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Stormarn Schüler stellen ihr klimafreundliches Verkehrskonzept für Bad Oldesloe vor
Lokales Stormarn Schüler stellen ihr klimafreundliches Verkehrskonzept für Bad Oldesloe vor
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17:46 26.06.2019
Leonie, Safia, Lars und Sophie (v.l.) von der Theodor-Mommsen-Schule stellen ein Verkehrskonzept für Bad Oldesloe vor, das sie am Klimatag entwickelt haben. Quelle: Dorothea von Dahlen
Bad Oldesloe

Klimaschutz funktioniert nur, wenn die Gesellschaft mit alten Gewohnheiten bricht. Während Erwachsenen der Verzicht auf Auto und Flugreisen offenbar schwerfällt, blickt die junge Generation scheinbar konsequenter auf die Dinge, die es zu ändern gilt. Die Klasse 8c der Oldesloer Theodor-Mommsen-Schule jedenfalls hat sich Gedanken gemacht, wie das Verkehrskonzept der Stadt aussehen müsste, damit mehr Menschen auf umweltfreundliche Fortbewegungsmittel umsteigen. Als Gäste hatten sie Lokalpolitiker eingeladen. Wilfried Janson, Fraktionschef der Grünen, und Annelie Strehl von den Freien Bürgern für Bad Oldesloe hörten sich die Pläne der Schüler an.

Vom spanischen Pontevedra lernen

Um Vorschläge unterbreiten zu können, hatten die Achtklässler zunächst Feldforschung betrieben und Problemzonen ausfindig gemacht. Da die meisten von ihnen zur Schule radeln, wussten sie schon um den schlechten Zustand mancher Radwege und dass es zu wenig Abstellmöglichkeiten für ihre Gefährte gibt. Sie bemängeln generell, dass die Stadt zu sehr auf Bedürfnisse von Autofahrern ausgerichtet ist. Nach ihrem Dafürhalten sollten Bedingungen geschaffen werden, dass möglichst viele Oldesloer und Gäste auf Bus oder Rad umsteigen. Sie favorisieren eine Verkehrsführung mit deutlich mehr Einbahnstraßen, sodass mehr Platz für Fahrradstreifen entsteht. Die Gruppe um Lars (15) etwa schlägt vor, dass Salinenstraße und Hamburger Straße künftig nur in eine Richtung befahrbar sind. Die Unannehmlichkeiten, die das für den motorisierten Verkehr bedeutet, seien gewollt, erklärt Lehrer Christian Greten. „Es soll ja deutlich werden, dass es sich nicht mehr lohnt, mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Pontevedra in Spanien hat es vorgemacht, wie eine Stadt attraktiv bleibt, auch wenn man den Verkehr aussperrt“, sagt er.

Einbahnstraßen und Bike-Sharing

„Das ist doch unsere Stadt. Und wir wollen doch auch noch in Zukunft darin glücklich sein und uns hier wohlfühlen“, sagte etwa Safia. Ihre Gruppe hatte sich mit der Situation am Oldesloer Bahnhof befasst. Den Schülern schwebt vor, dort Radlern absolute Priorität auf dem Weg in die Innenstadt einzuräumen. Autos sollen nur noch im Einbahnstraßenverkehr über die Mewesstraße anfahren und über den Sülzberg abfahren dürfen. Nicht nur am Bahnhof, auch am Exer und anderen stark frequentierten Plätzen soll es möglich sein, Fahrräder auszuleihen, laut Oskar (14) nach einem automatisches Sharing-System, bei dem Peilsender auch vor Diebstahl schützen.

Hagenstraße komplett autofrei

Doch das ist nur eine von einer ganzen Reihe Veränderungen, die die Schüler im Sinne der schwächeren Verkehrsteilnehmer realisiert sehen wollen. Die Hagenstraße, erst kürzlich großer Streitpunkt in der Oldesloer Stadtpolitik, soll auf ihren Wunsch komplett autofrei werden. „Bis auf Rettungsfahrzeuge“, räumt Inke (14) ein. Der Petersparkplatz könne dann als kleiner Bahnhof für die Busse umgestaltet werden, die dann verstärkt Besucher in die Stadt bringen. Einzig für die Bewohner und Nutzer des Parkhauses bei der Sparkasse müsse eine Brücke über die Trave gebaut werden, damit sie die Stadt vom Exer aus wieder verlassen könnten. „Wir wollen positiv an die Sache rangehen und einfach weiter für unsere Ideen kämpfen. Dann wird es auch eher von anderen Menschen angenommen“, drückte Leonie abschließend ihre Entschlossenheit aus, sich weiterhin für ihre Pläne einzusetzen.

Erdgasbusse könnten CO2 -Ausstoß verringern

Die Gäste aus der Politik zeigten sich interessiert. Wilfried Janson, Vorsitzender des Umweltausschusses, wies darauf hin, dass die Stadtverordneten demnächst in der Tat über ein neues Verkehrskonzept beraten. Wenn der Stadtverkehr CO2 -neutral werden solle, bedürfe es einer ganzen Reihe von Maßnahmen. „Es nützt nichts, wenn die Leute auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen, und dann fahren stinkende Dieselbusse durch die Stadt“, sagte er. Er hoffe, dass die Busflotte in den Jahren 2021/22 auf Erdgas umgestellt werde. Dem kritischen Einwand der Schüler, dass der ÖPNV noch viel zu teuer sei, auf dass ihn mehr Leute nutzen, pflichtete Janson bei. Allein die jetzt eingeführte halbstündige Busfrequenz vom Bahnhof in die Innenstadt koste die Stadt 100 000 Euro, wobei der Kreis Andeutungen gemacht habe, dass diese Summe perspektivisch auch über ihn finanziert werde.

Geballter Sachverstand für die Planung

Die Gymnasiastensind jetzt eingeladen, ihre Ideen im Umweltausschuss vorzutragen. Das Thema Verkehr wird neuerdings in diesem Gremium diskutiert.

Ausgelotet werden muss laut dem Vorsitzenden Wilfried Janson (Grüne) noch, wer in der Lenkungsgruppe sitzt, die das neue Verkehrskonzept der Stadt erarbeitet. Daran teilnehmen solle nicht nur die Verwaltung, sondern auch Vertreter aller Parteien, Verkehrsgutachter und sachkundige Bürger, die Wissen und Erfahrung einbringen können, sagte er.

Die Achtklässlerder Theodor-Mommsen-Schule werden übrigens nicht die einzigen sein, die das Durchschnittsalter im Gremium senken. Eingeladen sind auch Vertreter der Fridays-for-Future-Bewegung.

Annelie Strehl (FBO) warf ein, dass Neuerungen wie diese die Politik oft vor das Problem stelle, den städtischen Haushalt stärker zu belasten. „Ich selbst habe den halbstündigen Takt zum Bahnhof kritisch gesehen. Wenn in den Bussen zwei bis drei Leute sitzen, ist das nicht klimafreundlich“, sagte sie. Vorzuziehen seien da Anrufsammeltaxis. Und da begann sie auch schon, die politische Debatte ums Verkehrskonzept. Janson zeigte sich zuversichtlich, dass künftig auch elektrisch betriebene Kleinbusse zum Einsatz kommen werden. Und letztlich müsse das Ganze so attraktiv werden, dass nicht einige wenige, sondern viele Fahrgäste vom Angebot Gebrauch machten.

Dorothea von Dahlen

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