Investor Moritzhof in Wolkenwehe stellt sich Kritik von Mietern und Anwohnern
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Stormarn Bad Oldesloe: Investor des Moritzhofs will Wohnungsnot lindern
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Investor Moritzhof in Wolkenwehe stellt sich Kritik von Mietern und Anwohnern

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19:00 26.02.2021
Florian Loewenau will zwölf Mietwohnungen, darunter auch Sozialwohnungen in den Moritzhof einbauen.
Florian Loewenau will zwölf Mietwohnungen, darunter auch Sozialwohnungen in den Moritzhof einbauen. Quelle: Dorothea von Dahlen
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Bad Oldesloe

Viel Kritik ist in jüngster Zeit daran geübt worden, dass der historische Moritzhof in Wolkenwehe modernisiert werden soll. Anwohner und Mieter hatten arge Bedenken geäußert, dass sich das Gebäude zum Nachteil verändern könnte Jetzt meldet sich der Investor selbst zu Wort. Der Oldesloer Florian Loewenau hat das Objekt erworben mit dem Ziel, es in ein Mietshaus mit mehreren Wohnungen umzubauen. Er ist sich sicher, dass das bäuerlichen Anwesen im Zuge der Sanierung keineswegs an Charme verlieren, sondern nur gewinnen könne.

Investor: „Ich stehe auf alte Bauernhäuser“

„Wenn ich das Haus zerstören oder sogar abreißen würde, würde ich mir ins eigene Knie schießen. Der Moritzhof soll ordentlich und vernünftig hergerichtet werden. Ich stehe auf alte Bauernhäuser und finde dieses auch sehr schön. Wenn es mit nicht gefallen würde, hätte ich es nicht gekauft“, sagt Loewenau. Dass ihm so wenig Vertrauen geschenkt werde, stimme ihn nicht sonderlich froh. Immerhin sei er kein Spekulant von außerhalb. „Ich bin hier in Bad Oldesloe geboren, lebe hier und bin hier verwurzelt“, sagt er.

Fassade spiegelt verschiedene Geschmäcker wider

Die Bausubstanz des Moritzhofs ist nach Dafürhalten des Investors in allgemein gutem Zustand. Deutlich erkennbar sei aber, dass immer wieder Veränderungen am Gebäude vorgenommen wurden, so dass sich darin jetzt die Geschmäcker aus verschiedenen Jahrzehnten widerspiegelten. „Nehmen wir allein die Fenster. Sie passen nicht zur gegliederten Backsteinfassade. Unten im hinteren Bereich stammen sie aus den 1950er Jahren mit braunem Rahmen, vorn sind es sehr auffällige weiße Sprossenfenster. Ich möchte einheitliche, zum Farbton des Hauses passende und etwas zurückhaltendere einbauen lassen“, sagt Loewenau. Bausünden seien aber auch an der Fassade verübt worden. Von der Straße aus zeige sie sich noch von ihrer Schokoladenseite, aber im rückwärtigen Bereich habe man die schönen Backsteinziegel einfach mit Beton verputzt. Ganz davon abgesehen, dass das Dach höchstwahrscheinlich mit Asbest belasteten Eternitplatten eingedeckt sei. Dass er selbst beabsichtigt, Balkone anzubauen, betrachtet Loewenau nicht als Stilbruch. „Wenn, dann wird es sie auf der Rückseite des Hauses geben, aus Metall und in zurückhaltendem grau-schwarz“, sagt er.

Ein Giebel und die Rückseite des Moritzhofs sind mit Beton verputzt worden. Quelle: Dorothea von Dahlen

Bauernhaus wird energetisch modernisiert

Abgesehen von optischen Gesichtspunkten soll der Hof energetisch ertüchtigt werden. Loewenau kündigt etwa an, dass die Ölheizung verschwindet, weil sie teuer und ineffizient sei. „Ich bin im Gespräch mit den Stadtwerken, ob wir nicht ein Blockheizkraftwerk errichten sollten. Denn ohne Fortschritt wird es nicht gehen“, sagt er. Und das dürfte auch im Interesse der Mieter sein. Denn nur so lasse sich perspektivisch verhindern, dass ihre Nebenkosten ins Unermessliche steigen.

Zahl der Wohnungen angeblich noch offen

Wie berichtet, bestand ein wesentlicher Kritikpunkt der drei langjährigen Mietparteien im Haus darin, dass der besondere Charme des Bauernhauses mit seinen hohen Decken bei geplanten zwölf Wohnungen zerstört werde. Die Zahl war im jüngsten Oldesloer Wirtschafts- und Planungsausschuss genannt worden. Loewenau räumt jetzt ein, dass noch gar nicht feststehe, wie stark das Haus später untergliedert werde. Das mit der Planung beauftragte Architekturbüro habe schon eine Grobplanung angeschoben, aber abschließend sei noch nichts entschieden.

Bezahlbare Sozialwohnungen sind Mangelware

„Grundsätzlich ist es aber so, dass neuer Wohnraum dringend gebraucht wird und insbesondere bezahlbare Sozialwohnungen. Das ist nicht ohne Grund in den vergangenen Tagen immer wieder durch die Medien gegangen“, erklärt der Investor. Die Investitionsbank Schleswig-Holstein sei vom geplanten Umbau des Moritzhofs begeistert und wünsche sich händeringend weitere Projekte wie dieses. „Wir versuchen, so viele Seiten und Bedürfnisse zu befriedigen. Aber am Ende sind wir keine Zauberer. Man sollte auch das Allgemeinwohl im Blick behalten“, sagt Loewenau, der im Übrigen auch am Bau von Mietshäusern in der Ratzeburger Straße in Bad Oldesloe beteiligt ist.

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Den Einwand von Anwohnern des Projekts, der Einbau zusätzlicher Mietwohnungen verschärfe die Parksituation in der ganzen Umgebung des Moritzhofs will der Investor ebenso wenig gelten lassen. „Das Grundstück um das Haus ist 3200 Quadratmeter groß. An beiden seiner Giebelseiten sind ungenutzte Freiflächen, auf denen ohne weiteres mehrere Stellflächen geschaffen werden können“, sagt er. Und die 128 Jahre alte Rotbuche müsste nicht einmal darunter leiden, weil sie davon mindestens 15 Meter entfernt stehe.

Nach Dafürhalten von Loewenau existiert an der Giebelseite des Hofs genug Raum für Parkplätze. Quelle: Dorothea von Dahlen

Loewenau will mit Mietern in Dialog treten

„Grundsätzlich möchte ich mit Mietern und Anwohner in Dialog treten. Ich möchte ja nichts gegen, sondern mit den Leuten entwickeln. Aber andererseits möchte ich mir auch keine Vorschriften machen lassen. Im Umkreis des Moritzhofs gibt es genug zerfallende Scheunen. Darüber regt sich niemand auf“, erklärt Loewenau. Den ersten Schritt in die Öffentlichkeit will er auf der kommenden Sitzung des Wirtschafts- und Planungsausschusses am Montag, 8. März, beschreiten. Dort wird über den Antrag der SPD beraten, eine Erhaltungssatzung für den Moritzhof zu beschließen. Der Investor hofft, in diesem Zusammenhang den aktuellen Stand der Planung vorstellen und das Gespräch mit der Politik suchen zu können.

Von Dorothea von Dahlen