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Stormarn Ahrensburger Pastor erklärt die Modewelt der Geistlichen
Lokales Stormarn Ahrensburger Pastor erklärt die Modewelt der Geistlichen
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14:41 26.03.2019
Pastor Oliver Okun erlaubte den Blick in seinen Kleiderschrank.
Pastor Oliver Okun erlaubte den Blick in seinen Kleiderschrank. Quelle: Bettina Albrod
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Ahrensburg

„Was ziehe ich heute an?“ Diese Frage stellen sich auch Pastoren, ehe sie in der Kirche stehen. Denn der schwarze Talar ist längst nicht das einzige Kleidungsstück, das es für Geistliche gibt. Am Donnerstag erlaubte Pastor Oliver Okun von der St. Johannes-Kirche in Ahrensburg Besuchern einen Blick in seinen evangelischen Kleiderschrank. Bei seinem Vortrag „Schwarz, weiß oder ganz ohne?“ präsentierte er vor dem Altar die Vielfalt der liturgischen Kleidung vom Beffchen bis zum Barett, das nur im Freien getragen wird.

Die meisten kennen Pastoren nur im großen Schwarzen: Dabei ist dieses Kleidungsstück noch relativ jung. „Der Talar wurde am 20. März 1811 von König Friedrich Wilhelm III. Von Preußen per Verordnung zur Amtstracht bestimmt. Talar kommt von lateinisch talus, das bedeutet Fußknöchel“, erläuterte Okun. So lang solle das Gewand sein. Allerdings hätten manche Kollegen auch geerbte Talare, die je nach Größe des Vorgängers auch schon mal nur bis zum Knie reichten. Vorher hätten Geistliche beim Gottesdienst alles tragen können. Vorbild für die neue Amtstracht sei für den König Luther gewesen. Der werde auf Bildern oft in einer Schaube, einem mittelalterlichen Mantel gezeigt. „Doch hier irrte Friedrich Wilhelm, denn im Gottesdienst hat Luther weiß getragen.“

Der Bademantel Gottes

„Wer den Talar anzieht, hält dabei eine kurze Andacht“, sagte Okun: „Ein Talar hat 17 Knöpfe, zehn für die zehn Gebote und sieben für das Vater Unser.“ Je nach Landeskirche gebe es unterschiedliche Ausführungen des Talars. Von denen hatte der Pastor einige zum Anfassen mitgebracht und an einer Kleiderstange im Altarraum aufgehängt. „In Kurhessen hat man vor Jahren einmal versucht, die Form des Talars zu variieren.“ Dabei sei ein Kleidungsstück mit lila Besatz und V-Ausschnitt heraus gekommen, das die Pastoren den „Bademantel Gottes“ nannten. Durchsetzen konnte er sich nicht. In anderen Ländern kann man auch der Paenula begegnen, einem reich bestickten Umhang, der von der Wortbedeutung her ein Regenmantel ist. In den Tropen trägt man den Missionarstalar in Weiß, den klassischen schwarzen Talar dagegen hat ein Pastor nur in Deutschland und Mitteleuropa an.

Bischöfin Kirsten Fehrs (l.) und Pastorin Dr. Claudia Tietz in der hanseatischen Halskrause. Quelle: Martina Janke-Hansen

Das Beffchen und der Bart

Dazu legt er das Beffchen an, einen weißen Halsschmuck, der als eine Art geistliches Lätzchen fungiert. „Früher waren die Haare gepudert. Das Beffchen sollte den Talar vor Puder und fettigen Bärten schützen.“ Vom Beffchen gibt es drei Varianten, die dem Betrachter sofort signalisieren, zu welcher Landeskirche ein Pastor gehört. Okun hatte viele Bilder dabei, um seine Modenschau zu illustrieren. „Mittlerweile kann man Beffchen auch bestickt bekommen, je nach Anlass“, zeigte Okun. Trauringe, Fisch und Friedenstaube oder Spielerisches für die Kinderkirche verleihen modische Akzente.

Vom weißen Chorhemd, der Albe, ging es weiter zum Lübecker Ornat mit Samtrand, dem Lauenburger Ornat, das ohne Halskrause getragen wird, bis zu Lutherrock und Lutherweste, für die der modebewusste Geistliche einiges hinblättern muss, um zum Modepapst zu werden. „Ich selber trage ein Collarhemd“, sagte Okun und machte sich zum Model – das Oberhemd mit angedeutetem Beffchenkragen gibt es in vielen Farben und auch ganz lässig als Priesterpolo. Große Halskrausen statt Beffchen findet man in den Hansestädten, wo sich der gewaltige Halskragen durchgesetzt hat, der noch heute von den Geistlichen getragen wird.

Die Stolen in den liturgischen Farben symbolisieren das Joch Christi. Quelle: B.Albrod

„Grün, lila, weiß, rot und schwarz sind die liturgischen Farben“, machte der Pastor an seinen Stolen deutlich, die man zum weißen Mantelgewand trägt. „Sie ist ein Symbol für das Joch Christi. Mit dem Anlegen der Stola wird der Pastor ins Joch gespannt.“ Eine besondere Amtstracht habe der ehemalige Bischof von Hannover, Horst Hirschler, getragen. „Er ist als einziger evangelischer Geistlicher auch mit Mitra und Hirtenstab zu sehen.“ Grund sei, dass der evangelische Bischof gleichzeitig Abt des katholischen Zisterzienserklosters Loccum sei. Mittlerweile geht der Trend dahin, dass Pastoren im Gottesdienst wieder alles tragen können, vom Adamskostüm abgesehen. Das gilt für Laien nicht; für sie ist der Talar mit Beffchen tabu, denn er ist rechtlich geschützt.

Der Erzbischof von Uppsala im prächtigen Gewand. Quelle: dpa

Bettina Albrod