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Stormarn Kinderarmut im Kreis: Schüler rütteln auf
Lokales Stormarn Kinderarmut im Kreis: Schüler rütteln auf
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23:24 21.09.2015
Mit 7000 blauen Fähnchen vor dem Ahrensburger Schloss hat der Stormarner Kinderschutzbund gestern ein eintägiges Mahnmal gegen Kinderarmut geschaffen. „Jedes Fähnchen steht für ein Kind, das von Hartz IV oder Sozialgeld leben muss“, sagte Geschäftsfüher Ingo Loeding (M.). Die Aktion unterstützten auch die Vorsitzende Birgitt Zabel und Kreispräsident Hans-Werner Harmuth. Quelle: Bettina Albrod
Ahrensburg

 Jedes Fähnchen stand dabei für ein Kind, das von Hartz IV oder Sozialgeld leben muss.

Die Vorsitzende des Kinderschutzbundes, Birgitt Zabel, bedauerte, dass sich die Entwicklung wieder umkehrt. „Die Armutszahlen im Kreis Stormarn sind seit mehr als einem Jahr wieder kontinuierlich steigend“, sagte sie. „Mittlerweile haben wir einen Stand erreicht wie zuletzt 2011. Jedes sechste Kind in Stormarn ist arm.“ Ein Grund sind die Flüchtlingskinder, die inzwischen nach Stormarn gekommen sind — auch sie leben an der Armutsgrenze.

Genaue Zahlen kennt Geschäftsführer Ingo Loeding nicht. „Wir brauchen endlich exakte Zahlen“, so seine Forderung. Lediglich die Zahlen der Kinder, die Hartz-IV-Leistungen erhalten, seien dem Kinderschutzbund bekannt. Wohngeldempfänger und Flüchtlingsfamilien würden nicht gezählt. Deshalb, so Loeding, müsse man die aktuellen Zahlen verdoppeln. Hinter den 3402 betroffenen Kindern in Stormarn verbürgen sich wesentlich mehr. 8,32 Prozent der Kinder im Kreis, so die Statistik, leben 2015 in Armut. „Hochburg ist Bad Oldesloe mit 18,42 Prozent, gefolgt von Heilshoop mit 16,83 Prozent.“ Am besten ist die Lage in Rausdorf, Nienwohld und Hohenfelde mit null Prozent.

In Euro bedeutet das, dass ein sechsjähriges Kind lediglich 2,90 Euro pro Tag für Essen und Trinken zur Verfügung habe. „Armut wirkt sich negativ auf die Gesundheit, auf die Bildung und auf die soziale Teilhabe aus“, warnten Loeding und Zabel. Sie seien froh, dass sich nach elf Jahren, in denen es die Aktion gibt, erste Sozialausschüsse in den Kommunen das Thema Kinderarmut auf die Tagesordnung setzten. „Auch in Ahrensburg hat sich die Situation verbessert“, lobte Loeding. „Von den Ferienpass-Aktionen werden in diesem Jahr 70 Prozent kostenfrei angeboten.“ Das sei wichtig, weil arme Kinder nicht in Urlaub fahren könnten und Hauptnutznießer der Ferienaktionen seien. „Jedes Kind in Armut ist eines zuviel“, sagte Kreispräsident Hans-Werner Harmuth. „Stormarn zählt zu den wirtschaftsstärksten Kreisen.“

Bewusst geworden ist das Problem mittlerweile auch Schülern, die sich in Ahrensburg an der Fähnchenaktion beteiligen. 100 Schüler der Sozial-AG der Stormarnschule sowie von den beruflichen Schulen plagten sich bei strömendem Regen damit ab, die Fähnchen in die Wiese zu pflanzen. Es sei gut, dass das Thema Kinderarmut auch in den Schulen angekommen sei, lobte Zabel. „Die Fähnchen-Aktion gehört fest zu den Stormarner Kindertagen, die an die Umsetzung der UN-Kinderrechte erinnern sollen.“

110 Veranstaltungen in den kommenden 14 Tagen weisen auf die Themen Kinderrechte und -armut hin. Zu den Forderungen des Kinderschutzbundes gehören kommunale Hilfsfonds, Mahlzeiten in den Schulen und Kindergärten, die nicht mehr als ein Euro kosteten, oder die kostenfreie Nutzung von Freizeit- und Bildungsangeboten.

So viele Kinder gelten in der jeweiligen Kommune als arm
Bad Oldesloe           18,42%

Heilshoop             16,83%

Glinde               15,00%

Klein Wesenberg         12,86%

Reinfeld             10,49%

Rümpel              9,21%

Ahrensburg            8,69%

Trittau                8,36%

Elmenhorst            6,98%

Bargfeld-Stegen          6,57%

Bargteheide            5,46%

Zarpen              5,36%

Grabau              1,86%

Das ganze Jahr über hilft der Notfonds des Stormarner Kinderschutzbundes, der sich aus Spenden speist und unkomplizierte Soforthilfe leistet. Hauptförderer ist die Sparkassen-Sozialstiftung. Hier trug der Großhansdorfer Lions-Club gestern mit einer Spende von 4000 Euro aus einem Benefiz-Golfturnier zur Linderung der Not bei.

Spenden an: Kinderschutzbund Stormarn, IBAN: DE50 2135 2240 0130 0083 54, BIC: NOLADE21HOL, Sparkasse Holstein.

Bettina Albrod