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Stormarn Rehhorsterin verärgert über rücksichtslose Radler
Lokales Stormarn Rehhorsterin verärgert über rücksichtslose Radler
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18:07 02.07.2019
Petra Ellgas aus Rehhorst mit ihren drei Hunden „Susi“, „Weed“, und „Thalia“ auf ihrer Gassistrecke, die oft von Rennradlern befahren wird. Quelle: Dorothea von Dahlen
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Rehhorst

Sommerzeit, Radelzeit. Viele Pedalritter in bunten Trikots stählen jetzt wieder die Körper, sausen behelmt durch Stormarn. Zu ihren Lieblingsstrecken zählt offenbar auch ein Rundkurs, der über Heilshoop, Pöhls und Rehhorst verläuft – sehr zum Leidwesen von Petra Ellgas. Sie hat mit vorbeirasenden Rennradlern schon schlechte Erfahrungen gemacht und manch brenzlige Situation erlebt, wenn sie mit ihren Hunden Gassi geht.

Statt Klingeln war nur Rauschen zu hören

Der Schreck sitzt der Hundehalterin noch in den Gliedern, wenn sie daran zurückdenkt, wie knapp sie vor einigen Tagen von einer Radgruppe auf ihrer üblichen Gassistrecke überholt wurde. Die schmale Straße hat keinen Bürgersteig und wird vornehmlich von den örtlichen Landwirten genutzt. Dass sie ein ganzes Fahrerfeld im Rücken hatte, das im Eiltempo auf sie zuraste, nahm sie nicht wahr. „Ich konnte im letzten Moment nur noch zur Seite springen und die Hundeleinen loslassen, um ein größeres Unglück zu verhindern“, erzählt Petra Ellgas. „Wenn jemand von vorn kommt, kann ich ja noch reagieren. Aber die kamen von hinten. Sie klingeln ja nicht. Man hört nur den Windzug, wenn sie vorbeirauschen“, sagt die Rehhorsterin.

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Gepöbelt statt Danke fürs Platzmachen

Am meisten ärgerte sie sich darüber, dass die Rennradler zu allem Überfluss noch pöbelten und sie anherrschten, gefälligst Platz machen. Einer von ihnen habe gar behauptet, die Strecke sei für Trainingszwecke reserviert, sodass Rennradgruppen dort Priorität genießen würden. „Ich fühle mich von solchen Attacken richtig bedroht und wollte mal in den Raum stellen, ob so etwas im Sinne der allgemeinen Verkehrspflicht ist“, sagt Petra Ellgas.

Polizei fährt zur Kontrolle auch Streife

„Jeder muss sich im öffentlichen Verkehrsraum an die Regeln halten. Das gilt auch für Sportler, die auf der Straße unterwegs sind, es sei denn, eine Strecke ist für ein ganz bestimmtes, zuvor angemeldetes Rennen gesperrt“, sagt Holger Meier, Sprecher der Polizeidirektion Ratzeburg. Dass es zuweilen Konflikte unter den Verkehrsteilnehmern gebe, sei bekannt. Doch solche Situationen bekomme die Polizei in der Regel nicht mit, es sei denn, sie werde hinzugerufen, wenn es gekracht habe. „Man muss aber nicht warten, bis man gerichtsfeste Beweise hat, um sich an die Polizei zu wenden. Wenn sich mehrere Betroffene mit demselben Problem an uns wenden, dann können wir auch Streifenfahrten in dem Bereich vornehmen“, fügte Meier hinzu.

Ein Muss: Rücksicht gegenüber Fußgängern

Als Experte in Sachen Verkehrssicherheit nennt Hans-Jürgen Zimmermann vom Fachdienst 44 der Kreisverwaltung Stormarn klare Regeln. Demnach haben Radler überall dort, wo es nicht ausdrücklich untersagt ist, das Recht, sich – ohne Einschränkung der Geschwindigkeit – frei zu bewegen. Nicht einmal Radwege seien sie gezwungen zu nutzen, es sei denn, blaue Gebotsschilder wie an der B 75 als einziger Strecke in Nordstormarn, verlangten dies ausdrücklich. In Gruppen, die größer seien als 16 Personen, dürften sie sogar nebeneinander fahren. Das bedeute aber nicht, dass sie von der Rücksichtnahme auf andere Verkehrsteilnehmer entbunden seien. „Leider entwickeln diese Jan-Ulrichs-für-Arme oft ein dynamisches Eigenleben“, sagt Zimmermann kritisch. Gegenüber Fußgängern seien sie in jedem Fall verpflichtet, rechtzeitig auszuweichen, um niemanden zu nötigen und Unfälle zu vermeiden. Dies gelte genauso für gemeinsam genutzte Radwege wie für schmale Straßen ohne Bürgersteig wie etwa in Rehhorst.

