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Stormarn Kinderbetreuung: Was Eltern sich wünschen
Lokales Stormarn Kinderbetreuung: Was Eltern sich wünschen
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07:00 11.02.2019
Auch die Kita Meddewade wird stark nachgefragt. Quelle: dvd
Bad Oldesloe

Der Kreis Stormarn hat seine große Elternbefragung ausgewertet – und im Rahmen einer Fachtagung allen an der Kita-Bedarfsplanung beteiligten Personen aus Politik und Verwaltung die Ergebnisse vorgestellt. Schon im Jahr 2013, bei der ersten Elternbefragung, konnten die Trends der zukünftigen Nachfrage an Betreuungsplätzen recht gut wahrgenommen werden. Nun versprechen sich alle Beteiligten von der aktuellen Umfrage noch passgenauere Prognosen. Der Betreuungsbedarf ist auf jeden Fall innerhalb der fünf Jahre überall deutlich gesteigen.

„Infolge des gesellschaftlichen Wandels in den letzten fünf Jahren hat sich das Bedarfs- und Anspruchsgefüge der Eltern elementar verändert“, erklärt Holger Hofmann vom Fachdienst Familie und Schule in der Kreisverwaltung. „War die öffentliche frühkindliche Betreuung 2013 möglicherweise noch eine Utopie, ist sie nunmehr praktisch gelebte Realität.“

Betreuungsbedarf:

Insgesamt waren 8734 Eltern angeschrieben worden. 3649 gültige Antworten kamen zurück, eine Quote von guten 41,8 Prozent. Dabei kam heraus, dass 53 Prozent der Eltern von Kindern unter drei Jahren eine Betreuung in einer Kita oder bei einer Tagespflegeperson wünschen. Allerdings gab es dabei erhebliche regionale Abweichungen (47 bis 63 Prozent). Nach Jahrgängen aufgeschlüsselt sehen die Betreuungswünsche wie folgt aus: Bei den Kleinsten (U1) wünschen sich acht Prozent der Eltern eine Betreuung, bei den Unter-zwei-Jährigen sind es schon 66 Prozent, bei den U3 bereits 83 Prozent und bei den U4-Kindern 93 Prozent.

Je nach Lebenssituation der Eltern und dem Alter des Kindes und dem Wohnort gibt es bei den Befragten mit Kindern unter zwei Jahren einen Betreuungsbedarf zwischen 85 Prozent (Amt Siek) und 63 Prozent (Stadt Reinbek). Ab dem zweiten Lebensjahr des Kindes wünschen sich die meisten Eltern einen Ganztagsplatz. Der gewünschte Betreuungsort ist in 93 Prozent der Fälle der Wohnort.

Betreuungszeiten:

Fast alle Eltern erwarten dabei eine Betreuung zwischen 9 und 13 Uhr, 95 Prozent wünschen sich einen Beginn um 8 Uhr und fast 50 Prozent noch einen Beginn zwischen 7 und 8 Uhr. Nachmittags sinken die Erwartungen kontinuierlich von 95 Prozent (ab 13 Uhr) auf 17 Prozent (17 bis 18 Uhr). Nach 18 Uhr erwarten immerhin noch vier Prozent eine Kindertagesbetreuung.

„Es wird sichtbar, dass Wunsch und Wirklichkeit für die Eltern oft noch nicht übereinstimmen, denn der gewünschte Umfang der Betreuung lässt sich häufig nicht umsetzen“, sagt Wilhelm Hegermann, Fachbereichsleiter Jugend, Schule und Kultur bei der Kreisverwaltung. Da müssten jetzt Städte und Gemeinden sensibilisiert werden, eine verlässliche Betreuung anzubieten.

Der Ist-Zustand:

43 Prozent der Kinder unter drei Jahren werden in Kindertagespflege- (15 Prozent) oder Kindertageseinrichtungen (29 Prozent) betreut. 64 Prozent der U1- bis U3-Kinder befinden sich hauptsächlich in der Obhut ihrer Eltern. Weitere acht Prozent werden hauptsächlich von Großeltern, Verwandten oder Freunden betreut. Knapp ein Prozent wird durch andere Personen entgeltlich betreut. Insgesamt 56 Prozent der U1- bis U3-Kinder erfahren (noch) keine öffentliche Betreuung.

Der durchschnittliche Betreuungsumfang pro Woche beträgt 37 Stunden. Von den bereits betreuten U1- bis U3-Kindern nehmen elf Prozent einen halben, 35 Prozent einen dreiviertel und 46 Prozent einen vollen Betreuungsplatz in Anspruch.

