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Stormarn Im Zeichen der Jugend: Kloster lädt zum Festival ein
Lokales Stormarn Im Zeichen der Jugend: Kloster lädt zum Festival ein
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18:00 06.08.2019
Das Organisationskomitee des Jugendfestivals vor der gezackten Silhouette des Klostergebäudes: Finja Barkmeyer und Lucia Koppke (v.l. vorn) sowie David Hinkelmann mit Bruder Lukas. Das Motto lautet dieses Mal „Just.Begin“. Quelle: Dorothea von Dahlen
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Nütschau

Wer glaubt, dass in Klöstern nur andächtige Stille herrscht, irrt gewaltig. Im Domizil der Benediktinermönche in Nütschau geht es dieser Tage quirlig zu. Ein Lachen und Gewusel ist auf den Gängen zu hören. Familien mit Kindern verbringen im Haus Ansgar ihre Ferien. Und um das Angebot für alle Generationen komplett zu machen, steigt in Nütschau vom 6. bis 8. September das Jugendfestival „Just.Begin“. Drei Tage lang wird im Jugendhaus diskutiert, gebetet, musiziert und freilich auch gefeiert.

Marketing im Sinne Gottes

Wie eine solche Nachricht möglichst wirksam in der Öffentlichkeit gestreut werden kann, weiß Bruder Lukas nur zu genau. Bis er zum Orden stieß, machte der gebürtige Kölner noch Kunden den Mund mit ansprechender Kaffee-Werbung wässrig, betreute neben Tchibo viele andere große Auftraggeber. Vor fünf Jahren hängte der Marketing-Manager dann endgültig seinen weltlichen Job an den Nagel, um sich dem Benediktinerorden anzuschließen. Doch ganz gelingt es ihm nicht, die alte Haut abzustreifen. Auch für das Festival hat er seiner Kreativität wieder freien Lauf gelassen.

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Bibelzitate griffig dargestellt

„Ja, ich gebe zu, da kommt der Werbefachmann wieder durch. Ich kann es nicht verleugnen. Aber jetzt werbe ich für das Wort Gottes“, sagt der 42-Jährige lachend und präsentiert fünf durchgestylte Postkarten und Plakate, die auf das Event im September neugierig machen sollen. Darauf sind jeweils andere Bibelzitate aufgeführt, die Bruder Lukas und das Organisationsteam des Jugendhauses mit einem gewitzten Schlüsselbegriff überschrieben haben. „Scheinwerfer“ lautet etwa der Titel des Zitats „Ich bin das Licht der Welt“. Begriffe wie „Kunstwerk“, „Mutmacher“ oder „Werbemittel“ stehen auf anderen Karten. Und um das Design perfekt zu machen, sind ihre Ms oder Ws in der Mitte wie die gezackte Silhouette des Nütschauer Klosters gestaltet – mal gerade, mal auf den Kopf gestellt. Den Blickfang schlechthin bilden aber die jungen Leute, die sich für die Kampagne haben fotografieren lassen. Sie sind Freunde und Wegbegleiter der Klostergemeinschaft, haben im Jugendhaus Workshops belegt oder auch ein Praktikum absolviert.

Diese jungen Leute stehen zu ihrem Glauben an Gott. Sie laden zum Jugendfestival vom 6. bis 8. September nach Nütschau ein.

„Wir haben alles im Team entwickelt. Uns kam die Idee, dass es nichts Besseres geben kann, als Menschen zu Wort kommen zu lassen, die für den Glauben stehen“, erklärt Bruder Lukas. Er zeigt große Hochachtung dafür, dass die jungen Leute bereit waren, vor die Kamera zu treten. „Schließlich sind sie jetzt auf jedem Plakat in der Kirche zu sehen“, sagt der Mönch.

Spannendes Festivalprogramm

Flix Highfield und Marius Evan haben sich ebenfalls ablichten lassen. Ihre Postkarte hat nicht ohne Grund das Logo „Partymacher“ abbekommen. Denn sie spielen am Abend des zweiten Festivaltags mit ihrer Band „OH FYO“. Die Lübecker hatten dieses Jahr gar die Chance, beim bekannten „Rock-im-Park-Festival in Nürnberg aufzutreten. Auch „Leuchtfeuer“, die Musikgruppe der Stormarner Werkstätten ist dabei, wenn die Scheinwerfer auf der Bühne am Jugendhaus angehen. Das gesamte Line-Up steckt voller Überraschungen. Das unter anderem mit Fiddeln, Akkordeon, Klarinette und Percussion ausgerüstete Oktett namens „Hyps4Gyps“ spielt tanzbare Folklore vom Balkan bis nach Irland und Skandinavien. Deutschen Party-Punk hat „Captain Karacho“ aus Hannover im Gepäck, die Hamburger „Funktries“ wollen mit einem Funk-Country-Mix für gute Laune sorgen und die drei Schwestern „BESS3R“ haben sich dem mehrstimmigen Gesang von Indie Rock- und Popsongs verschrieben.

Bruder Lukas empfängt hohe Weihen

Der Party geht noch ein anderer Höhepunkt voraus. Bruder Lukas, der vor drei Wochen sein Theologiestudium abgeschlossen hat, wird von Erzbischof Dr. Stefan Heße beim Hauptgottesdienst zum Diakon geweiht, der Vorbereitung für das Priesteramt. „Normalerweise geschieht dies in der Domkirche in Hamburg. Aber da wir ein autarkes Kloster sind, laden wir ihn ein und er darf bei uns die Weihe vornehmen“, erklärt Bruder Lukas. Dazu lege der Bischof ihm die Hand auf, ein mit dem Sakrament verbundenes Ritual, das in der katholischen Kirche über die Jahrhunderte hinweg nachweisbar sei.

Welche Aufgaben hat ein Diakon?

Diakonehaben in der katholischen Kirche zunächst die Aufgabe dem Priester in der Messe zu assistieren. Sie können predigen, die Taufe spenden, kirchliche Trauungen und Begräbnisfeiern leiten, Wortgottesdienste feiern, die Kommunion und Segnungen spenden.

Schwerpunkt ihrer Arbeit ist aber, sich um Arme, Kranke und Menschen am Rande der Gesellschaft zu kümmern. Das betrachtet auch Bruder Lukas aus Nütschau als wichtige Mission. Nach seiner Weihe will er bettlägerige Gläubige zu Hause oder im Krankenhaus besuchen sowie auf Wunsch auch später den Menschen im neuen Hospiz in Bad Oldesloe und ihren Angehörigen Trost spenden. Im Mai kommenden Jahres wird Bruder Lukas er zum Priester geweiht.

Austausch mit Mönchen und Nonnen

Nicht zuletzt bietet das Festival aber genug Raum zum Austausch mit den Mönchen, den weiblichen Festivalbesuchern stehen Nonnen aus dem Berliner Kloster Alexanderdorf als Gesprächspartner zur Verfügung. Hinzu kommen kreative Angebote wie eine Fototour durch die Natur auf der Suche nach den Schönheiten göttlicher Schöpfung oder das Singen von Worship-Songs. Mit einer Heiligen Messe und anschließendem Reisesegen endet „Just.Begin“.

Von Dorothea von Dahlen