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Stormarn Kinder lernen nicht mehr Schwimmen: DLRG befürchtet mehr Badeunfälle
Lokales Stormarn

Kinder lernen nicht mehr Schwimmen: DLRG befürchtet mehr Badeunfälle

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20:00 25.03.2021
Derzeit sind Schwimmhallen und Bäder in Stormarn geschlossen.
Derzeit sind Schwimmhallen und Bäder in Stormarn geschlossen. Quelle: Archiv/Christoph Hardt
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Bargteheide

Aufgrund der geschlossenen Schwimmhallen und Bäder können Kinder seit einem Jahr nicht mehr Schwimmen lernen. Der DLRG-Landesverband warnt, dass dadurch im Sommer an Seen und Küsten mehr Badeunfälle drohen. In Bargteheide will sich der Rotary-Club Bargteheide dafür einsetzen, dass mehr Schwimmunterricht für Kinder angeboten wird.

20 000 Kinder ohne Schwimmunterricht

„Der DLRG-Landesverband ist mit der Politik im Gespräch, weil wir feststellen, dass aufgrund der Pandemie in diesem Jahr schon rund 20 000 Kinder nicht schwimmen lernen konnten“, erklärt DLRG-Landesgeschäftsführer Thies Wolfhagen. „Das ist ein ganzer Jahrgang, der keinen Schwimmunterricht bekommen kann.“ Die Ausbilder vom DLRG, dem Schleswig-Holsteinischen Schwimmverband, von Schulen und Schwimmbädern hätten alle dasselbe Problem. „Es gibt aktuell nur sehr begrenzte Möglichkeiten, um Schwimmunterricht anzubieten.“ Hallen und Freibäder sind geschlossen, und wenn sie öffnen dürfen, sind die Möglichkeiten eingeschränkt. „Schon vor Corona hatten wir beim Schwimmunterricht Wartelisten bis zu einem Jahr“, sagt Wolfhagen.

Die meisten Grundschüler können nicht ausreichend schwimmen. Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

Bäder schnell öffnen

Wichtig sei es, jetzt schnell Möglichkeiten zu finden, wie die Bäder wieder öffnen können. „Wir haben Hygienekonzepte erarbeitet, wie Kinder in Kleingruppen unterrichtet werden könnten, aber es ist alles geschlossen.“ Nur Leistungs- und Rettungsschwimmer dürften trainieren, vorausgesetzt, sie finden einen Betreiber, der die Halle öffnet. „Je mehr Wasserzeiten fehlen, desto schwieriger wird es, den Stau aufzuholen“, befürchtet Wolfhagen. „Wenn es wieder geht, brauchen wir zusätzliche Wasserzeiten und -flächen für die Ausbildung. Wir schieben jetzt schon eine Welle vor uns her.“ Denn rund 60 Prozent der Schüler könnten am Ende der Grundschule nicht ausreichend schwimmen. „Minimum ist das Bronze-Abzeichen“, sagt Wolfhagen, „das Seepferdchen ist schön, reicht aber nicht.“

Das Freibad in Bargteheide wird derzeit umgebaut. Quelle: Manfred Giese

Eigentlich habe man die Hoffnung gehabt, am Ende der Osterferien wieder anfangen zu können, aber das sehe bisher nicht so aus. „Dadurch wird die Zahl der Nichtschwimmer weiter steigen“, erklärt Wolfhagen. Als Folge sei zu befürchten, dass im Sommer dann auch die Zahl der Badeunfälle steigt. „Die Strände an Ost- und Nordsee sind im Sommer voll“, sagt Wolfhagen. Vor dem Hintergrund ist es wichtig, dass auch Rettungsschwimmer ausgebildet werden können.

Rettungsschwimmer suchen Hallen

Weil Mitte Mai die Badesaison beginnt, sei es dringend erforderlich, dass Rettungsschwimmer zum Trainieren und zur Qualifizierung zeitnah wieder ins Wasser könnten, heißt es in einem offenen Brief der DLRG-Ortsgruppen von Bargteheide, Barsbüttel, Reinfeld und der Kreisgruppe Stormarn an den Kreis Stormarn. „Durch die weitgehende Schließung der Bäder seit dem Frühjahr 2020 wächst die Gefahr, dass sich die Zahl der Ertrinkenden erhöht.“ Daher gehe die Bitte an den Kreis, in Schwimmhallen im Kreisgebiet schnellstmöglich Zeiten für Trainings- und Ausbildungszwecke für die Wasserrettung zur Verfügung zu stellen. „Unsere Gesellschaft benötigt dringend gut ausgebildete und trainierte Rettungsschwimmer, damit diese die Sicherheit in den Freibädern, an Seen sowie der Nord- und Ostseeküste auch in diesem Jahr sicherstellen können.“

Eine Rettungsschwimmerin beobachtet den Badestrand. Quelle: Markus Scholz/dpa

Projekt in Bargteheide

In Bargteheide hat sich jetzt auch der Rotary-Club Bargteheide des Themas angenommen. „Schwimmen ist mehr als Sport und Spaß. Es ist vor allem lebenswichtig“, sagt Werner Mitsch, Mitglied des Rotary Clubs Bargteheide. Die Rotarier wollten daher die DLRG Bargteheide mit 3600 Euro für eine Bundesfreiwilligendienst-Stelle zur Förderung der Schwimmfähigkeit von Kindern in der Region unterstützen. Die Stelle soll für ein Jahr finanziert werden und möglichst auch in Zukunft weiter bestehen.

Ziel ist es, Kindern regelmäßigen Schwimmunterricht zu ermöglichen. „Mit professioneller und spielerischer Anleitung lernen Mädchen und Jungen im Kindergarten- und Grundschulalter schnell und sicher Schwimmen“, betont Mitsch. Zwar biete die DLRG Bargteheide bereits im Schwimmbad des Heinrich-Sengelmann-Krankenhauses in Bargfeld-Stegen Schwimmkurse für Anfänger an, aber das reiche nicht. „Bisher passten vielen Kindern unsere Zeiten nicht oder das Schwimmbad war nicht verfügbar. Zudem fehlte es an Schwimmausbildern“, sagt Martin Knaffel von der DLRG Bargteheide. Gemeinsam mit der Stelle des Bundesfreiwilligendienstes der DLRG Ahrensburg soll ab August ein Zweierteam vormittags in die Kindergärten in Bargteheide, Ahrensburg und der umliegenden Gemeinden gehen, um dort im Zuge des DLRG-Kindergartenprojekts über die Gefahren am und im Wasser aufzuklären.

Bargteheider Freibad öffnen

In der Freibad-Saison 2022 würden diese Ausbilder mit Unterstützung weiterer ehrenamtlicher DLRG-Kräfte zusätzliche Schwimmkurse im Bargteheider Freibad anbieten, kündigt Knaffel an. „Wir wünschen uns, dass das Bargteheider Freibad trotz der Bauarbeiten in diesem Jahr provisorisch so früh wie möglich öffnen kann, damit die Kinder die DLRG Schwimmkurse nutzen können.“ Auch die Politik in Bargteheide unterstützt die Öffnung des Freibads und setzt sich für eine Interimslösung ein, die es ermöglichen würde, das Bad trotz der Umbauarbeiten zu öffnen.

Von Bettina Albrod