Gewünschter Umfang:

Soweit Kindertagesbetreuung gewünscht wird, erwarten die Eltern fast ausnahmslos eine Betreuung von Montag bis Freitag. Nur sieben Prozent der Eltern würden ihr Kind gerne auch sonnabends betreut sehen, sogar knapp Prozent auch noch am Sonntag.

Der gewünschte zeitliche Umfang der Betreuung verändert sich mit zunehmendem Lebensalter der Kinder kaum. Im Durchschnitt werden sowohl für U1- bis U3-Kinder als auch Ü3-Kinder 37 bis 38 Stunden pro Woche gewünscht.

Verpflegung und Betreuung an Schließtagen:

91 Prozent der befragten Eltern wünschen eine Mittagsverpflegung für ihre Kinder. Für U1- bis U3-Kinder erwarten 56 Prozent, für Ü3-Kinder 70 Prozent der Eltern eine Betreuung an Schließtagen.

Bewegung erwünscht:

34 Prozent der befragten Eltern legen Wert auf einen Wald- oder Naturkindergarten. Größter Favorit aller Eltern ist mit 48 Prozent ein Bewegungskindergarten. Kirchlich-religiöse Konzepte wünschen sich nur elf Prozent.

Bildungsbürger und Migranten:

Im zweiten Lebensjahr besteht bereits ein Betreuungsbedarf für 66,4 Prozent aller U2-Kinder. Auch hier formulieren formal hoch qualifizierte Eltern mit 76,1 Prozent deutlich höhere Betreuungsbedarfe als Eltern mit einfachen oder mittleren Bildungsabschlüssen (59,8 Prozent). Ähnlich verhält es sich in den anderen Altersgruppen.

Während hier bereits 71,6 Prozent der Eltern ohne Migrationshintergrund Betreuungsbedarfe nennen, sind dies unter den Eltern mit Migrationshintergrund nur 48,1 Prozent. Familien mit zwei Berufstätigen oder berufstätigen Alleinerziehenden äußern mit 76,1 Prozent einen signifikant höheren Betreuungsbedarf als Eltern mit lediglich einem oder einer Berufstätigen (59,8 Prozent).

Regionale Unterschiede:

In Bad Oldesloe (47 Prozent), Bargteheide (49 Prozent), Reinfeld (50 Prozent) und im Amt Bargteheide-Land (51 Prozent) wurden die geringsten mittleren Bedarfe evaluiert. Die höchsten Bedarfe äußerten Eltern im Amt Siek (63 Prozent), Oststeinbek (58 Prozent) sowie Glinde und Tangstedt (je 57 Prozent).

In den Altersgruppen U1 bis U3 werden in Ahrensburg (57 Prozent), Reinfeld (56) und Bargteheide (55) überdurchschnittlich viele Kinder ganztags betreut. Im Amt Siek (25 Prozent), Amt Bad Oldesloe-Land (34) und Amt Nordstormarn (35) ist wiederum die Zahl der Ganztagsplätze deutlich unterdurchschnittlich.

„Mit dieser Befragung hat der Kreis Stormarn sowohl einen großen Schritt in Richtung Familienfreundlichkeit als auch hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie getan. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es auch für die Wirtschaft im Kreis wichtig, dass die Wünsche der Eltern bezüglich Beruf und Betreuung umgesetzt werden“, sagt Kreissprecher Drenckhahn.

„Diese Abfrage der Kreisverwaltung ist ein wichtiger Schritt, der allerdings erst einmal nur eine bestimmte Alterskohorte der Kinder abbildet“, sagt die Kreis-Gleichstellungsbeauftragte Sophie Olbrich, bei der sich auch immer wieder Mütter und Väter melden, die in den Job zurück oder die Arbeitszeit erhöhen wollen und durch die unzureichende Betreuung für ihre Kinder ausgebremst werden. „Zum Beispiel auch im Bereich der Nachmittagsbetreuung für Schulkinder wäre eine Bedarfsabfrage sinnvoll, damit die Betreuungsbedarfe in der Planung der Kommunen rechtzeitig berücksichtigt werden können.“

Der gesamte Bericht ist auf der Internetseite des Kreises www.kreis-stormarn.de einzusehen. Um die Kita-Bedarfsplanung geht es auch auf der Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Kreises am 25. Februar, 19 Uhr, in Raum D 132 in der Kreisverwaltung in Bad Oldesloe.

Markus Carstens

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