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Stormarn Integrationspaten in Barsbüttel helfen beim Ankommen
Lokales Stormarn

Integrationspaten in Barsbüttel helfen beim Ankommen

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12:00 19.12.2021
Die "Zeitspender" helfen Schülerinnen und Schülern bei den Hausaufgaben.
Die "Zeitspender" helfen Schülerinnen und Schülern bei den Hausaufgaben. Quelle: hrf
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Barsbüttel

„Jung und Alt – gemeinsam stark!“ lautet das Motto der Bürgerstiftung Barsbüttel. Die derzeit rund 100 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer engagieren sich sowohl als Lernpaten für Kinder und Jugendliche als auch als Integrationspaten für Geflüchtete aller Altersklassen, die in Barsbüttel nicht allein gelassen werden sollen. Ein drittes Tätigkeitsfeld ist die Grünpflege im Ort.

Sprache und Kultur vermitteln

„Unsere Stiftung gibt es seit elf Jahren“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Detlef Bösch. Damals suchte er als Mitglied des Seniorenbeirats Gleichgesinnte, die bereit waren, sich zu engagieren. Die Lernpaten der Grundschule sollten unterstützt werden. „Als dann die Flüchtlinge kamen, haben wir Integrationspaten gestellt, die ihnen helfen sollen, in Barsbüttel heimisch zu werden. Ziel war, dass die Integrationspaten sich möglichst schnell überflüssig machen, denn dann sind die Flüchtlinge in der Lage, sich selber zu helfen.“ Gut 200 ehrenamtlich Tätige waren es zur Hochzeit der Flüchtlingskrise, die den Zugezogenen die Grundlagen ihres neuen Lebens vermittelten.

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„Es geht vor allem um die Sprache und um die Kultur“, sagt Bösch. „Für die Sprache haben wir Werbebeilagen aus den Zeitungen gesammelt, weil da grundlegende Sachen wie Bananen oder Schlafanzüge mit Bild und Wort abgebildet waren.“ So lernten die Flüchtlinge die Sachen des täglichen Bedarfs auf Deutsch. Behördengänge, Arztbesuche, die Anmeldung bei der Schule – damit wurde keiner allein gelassen. Auch die Gastfreundschaft der Zugezogenen sei überwältigend gewesen. „Teils sind enge Bindungen entstanden, die bis heute halten“, hat Bösch beobachtet.

Detlef Bösch setzt sich in der Bürgerstiftung für Zugewanderte, Schulkinder und Grünpflege ein. Quelle: Bettina Albrod

Teils zu hohe Erwartungen

Aber die Helfer hatten auch mit zu hohen Erwartungen zu kämpfen. „Man hatte den Flüchtlingen erzählt, dass sie in Deutschland alle ein Haus oder ein Auto bekommen.“ Angesichts von Flüchtlingsunterkünften und Fahrrädern war der Frust bei einigen groß. „Sie mussten erst einmal in der Realität ankommen“, sagt Bösch. Auch kulturelle Unterschiede seien schwer zu überwinden gewesen. Mancher Mann habe sich von Frauen nichts sagen lassen wollen, weil er das aus seiner Kultur so kannte. „Aber es gibt auch den Fall, dass eine Frau hier ihr Baby bekommen hat und ihm als zweiten Vornamen den Namen der Integrationspatin gegeben hat.“ Auch deutsche Gepflogenheiten waren schwer zu vermitteln. „Wie soll man einem Mann aus Afrika die Mülltrennung erklären?“

Die Spendenaktion „Hilfe im Advent“

Die LN-Leser-Aktion „Hilfe im Advent“ macht sich in diesem Jahr für ehrenamtliche Projekte stark, die sich für das Miteinander einsetzen und Menschen helfen, einen Weg aus der Einsamkeit zu finden. Die Spendensammlung der LN in Kooperation mit der Sparkasse Holstein und der Bürger-Stiftung Stormarn findet unter dem Motto „Gemeinsam gegen einsam“ statt.

Mit Hilfe der Lübecker Freiwilligenagentur „ePunkt“ stellen wir Ideen und Projekte vor, die sich in diversen Bereichen dafür stark machen, dass sich einsame Menschen wieder eingebunden fühlen und Freude am Leben haben.

Hier können Sie spenden:

Empfänger: ePunkt e.V. - Hilfe im Advent Stormarn

Kontoinhaber: ePunkt e. V.

IBAN: DE05 2135 2240 0179 2610 11

BIC: NOLADE21HOL

Bank: Sparkasse Holstein

Verwendungszweck: „Spende: Hilfe im Advent“

Spendenstand am Freitag: 12 439,50 Euro

Doch es gelingt, und in regelmäßigen Treffen mit Verwaltung, Sprach- und Kulturmittlern tauschen die Helfer sich über ihre Arbeit aus. Corona hat auch sie zu einer Pause gezwungen. „Aber wenn jemand Hilfe braucht, verabrede ich mich mit ihm zu einem Spaziergang.“ Pause gibt es derzeit auch bei den Lernpaten, denn die meisten Helferinnen und Helfer sind schon älter und wollen sich momentan nicht in die Schule und damit in Gefahr begeben. „Sie begleiten Kinder beim Lernen, die von Zuhause keine Ansprache bekommen“, erklärt Bösch. Die Hälfte seien Kinder mit Migrationshintergrund, denen die Sprachkenntnisse fehlten, die anderen seien Kinder, die jemanden brauchen, der ihnen beim Lernen hilft. „Ich sage den Lernpaten, dass sie einfach das machen sollen, was sie früher mit ihren Kindern auch gemacht haben.“

Soziales Lernen wichtig

Das funktioniere gut, zumal die Strukturen besser geworden seien. „Inzwischen fangen die Schulen lernschwache Kinder besser auf und bieten pädagogische Angebote an.“ Auch die DAZ-Klassen seien eine große Verbesserung. Von Montag bis Donnerstag begleiten die Lernpaten ihre Schützlinge nach dem Unterricht, leisten Hausaufgabenhilfe und zeigen ihnen, worauf es beim Lernen ankommt. Gerade hat Bösch ein Schulprojekt angeregt, bei dem Schülerinnen und Schüler als soziales Lernen einmal die Woche in einer sozialen Einrichtung helfen. „Das ist der Start ins Ehrenamt“, sagt er. „Wenn sie das von früh an lernen, bleiben sie vielleicht dabei.“

Von Bettina Albrod