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Stormarn Besuch im Kleingarten: Die kleinen Oasen blühen langsam auf
Lokales Stormarn Besuch im Kleingarten: Die kleinen Oasen blühen langsam auf
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19:18 16.04.2019
Der Kleingärtner Horst Güttler in seiner Parzelle des Kleingartenverein Bad Oldesloe von 1950 in der Industriestraße. Quelle: Foto: Dorothea von Dahlen
Bad Oldesloe

 Frühlingszeit – Gartenzeit: Hyazinthen verströmen betörend-süßlichen Duft, das Gelb der benachbarten Osterglocken leuchtet weithin sichtbar. Zum Aussähen oder gar Pflanzen ist es noch zu früh. Aber wie viele Kleingärtner hat es Horst Güttler zu Hause nicht mehr ausgehalten. Auf seine Hacke gestützt, blickt er zufrieden über die Beete, die er schon von Melde, Knöterich und anderem Kraut befreit hat. Noch zehn Quadratmeter, dann ist der Boden seiner Parzelle in der Kleingartenanlage Bad Oldesloe 1950 fertig aufgelockert.

Bald stehen die Eisheiligen vor der Tür

„Wir kriegen ja noch mal Frost, spätestens zu den Eisheiligen im Mai“, sagt der Rentner, der sein Leben lang in der Natur gearbeitet hat. Beim Gedanken an seine Lehrzeit muss er unwillkürlich schmunzeln. „Mein Chef hat sich damals die Hände gerieben, wenn es im Frühjahr noch mal kalt wurde. Viele hatten da schon gepflanzt und mussten nachkaufen“, erinnert sich der pensionierte Gärtner.

Möhren sind Schwachzehrer

Wegen seines Sachverstands wird Güttler von seinen Mitstreitern in der Kolonie an der Oldesloer Industriestraße hoch geschätzt. Lange Zeit gehörte er dem Vorstand des Vereins an, seit nunmehr 50 Jahren fungiert er dort als Fachberater. „Die Leute kommen zu mir mit ihren Sorgen und Nöten. Wenn zum Beispiel die Möhren nicht gedeihen wollen. Das liegt meistens an zu viel Dünger. Sie sind Schwachzehrer, anders als der Kohl. Der braucht permanent Nährstoffe“, erklärt der Experte, der fast für jedes Gartenproblem die richtige Lösung parat hat.

Gespannt auf historische Tomaten

Trotz empfindlicher Kälte sprießen in Güttlers Garten aber schon zarte Pflänzchen dem Sonnenlicht entgegen – freilich gut geschützt hinter Glas. Die Brille beschlägt sofort beim Betreten des warm-feuchten Gewächshauses. Weiß- und magentafarbene Orchideen belohnen das nahezu tropische Klima mit reichlich Blüten. Und auch die in Reih und Glied stehenden Tomatenpflanzen haben schon eine stattliche Höhe erreicht. Güttler zieht in diesem Jahr historische Sorten vor. „Andenhorn“,„Schwarze Ananas“, „Roter Russe“ und die „Schwarze von der Krim“ lauten die Namen der exotischen Früchte, auf deren Aussehen und Geschmack der Kleingärtner schon jetzt gespannt ist.

Fünf Apfelsorten an einem Baum

Als eingefleischter Selbstversorger baut Güttler Kartoffeln, Erbsen und Bohnen an. „Dosen sind zwar billiger. Aber schmecken tut’s besser aus dem eigenen Garten“, sagt er verschmitzt. Erdbeeren kommen dem Oldesloer nicht in die Tüte. Stattdessen erntet er Jahr für Jahr etliche Apfelsorten. „Wie das bei nur zwei Bäumen möglich ist?“, fragt der Kleingärtner schalkhaft und liefert gleich die Antwort. Mithilfe der Pfropftechnik hat er die beiden Bäume mit Apfelsetzlingen verschiedener Sorten bestückt. So tragen sie nicht nur Gravensteiner, sondern auch Boskop, Holsteiner Cox und andere schmackhafte Äpfel. Und was der Rentner selbst nicht verbraucht, lädt er kurzerhand auf den Transporter und fährt es zur Ausgabestelle der Oldesloer Tafel. „Wie das so geht: Ich wurde gefragt, ob ich aushelfe. Inzwischen bin ich dort seit 24 Jahren ehrenamtlich tätig“, erzählt Güttler.

Mit viel Herzblut kümmern sich die Hobbygärtner des Vereins Bad Oldesloe 1950 um ihre Parzellen, allen voran Horst Güttler und Viktor Schinck.

Im vergangenen Jahr konnte er sich über eine reiche Ernte freuen. Da der von Gärtnern gefürchtete Frost ausblieb, entwickelte sich die Apfelblüte prächtig, sodass die Bäume etliche Kilogramm lieferten. Und wie stehen die Chancen für dieses Jahr? „Wir haben noch nicht genug Wasser. Das wird ein Problem. Es hat zwar schon Regen gegeben, aber kaum Schnee. Während der Boden heftige Güsse gar nicht richtig aufnehmen kann und fruchtbare Erde dabei sogar weggeschwemmt wird, versickert das Wasser bei der Schmelze langsam im Boden und wird besser aufgenommen“, erklärt der Experte.

Eisvogel als Dauergast

Unter dem Wassermangel leiden nicht nur Pflanzen, sondern auch Tiere, die sich vom Fischfang ernähren. Sinken die Pegel in den umliegenden Gewässern, sitzen sie wortwörtlich auf dem Trockenen, wie Güttler aus eigener Anschauung zu berichten weiß. Da er zwei Teiche auf seiner Parzelle angelegt hat, geht bei ihm der Eisvogel quasi ein und aus. „Er sitzt bei mir öfters auf der Stange und darf dann schon mal fischen“, erzählt er. Und selbst den mit großem Appetit gesegneten Reiher toleriert der Naturfreund. Leben und leben lassen, lautet seine Devise.

Alle Parzellen verpachtet

Die Anlage des Kleingärtnervereins Bad Oldesloe 1950 hat eine Gesamtgröße von 4,7 Hektar und besteht aus 80 Parzellen. Die meisten sind zwischen 300 bis 448 Quadratmeter groß, einige jedoch auch größer. Zurzeit sind sie restlos verpachtet.

Den Vorsitz des Vereins haben Isa Gülünoglu und sein Stellvertreter Ilhan Demiray inne. Gegründet wurde er am 4. September 1950 von sieben Oldesloern auf Initiative von Willi Rabuske als Kleingartenbauverein Bad Oldesloe 1950.

Dr. Schrebers Regelwerk ist überholt

„Teiche und Gewächshäuser, das ist eigentlich nicht im Sinne des Kleingartengesetzes. Aus meiner Sicht ist das aber heute überholt“, sagt Güttler. Die strengen Maßregeln, die Nutzer verpflichten, auf einem Drittel ihrer Fläche Obst und Gemüse anzubauen und das auch noch im richtigen prozentualen Verhältnis, das alles sei zu Dr. Schrebers Zeiten noch aktuell gewesen. Doch inzwischen habe sich viel verändert. Die meisten Vereinsmitglieder nutzten ihren Garten vornehmlich zur Erholung. Und auch das habe seine Berechtigung. Schließlich seien die liebevoll gepflegten Parzellen kleine grüne Oasen in der Stadt, an der sich Mensch und Tier gleichermaßen erfreuten.

Dorothea von Dahlen

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