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Stormarn Gottesdienst in der alten Schmiede von Pöhls
Lokales Stormarn Gottesdienst in der alten Schmiede von Pöhls
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20:00 12.07.2019
Helmut Fischer und Schwiegertochter Gisela freuen sich schon auf den Gottesdienst, der in ihrer alten Pöhlser Schmiede gefeiert wird. Quelle: Britta Matzen
Pöhls

„Als Kirchengemeinde wollen wir mit den Menschen dort zusammen kommen, wo sie leben und arbeiten“, sagt Pastor Nils Wolffson. Kirchenvorsteherin Ulrike Rohwer aus Rehhorst hatte deshalb eine ganz besondere Idee. Einen Gottesdienst in der alten Schmiede von Pöhls zu feiern.

Pastor Wolffson war von dem Vorschlag sofort begeistert. Mussten nur noch die Eigentümer überzeugt werden: Familie Fischer, die die Schmiede mit einer kleinen Unterbrechung seit fast 200 Jahren betreibt. Senior Helmut Fischer runzelte zunächst zwar die Stirn, war aber dann von dem Vorhaben des Pastors doch ganz angetan. „Denn jetzt erhält die Schmiede nach 200 Jahren noch ihren Segen. Eine tolle Sache“, finden Helmut Fischer und Schwiegertochter Gisela. Sonntagmorgen, 14. Juli, ist es so weit: Kirchgänger pilgern um 10 Uhr in die Dorfstraße 20 in Pöhls, um zu beten und zugleich den Charme des alten Handwerks zu erleben.

Besondere Orte gesucht

Nach der Feier ist vor der Feier. Wer weitere besondere Orte für einen Gottesdienst in der Region anbieten möchte, melde sich gerne bei Pastor Nils Wolffson per E-Mail an pastor@kirche-zarpen.de.

Durch die anstehende Sanierung der Deckenmalerei und die Klimaregulierung in der Kirche Zarpen wird dort zeitweise ein Gerüst aufgestellt sein. Deshalb können künftig öfter Gottesdienste an ungewöhnlichen Plätzen stattfinden. „Die Sanierung beginnt, sobald unter dem Stichwort #himmelwärts ausreichend Spenden zusammengekommen sind“, teilte Pastor Wolffson mit.

Familienbetrieb seit fast 200 Jahren

Eine Schmiede in Pöhls wird erstmals 1780 in den Urkunden erwähnt. Der Schmied Heinrich Wittern meldet die Geburt einer Tochter. 45 Jahre später, 1825, erwirbt Johann Hinrich Fischer die Schmiede. Die Familie war schon seit Generationen zunächst in Steinfeld und später in Heilshoop als Grobschmied ansässig. „Dort hat sich mein Urururgroßvater aber mit den Bauern erzürnt, deshalb zog er nach Pöhls“, weiß Helmut Fischer von seinem Ahn zu berichten. Als Nebenerwerb betrieben die Fischers eine Landwirtschaft, außerdem gab es eine Krügerei im Haus.

In der Pöhlser Schmiede wird das alte Handwerk erlebbar. Hier kann man alte Werkzeuge und Gerätschaften bestaunen. Der Ofen, in dem das Eisen zum Glühen gebracht wird, funktioniert heute noch.

Maßarbeit mit Kraft und Einfühlungsvermögen

„Mit 13 Jahren bin ich damals bei meinem Vater mit dem Schmieden angefangen. In Zarpen habe ich dann drei Jahre gelernt. 17 Jahre – bis 1970 – habe ich mit meinem Vater hier gearbeitet“, berichtet Senior Fischer. Danach sei er in die freie Wirtschaft gegangen, der Schmiedebetrieb wurde so gut wie eingestellt. Das Geschäft habe sich nicht mehr gelohnt, da die Bauern ihre Schmiedearbeiten mittlerweile selbst erledigten.

„Zwei, drei Jahre später haben wir aber wieder mit dem Pferdebeschlagen angefangen.“ Die Freizeitreiter standen plötzlich vor der Tür. Ob Pony oder Pferd – jedes Hufeisen passte Helmut Fischer dem Fuß des Tieres an. Echte Maßarbeit, die viel Kraft, handwerkliches Geschick und Einfühlungsvermögen erforderte. Dabei wurde der uralte Schmiedeofen, die sogenannte Esse, mit Kohlen erwärmt. Dann erhitzte Fischer das Eisen, bis es glühte, und brachte es anschließend mit dem Hammer in Form.

Schmieden bis ins hohe Alter

Auch heute noch macht der Altmeister das Eisen heiß. Mal begradigt er verbogene Metallteile oder er repariert eine seiner Maschinen. Dass er 84 Jahre alt ist, merkt man Helmut Fischer nicht an. Er schmiedet mit Leidenschaft, wie sein Vater, Großvater und die Generationen vor ihnen, die bis ins hohe Alter im Betrieb geholfen haben. Sohn Dirk, der 2011 den Besitz übernommen hat, ist ebenfalls vom Virus infiziert, auch wenn er Elektriker statt Schmied gelernt hat.

Das große Aufräumen

Als feststand, dass der Gottesdienst in der alten Schmiede gefeiert wird, nahmen sich Vater und Sohn das große Aufräumen vor. „An einem Wochenende haben wir hier bestimmt 800 Kilo Metall rausgesammelt. Alles, was nicht mehr gebraucht wurde“, so Fischer. Alte Hufeisen, Altmetallteile, Kisten – „weg damit. Wi hebbt de letzte Eck oprümt. Dat freut mi nun ok.“ Nach Roggenhorst zum Schrotthandel haben sie die Ladung gefahren. Für das Metall gab es auch ein bisschen Geld.

Jetzt ist die alte Schmiede aber so was von ordentlich. Hufeisen haben sie fein säuberlich nach Sorten getrennt, Hammer liegen nebeneinander in einem Fach, Feuereisen sind hinter der Esse nach aufgehängt. „Wir haben alles schön dekoriert“, sagt Schwiegertochter Ulrike Fischer. Sogar die kaputten Fensterscheiben, die durch die Hitze des Feuers einst zersprungen sind, wurden durch neue ersetzt. Jetzt müssen nur noch Stühle aufgestellt werden, dann kann Pastor Wolffson mit der Predigt beginnen.

Kaffee und Kuchen nach dem Gottesdienst

„Die alte Schmiede ist ein Stück Dorfgeschichte, und wir freuen uns darauf, dass wir hier am Sonntag zusammenkommen werden“, so Ulrike Rohwer. Auch Pastor Wolffson ist schon gespannt. „Wir freuen uns sehr, dass Familie Fischer den Besuchern den Einblick in diesen historischen Arbeitsplatz gewährt.“ Im Anschluss an den Gottesdienst besteht die Möglichkeit, bei Kaffee und Kuchen sich die Schmiede noch einmal näher anzusehen und mehr über das alte Handwerk zu erfahren.

Britta Matzen

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