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Stormarn Im Netz als Influencer: Zu viel Perfektion schreckt ab
Lokales Stormarn Im Netz als Influencer: Zu viel Perfektion schreckt ab
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14:25 12.03.2019
Julia Gründer arbeitet als Influencer. Quelle: Bettina Albrod
Bad Oldesloe

Sie macht im Internet mit ihrer Persönlichkeit sowie privaten Fotos und Geschichten Werbung für bestimmte Artikel: Julia Gründer ist Influencer auf dem Social-Media-Portal Instagram. Dabei entscheidet die Zahl der Follower darüber, wie hoch der Stellenwert ist. „Ganz oben steht ,Bibis Beautypalace’ mit 6,4 Millionen Followern“, gibt Julia Gründer ein Beispiel. Bei den Männern kann Mesut Özil Scharen hinter sich versammeln. Julia Gründer kann auf Instagram immerhin über 20 000 Follower aufweisen. Sie war am Montag in Bad Oldesloe im Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit zu Gast, um von ihrer Tätigkeit zu erzählen.

Das Prinzip ist einfach: Ist jemand im Internet zu einiger Bekanntheit gelangt, kann er zu Werbezwecken eingesetzt werden, indem er eine Handtasche schwenkt, bestimmte Kosmetika benutzt oder vor der Kamera für Schmuck oder Porzellan wirbt. Der Weg dahin ist nicht so einfach, denn nur ab einer gewissen Fan-Gemeinde wird man für Firmen interessant. Julia Gründer ist über ein Fitness-Studio zum Influencer geworden.

Fitness-Studio als Einstieg

„Ich habe in Greifswald Zahnmedizin studiert und bin vor drei Jahren durch eine Prüfung gefallen, die ich erst nach einem Jahr wiederholen konnte“, erzählt sie. Um das Jahr zu überbrücken, habe sie beschlossen, Filme, Geschichten, Fotos und Beiträge über sich und das Thema Fitness-Studio auf Instagram zu veröffentlichen. Bald darauf fragten erste Firmen an, ob sie dabei ihre Sportkleidung tragen wolle – Influencer „be_julieful“ war geboren.

Inzwischen gehören auch Mode und Lifestyle zu ihren Themen. In kleinen Beiträgen schwärmt Julia Gründer vom Urlaub in Schweden in der Mütze einer bestimmten Firma oder zeigt die Preise eines Gewinnspiels, die von Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Die Arbeit mache ihr Spaß, aber wer davon leben wolle, müsse pausenlos posten, um im Gespräch zu bleiben. „Lohnen tut sich der Beruf Influencer erst, wenn man 100 000 Follower hat“, sagt sie.

Unter den Zuhörern waren vor allem junge Frauen. „Ich wollte mal jemanden sehen, der es geschafft hat“, sagte eine Teilnehmerin, andere interessiert, was hinter dem Beruf steckt. Mit über 70 Prozent stellten Frauen die Mehrheit bei den Influencern, sagt Julia Gründer. Sie riet dazu, sich bei Agenturen anzumelden, die mit Influencern arbeiten, und sie warnte davor, in juristische Fallen zu tappen. „Wenn man für etwas Werbung macht, muss man es auch als Anzeige kennzeichnen“, betont sie. Das mache sie mittlerweile mit all ihren Posts, um auf der sicheren Seite zu sein. Die Fotos macht ihr Freund oder sie benutzt den Selbstauslöser an der Kamera. „Storytelling wird immer beliebter“, hat sie beobachtet – dabei werden die beworbenen Artikel in kleine Geschichten verpackt, um sie attraktiver zu machen. Reichweite sei das A und O, denn Firmen wollten möglichst viele Kunden erreichen.

Viel Zeit im Internet

„Dafür muss man eine attraktive Seite anlegen.“ Schöne Dinge und Situationen sollten gezeigt werden, keiner wolle einen „heulend zu Hause“ sehen. „Instagram ist leichte Kost und arbeitet sehr visuell.“ Für den Job sei jeder Typ geeignet. „Es ist gut, wenn man sich mit dem Influencer identifizieren kann, zu viel Perfektion schreckt ab.“ Gleichzeitig müsse man sich bewusst sein, dass man sich zum Sklaven eines Algorithmus mache, der genau mitzählt, wann und wie viel man postet und der nur bei Masse dazu verhilft, dass man genug Follower hat. „Man muss praktisch viele Stunden am Tag im Internet sein, liken, kommentieren und posten, sonst wird man nicht mehr angezeigt“, sagt Julia Gründer.

Julia Gründer Quelle: Bettina Albrod

Für den Job brauche man einen Gewerbeschein, denn die beworbenen Waren, die Influencer behalten dürfen, gelten als Bezahlung, als wäre es Bargeld. „Man braucht auch ein dickes Fell und viel Geduld.“ Nicht alle Reaktionen auf eine Seite sind freundlich, und Julia Gründer rät dazu, sich gut zu überlegen, wie viel Privates man von sich preisgeben wolle. „Ich mache nur Werbung für Produkte, hinter denen ich auch stehe“, sagt sie. Das könne sie sich aussuchen, denn Influencer sei für sie ein Nebenjob. „Es ist schwer, sich angesichts der großen Konkurrenz und des gesättigten Marktes zu behaupten“, betont sie, „am besten hat man einen Plan B.“ Ihrer ist die Zahnmedizin – am Freitag tritt sie ihre erste Stelle als Zahnärztin an.

Einfluss auf Kaufverhalten

Influencer (englisch von to influence: beeinflussen) erreichen auf Youtube, Instagram oder Facebook viele Follower und üben mit ihrer Reichweite in den sozialen Netzwerken einen gewissen Einfluss aus. Weil sie ein hohes Ansehen und eine starke Präsenz im Internet besitzen, sind Influencer für Unternehmen interessant, wenn diese ihre Waren vermarkten wollen. Influencer informieren ihre Follower über Produkte von Firmen. Dafür werden sie mit Produkten oder mit Geld bezahlt.

Bettina Albrod

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