Oberstufenschülern – erfolgen. „Wir sind schon sehr gespannt“, strahlen Mette, Sema und Paula.

Unterrichtsräume im eigenen naturwissenschaftlichen Gebäude

Die Naturwissenschaften haben an der TMS einen hohen Stellenwert. Im Jahre 2005 wurden für diesen Zweig mit der Errichtung des K-Gebäudes neue Unterrichtsplätze auf dem Schulgelände geschaffen. Darin haben nun Chemie, Physik und Biologie jeweils eine komplette Etage für sich. Die zwei für den Chemieunterricht im Jahre 2006 in Betrieb genommenen Fachräume bieten jeweils bis zu 30 Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, experimentell zu arbeiten. An 6 Abzügen kann auch mit leicht flüchtigen Stoffen gearbeitet werden. Von den Fördergeldern angeschaffte neue Unterrichtsmaterialien ergänzen den modern und gut ausgestatteten Chemiebereich. SF

Sandra Freundt