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Stormarn Gewerbegebiet Holländerkoppel: Wohnnutzung wird nicht „legalisiert“
Lokales Stormarn Gewerbegebiet Holländerkoppel: Wohnnutzung wird nicht „legalisiert“
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18:00 05.12.2019
Anwohner der Holländerkoppel hatten Unterschriften für die Ausweisung des Gewerbegebietes Holländerkoppel zu einem Mischgebiet gesammelt. Der Schuss könnte nach hinten losgehen, denn die vielen Wohnungen, die es inzwischen dort gibt, sind eigentlich nicht erlaubt. Quelle: Petra Dreu
Reinfeld

Neben Firmen sind im Gewerbegebiet Holländerkoppel in Reinfeld auch Wohnhäuser und Mietwohnungen zu finden, die dort streng genommen nicht hingehören. Ein Antrag von Anwohnern mit 19 Unterschriften, das Gewerbegebiet in ein „Mischgebiet“ umzuwandeln, traf jetzt nicht nur bei den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses auf Ablehnung. Besorgt zeigten sich zudem die dort ansässigen Gewerbebetriebe. Sie fürchten um die Zukunft ihrer Unternehmen und machten ihrem Ärger Luft.

Das Gewerbegebiet Holländerkoppel ist alt. Bereits 1960 wurde auf Grundlage des Aufbaugesetzes vom 21. Mai 1949 ein „Durchführungsplan“ aufgestellt, in dem entlang der gesamten Holländerkoppel auf beiden Seiten ein Gewerbegebiet ausgewiesen wurde. Wohnungen sind dort lediglich für Betriebsleiter, Aufsichts- und Bereitschaftspersonal erlaubt. An der Gesetzeslage hat sich auch im Laufe der Jahrzehnte nichts geändert. Und selbst als das Gebiet neu überplant wurde, blieb es bei der Ausweisung als „Gewerbegebiet“.

„Fehlnutzungen“ wurden geduldet

Von Anfang an sei man in diesem Gebiet jedoch großzügig mit den Genehmigungen für betriebsbezogenes Wohnen umgegangen, heißt es in einer Ausschuss-Vorlage. Unter anderem seien auf der südlichen Seite der Holländerkoppel einige Häuser zwar „offiziell“ für eine teilgewerbliche Nutzung genehmigt worden, später dann aber scheinbar nie für diese Zwecke genutzt, sondern als reine Wohnhäuser zum Teil sogar vermietet worden. Die Stadt Reinfeld habe hiervon lange keine Kenntnis gehabt. Später seien die „Fehlnutzungen“ geduldet und der Kreis Stormarn nicht um ein bauaufsichtliches Einschreiten ersucht worden.

Das änderte sich, als jemand ein Grundstück in der Holländerkoppel gekauft hat und im rückwärtigen Teil ein Haus überwiegend zu Wohnzwecken nutzen wollte. Dabei wurde festgestellt, dass in dem vorderen Haus nicht nur eine Betriebsleiterwohnung war, sondern sogar drei Wohneinheiten entstanden sind. Die Stadt Reinfeld hat daraufhin beim Kreis Stormarn ein bauaufsichtliches Einschreiten beantragt. In dem Zusammenhang sammelten Anwohner Unterschriften und formulierten den Antrag, das Gewerbegebiet in ein „Mischgebiet“ umzuwandeln, was den Gewerbetreibenden dort überhaupt nicht gefiel.

Gewerbebetriebe wehren sich

„Wir durften noch nicht einmal Kippfenster einbauen. Wenn aus der Holländerkoppel ein Mischgebiet wird, werden unsere Probleme noch größer“, sagte etwa Eckhard Masuhr, Senior der Druckerei Masuhr. Er befürchtet, dass der familiengeführten Druckerei dadurch die Zukunft geraubt wird. Ähnlich äußerte sich Florian von Mess, Geschäftsführer der von Elling GmbH, die in der Holländerkoppel Norm- und Spezialdichtungen fertigt. „Die Änderung des Gewerbegebietes in ein Mischgebiet sehen wir sehr kritisch. Wir haben 30 Mitarbeiter, die aus Reinfeld und Umgebung kommen. Wir wissen nicht, wie wir uns entwickeln. Sollten wir uns erweitern, könnte es sein, das Reinfeld dann nicht mehr unser Standort ist.“

Ausschuss stimmte gegen eine Änderung

Ihm sprang Ausschussmitglied Jens Löper (WIR) zur Seite und forderte Planungssicherheit für die Unternehmen. Christian Röhr (CDU) befürchtete: „Wenn aus der Holländerkoppel ein Mischgebiet wird, sind die produzierenden Betriebe zum Scheitern verurteilt. Das sahen auch die anderen Fraktionen so, die sich gegen eine Änderung aus.

Dass sie die Augen vor einer Fehlentwicklung einfach verschlossen zu haben, weisen sowohl Reinfelds Bauamtsleiter Stephan Kruse als auch Bürgermeister Heiko Gerstmann von sich. „Ich kann die eine, aber auch die andere Seite verstehen“, sagte Bauamtsleiter Stephan Kruse. Heiko Gerstmann: „Wir sind nicht die Bauaufsicht.“

Von Petra Dreu

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