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Stormarn Klein Wesenberg: Rüdiger Sachau ist der neue Pastor
Lokales Stormarn Klein Wesenberg: Rüdiger Sachau ist der neue Pastor
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12:00 22.02.2020
Dr. Rüdiger Sachau war viele Jahre als Leiter der Evangelischen Akademie in Berlin tätig. Der 63-Jährige kehrt zu seinen Wurzeln zurück und startet noch mal als Gemeindepastor in Klein Wesenberg. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

Nachdem Pastor Erhard Graf Anfang November 2019 verabschiedet wurde, hat die Kirchengemeinde Klein Wesenberg jetzt wieder einen neuen Pastor. Rüdiger Sachau wird am Sonntag, 23. Februar, um 10 Uhr in der Kirche zu Klein Wesenberg feierlich mit einem Gottesdienst und anschließendem Empfang in sein Amt eingeführt. Er fängt als Vertretungspastor mit einer halben Stelle für Klein Wesenberg und Hamberge an.

Rüdiger Sachau war zuvor langjähriger Leiter der Evangelischen Akademie in Berlin, die 1999 nach Fusion der Bildungseinrichtungen in Ost- und West-Berlin entstanden war. Er führte die Einrichtung mehr als 13 Jahre lang. Der 63-Jährige schied aus eigenem Wunsch noch vor dem Ruhestandsalter aus der Leitungsfunktion aus, um sich mehr seiner Familie widmen zu können. „Wir haben zwei Enkelkinder in Hamburg, und meine Eltern sind im Pflegeheim. Ich hatte das Gefühl, wenn ich bis 66 in Berlin bleibe, sind die Kleinen schon groß und meine Eltern vielleicht nicht mehr unter uns.“

Zurück an die Basis

Seine Frau und er hätten irgendwann den Entschluss gefällt, den Weg in den Ruhestand bewusst zu gestalten. „So entstand die Idee, zurück an die Basis zu gehen“, so Sachau. Er habe sich auf eine reguläre Springer-Stelle für Vertretungsdienste beworben, die der Kirchenkreis Plön-Segeberg ausgeschrieben habe. Der neue Wohnort stand auch schnell fest: „Bad Segeberg. Dort haben wir viele Freunde.“ Rüdiger Sachau ist in der Stadt sozusagen ein alter Bekannter. Der Theologe war dort schon in den 90ern an der Evangelischen Akademie tätig. Auch kirchenpolitisch war er aktiv, unter anderem war er Vizepräsident der Synode.

Rüdiger Sachau stammt aus Niedersachsen. „Ich komme aus einer richtigen Pastorenfamilie. Mein Vater war schon Pastor, mein Urgroßvater und viele meiner Onkel. Ich bin mit Kirche groß geworden.“ Nach dem Abitur schlug Sachau jedoch zunächst einen anderen Weg ein. Er lernte Autoschlosser. „Ich wollte einfach das normale Leben kennenlernen. Handwerklich war ich immer interessiert.“ Nach der Lehre folgte er aber doch den Fußstapfen des Vaters. Er studierte Theologie, unter anderem in Hamburg. „Das war Anfang der 80er Jahre. Brokdorf, Demo, Atomkraft, Hausbesetzungen waren die Themen. Ich war Fachschaftsrat in der Theologie, natürlich hat man sich da auch politisch positioniert. Das gehörte dazu.“

„Oh Gott, Herr Pfarrer!“

Das Vikariat absolvierte Sachau bei Worpswede in Niedersachsen. Anschließend ging er mit seiner Frau und den beiden Kindern nach Bramsche/Osnabrück. „Das war eine sehr einsame Position dort, weil das überwiegend katholisches Gebiet ist.“ Rüdiger Sachau erlangte dort als Gemeindepastor eine gewisse Bekanntheit. „Es war die Zeit, als die TV-Familienserie ,Oh Gott, Herr Pfarrer’ mit Robert Atzorn spielte. Die ARD hatte die Idee, einen echten Pfarrer als Vergleich zur Serie zu filmen. Ein Fernsehteam fiel bei uns zu Hause ein und drehte unser Leben.“ Sie hätten Sachaus Frau, die Kinder und Leute im Dorf interviewt und die besondere Stimmungslage im Pfarrhaus eingefangen. „Man ist als Pastor ja eine öffentliche Person. Irgendjemand klingelt immer zu allen Tages- und Nachtzeiten. Als Familie konnte man nur für sich sein, wenn man wegfuhr“, erinnert sich Sachau an die Zeit vor 30 Jahren. Dennoch habe ihm die Arbeit großen Spaß bereitet. „Ich war gerne Dorfpastor mit all dem, was dazu gehörte.“

Mit dem neuen Posten als Gemeindepastor für Klein Wesenberg und Hamberge runde sich sein Berufsleben. „Das war damals in Bramsche ein bisschen so wie hier. Ländlicher Bereich, kleine Kirche, Dorfleben, jeder kennt jeden – das habe ich in gewisser Hinsicht auch in Klein Wesenberg. Mit dem Unterschied, dass ich hier als Vertretungspastor des Kirchenkreises nicht im Pfarrhaus wohne, sondern in Bad Segeberg.

