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Stormarn Kirche errichtet Bauzaun gegen Förderverein
Lokales Stormarn Kirche errichtet Bauzaun gegen Förderverein
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09:27 21.01.2014
Gestern ließ die Kirche vor der St. Johannes-Kirche ein Bauzaun errichten – viele kamen und demonstrierten dagegen. Quelle: Bettina Albrod
Ahrensburg

Am Montag ist die still gelegte Kirche St. Johannes in Ahrensburg auf Anweisung des Kirchengemeinderates eingezäunt worden. Die Ankündigung hatte schon am Sonntag zu Protesten des Fördervereins St. Johannes geführt. Der hatte sich nach der Schließung der Kirche im Sommer 2013 gegründet, um mit regelmäßigen Andachten und Mahnwachen vor der Kirchentür zu erreichen, dass die Kirche wieder geöffnet wird.

Mit einem Bauzaun ist den Mitgliedern der Zugang nun verwehrt. Am Sonntag waren mehr als 150 Besucher zur Andacht gekommen, um ihre Verbundenheit mit St. Johannes zu demonstrieren. Auch am Montag erschienen etwa 40 Menschen, die per Telefonkette informiert worden waren.

„Wenn der Bauzaun errichtet wird, lassen einige von uns sich mit einzäunen“, hatte Konrad Tempel von der Initiative angekündigt, und so geschah es auch. Während der beauftragte Bauarbeiter Jan Eggers von einer auswärtigen Firma nichts ahnend den Bauzaun aufbaute und freundlich eine Lücke für die Protestierer ließ, stellten sich Menschen mit Protestschildern vor die Kirche und verlangten, dass Pastorin Anja Botta mit ihnen spreche.

Seit einem halben Jahr bietet der Förderverein Gottesdienst vor der Kirchentür an. „Die Kirche ist am 1. Juli 2013 geschlossen worden, seitdem machen wir jeden Sonntag eine Andacht“, erklärt Hans-Martin Dörmann vom Förderverein. Mehr als 30 Andachten habe es schon gegeben, zu denen regelmäßig 40 bis 50 Besucher kämen. „Heiligabend waren fast 500 Menschen hier“, sagt Dörmann. Laien halten die Predigt und beten mit der Protestgemeinde, dazu gibt es Lieder und Texte aus dem kirchlichen Lektürebuch. Vor der Kirchentür steht dann ein Kreuz im Weihnachtsbaumständer, die Musik kommt vom Akkordeon. Künftig sollen die Andachten in einem Garten gegenüber gehalten werden.

„Wir sind eine friedliche Gruppe“, so Dörmann weiter, „deshalb ist der Zaun eine schockierende Nachricht.“ Den halte man für einen Vorwand, „die Kirche ist ja nicht baufällig.“ Erfahren habe man davon nur über die Presse, kritisiert Dr. Klaus Tuch vom Förderverein. „Die Kirchengemeinde lehnt ein Gespräch mit uns ab“, klagt er, „wir haben immer wieder Gesprächsbereitschaft signalisiert.“

Statt dessen habe man im Sommer Bischöfin Kirsten Fehrs angesprochen, die sich am vergangenen Dienstag mit dem Kirchengemeinderat getroffen habe. „Das Ergebnis kennen wir noch nicht.“ Gerüchte wollen wissen, dass es einen Investor für das Grundstück gebe, der dort ein Seniorenheim bauen wolle. Auch die Stadt Ahrensburg hat Interesse an dem Grundstück, sie würde dort gerne eine Kindertagesstätte haben.

185 Mitglieder hat der Förderverein derzeit, und er sammelt Geld, um die Kirche zu erhalten. „Die Heizung läuft, auch um die Orgel zu schützen“, sagt Dörmann. Seit mehr als 40 Jahren habe er sich in der St. Johannes-Kirche engagiert, seine Kinder seien hier getauft - ähnlich geht es vielen Besuchern der Andacht. Fritz Hamann spricht von einer Posse, und Helga Meier fühlt sich an Ostpreußen erinnert: „Da gab es keine Kirche, und der Pastor kam ins Haus.“

Die Kirche wolle sich von Gotteshaus, Gemeindehaus und Pastorat trennen, weil der Sanierungsstau zu groß geworden sei, um noch finanzierbar zu sein, sagt Pastorin Anja Botta: „Im Gemeindehaus und im Pastorat ist toxischer Schimmel festgestellt worden.“ Die Substanz ist noch gut, aber der Bau ist energetisch nicht saniert. „Es wird bald einen Entwidmungsantrag geben, und wir entwickeln ein Nachnutzungskonzept“, kündigt sie an. Den Bauzaun sieht auch Anja Botta mit Bauchschmerzen. „Das Symbol Bauzaun ist schwierig und wir haben uns mit der Entscheidung schwer getan“, räumt sie ein, „aber wir sind von der Versicherung und von der Bau- und Rechtsabteilung dazu aufgefordert worden.“

Auch die Glocken sollen künftig schweigen, weil sie zu einer Kirche rufen, die nicht mehr genutzt wird. Für die Kirche St. Johannes sieht Pastorin Botta keine Zukunft: „Der große Bedarf nach Kirche hat keinen Einfluss auf die Beschlusslage, die finanzielle Lage in der Gemeinde ist wie sie ist.“

Bettina Albrod

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