Das sollten Radfahrer beachten

Eine generelle Pflicht, Radwege zu nutzen, besteht nicht, auch wenn Autofahrer zuweilen versuchen, darauf durch Hupen hinzuweisen. Vorgeschrieben ist die Benutzung nur, wenn blaue Gebotsschilder den Weg kennzeichnen. Im Stadtgebiet ist das Fahren auf der Straße schon deshalb sinnvoll, weil Radler von Autofahrern beim Abbiegen sonst leicht übersehen werden. Parkende Fahrzeuge verstellen meist den Blick auf den Radweg, sodass Autofahrer sie erst unmittelbar an der Kreuzung wahrnehmen.

Das Rechtsfahrgebotdagegen gilt auch für Radler. Wer auf dem Radweg in der falschen Richtung unterwegs ist, zählt zu den Geisterfahrern und riskiert ein Knöllchen von 15 Euro. Am Zebrastreifen heißt es zudem: absteigen. Wer durchfährt und mit einem Auto kollidiert, trägt eine Mitschuld am Unfall.

Zur Ausstattungeines verkehrstüchtigen Rades gehört ein weißer Frontscheinwerfer und ein rotes Rücklicht sowie eine helltönende Glocke. Laut dem ADFC sollte die Lautstärke mindestens 85 Dezibel betragen.

Betrunken Rad zu fahren, ist kein Kavaliersdelikt. Ab 1,6 Promille im Blut konfisziert die Polizei den Führerschein.

Das Tragen eines Helmsist in Deutschland für Radler nach wie vor freiwillig. Das gilt auch für E-Bikes und Pedelecs mit einer Leistung bis 25 km/h. Eine Helmpflicht gibt es nur für Krafträder, was aber auch schnelle Pedelecs der S-Klasse einschließt.

15 Euro Bußgeld für Fahrrad ohne Klingel

Zimmermann weist noch auf einen weiteren Umstand hin, der vielen Radsportlern offenbar unbekannt zu sein scheint. Laut Paragraf 64 der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) müssen durchweg alle Fahrräder mit einer funktionstüchtigen Klingel ausgerüstet sein. Die Polizei kontrolliere oftmals nicht auf diese Ausstattung hin, weshalb die Vorschrift weitgehend unbekannt sei. Und richtig, laut Bundesjustizministerium müssen Fahrräder mit einer helltönenden Fahrradklingel ausgestattet sein, damit sie aus den üblichen Straßenverkehrsgeräuschen herauszuhören sind. Fehlt das Schallzeichen, wie es im Juristenjargon heißt, ist ein Bußgeld von 15 Euro fällig.

RV Trave als positives Gegenbeispiel

Freilich sind Rennradler nicht automatisch mit rücksichtslosen Raudis gleichzusetzen. Es gibt zum Glück viele positive Beispiele. Florian Bolls, Vorsitzender des RV Trave, distanziert sich im Namen seiner Mitglieder ganz entschieden vom Verhalten der Gruppe, mit der es Petra Ellgas zu tun hatte. „Es gibt leider immer wieder Sportler, die sich nicht so verhalten, wie sie es sollten. Wir als Rennsportverein achten im Training peinlich darauf, dass die Verkehrsregeln eingehalten werden“, sagt er. Die Räder seien mit Klingeln ausgestattet, damit die Fahrer rechtzeitig auf sich aufmerksam machen könnten, wenn sie sich etwa kleinen Kindern, Fußgängern oder auch Reitern näherten. „Auch bei Pferden muss man immer damit rechnen, dass sie erschrecken. Wir bremsen dann schon mal extra ab. Sicherheit geht vor“, sagt Bolls. Denn was passieren kann, wenn es zu einem Zusammenstoß kommt, bekam einer seiner Vereinskollegen bitter zu spüren. Ihm lief ein unangeleinter Hund ins Rad. Der Sportler des RV Trave stürzte und lag mehrere Wochen verletzt im Krankenhaus.

Dorothea von Dahlen