Sachaus Doktorarbeit über Wiedergeburt

Zwei Jahre war Rüdiger Sachau Gemeindepastor in Bramsche. Danach wurde er Leiter des Sprachenkonvikts in Göttingen. „Dort habe ich praktische Theologie unterrichtet. Das war eine spannende Zeit.“ Er habe sich mit Esoterik, Weltanschauungsfragen und Medizinethik beschäftigt und nebenbei seine Doktorarbeit geschrieben. „Ich habe untersucht, warum Leute bei uns in westlichen Kulturen an Wiedergeburt glauben.“

1993 ging Rüdiger Sachau als Studienleiter für Medizinethik und Theologie an die Evangelische Akademie in Bad Segeberg. „Ich habe dort unter anderem Ärzte im Rettungsdienst mit ausgebildet – in Ethik und der Notfallmedizin mit dem Schwerpunkt ,Plötzlicher Kindstod’.“ Auch mit der Zukunft von Kirche und Religion in der Gesellschaft habe er sich an der Segeberger Akademie viel beschäftigt. Diese Themen haben ihn bis heute nicht losgelassen.

Ist Kirchensteuer noch das richtige Instrument?

„Im Moment haben wir die äußerst spannende Frage, wie die Kirche in der Zukunft aussieht. Wir wissen, dass die Mitgliederzahlen deutlich zurückgehen und damit auch die finanziellen Möglichkeiten. Wir werden in den nächsten Jahren intensiv darüber diskutieren müssen, ob die Kirchensteuer das richtige Instrument ist, um die Kirche zu finanzieren.“ Vielleicht sei eine Kultursteuer wie in Italien die Alternative. „Das ist ein sehr interessantes, aber auch sehr wettbewerbsorientiertes Modell“, so der Theologe. Jeder Bürger in Italien müsse die Kultursteuer zahlen, könne jedoch bestimmen, an welche religiöse, soziale oder kulturelle Einrichtung das Geld fließe.

„Kirche signalisiert zu viel Verschlossenheit“

Offenheit und Transparenz – darauf legt Rüdiger Sachau großen Wert. „Deshalb rede ich auch über die Probleme der Kirche offen und tue nicht so, als wenn wir die Tollen wären und immer alles besser wüssten. Das ist nicht mein Verständnis von Kirche.“ Vielmehr müsse die Kirche von den Inhalten und dem Auftreten so attraktiv und spannend werden, dass die Menschen von sich aus sagten: Hey, da möchte ich mitmachen. „Denn immer diese Vorstellung, dass man die Leute trickreich wieder zurückzwingen muss, finde ich falsch. Das ist nicht meine Intention, auch wenn ich mich durchaus als Missionar verstehe.“ Sachau findet, dass die Kirche zu viel Verschlossenheit und Unter-uns-Sein signalisiert. Man müsse stattdessen dorthin gehen, wo die Menschen seien. Beispielsweise einen Gottesdienst an der Tankstelle abhalten oder in der Einkaufspassage. Wunder solle man durch solche Maßnahmen jedoch nicht erwarten.

Umdenken in Sachen Mitgliedschaft

Die zweite große Baustelle, die die Kirche in den nächsten Jahren anpacken müsse, sei das Mitgliedschaftsverständnis. „Mitglied ist, wer eingetragen ist und Kirchensteuern zahlt. Das ist zu sehr an Vereinsmitgliedschaft orientiert.“ Sachaus Ansatz ist anders: „Ich finde, dass nach theologischem Verständnis jemand Mitglied ist, der getauft ist. Denn das ist eine Sache zwischen Gott und diesem Menschen.“ Gestufte Mitgliedschaften oder Fördermitgliedschaften könne er sich künftig vorstellen. „Da müssen wir eine Menge an innerer Freiheit lernen. Wir haben im Moment noch viele Kontrollwünsche, und das tut uns nach meinem Verständnis nicht gut.“

Wie geht es in der Region weiter?

Was dürfen die Menschen in der Kirchengemeinde Klein Wesenberg von Pastor Sachau erwarten? „Das ist klar: Ich kann nicht alles so machen wie mein Vorgänger Pastor Graf, da ich jeweils nur eine Viertelstelle für Klein Wesenberg und Hamberge habe. Also muss ich mich auf das Wichtigste konzentrieren. Aber was ich gut kann: den Menschen eine fröhliche, christliche Haltung vermitteln. Ansonsten müssen wir eine ehrliche Diskussion darüber führen, wie es hier in der Region weitergeht.“ Pastor Rüdiger Sachau freut sich jedenfalls, wieder zurück im Norden zu sein. „Es ist mir völlig klar, wenn man noch drei Jahre im Beruf hat, verändert man damit nicht mehr die Welt. Aber man kann anderen helfen, sich gut aufzustellen, um Veränderungsprozesse für die Zukunft auf den Weg zu bringen.“

Von Britta Matzen

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