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Stormarn Kita Regenbogen: Jetzt reden die Elternvertreter
Lokales Stormarn Kita Regenbogen: Jetzt reden die Elternvertreter
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06:00 11.06.2019
Die Elternvertreter der Kita Hamberge wollen konstruktiv mit allen Beteiligten nach Lösungen suchen: Steffen Redelstorff, Nina Gahrmann, Janina Schneiderat, Franziska Lukas, Annika Martens, Alexandra Renitz, Catrin Merchel und Julia Langhoff (v. l.). Quelle: Britta Matzen
Hamberge

Die Kita Regenbogen in Hamberge kämpft mit Personalmangel. Fünf von 22 Stellen sind aktuell vakant, Betreuungszeiten müssen reduziert und Gruppen tageweise geschlossen werden. Eltern hatten aus diesem Grund Alarm geschlagen und sich an die Öffentlichkeit gewandt. Berufstätige Mütter müssten die Betreuung anderweitig organisieren und hätten Sorge um ihre Jobs. In der Kita herrsche Unruhe und Druck. „Die Zähne werden nicht geputzt, weil kein Personal da ist, auch das Frühstücken kommt zu kurz. Die Kinder haben keine Zeit zum Essen“, berichtete Hilal Inac den LN. Elternvertreter würden sich bei all dem wegducken. „Über die gehe ich gar nicht mehr, ich gehe direkt ins Büro der Leitung.“

„Mit gemischten Gefühlen haben wir das gelesen“, sagt Elternvertreter Steffen Redelstorff. „Uns betrifft die Situation ja genauso wie alle anderen Eltern, denn viele von uns haben auch ihre Kinder in der Einrichtung. Wir finden es schade, dass wir Elternvertreter so wenig in Anspruch genommen werden.“ Es scheine einen Trend zu geben, sich lieber gleich an den Träger zu wenden, anstatt mit anderen Eltern und dem Team vor Ort konstruktiv nach Lösungen zu suchen.

„Die Lage ist schwierig, aber nicht so schlimm wie dargelegt“

„Es ist richtig, dass zur Zeit fünf Stellen offen sind. Die Lage ist schwierig, aber nicht so schlimm, wie es dargelegt wurde“, macht Redelstorff deutlich. Durch die gute Zusammenarbeit vieler Eltern und des gesamten Kita-Teams seien bis jetzt immer wieder Lösungen gefunden worden, um so wenig Schließungen wie möglich vorzunehmen. „Wenn Schließungen unumgänglich waren, wurden Eltern rechtzeitig informiert, sodass jeder die Möglichkeit hatte, sich eine Lösung zu suchen.“ Redelstorff berichtet von Eltern, die ihr Kind an Schließungstagen freiwillig zu Hause gelassen hätten, um ihren Platz den von der Gruppenschließung betroffenen Kindern zu überlassen.

Kita-Reformgesetz

Das Landeskabinett hat am 4. Juni dem von Familienminister Heiner Garg (FDP) eingebrachten Kita-Reform-Gesetz zugestimmt. „Wir verbessern die Kitaqualität, sorgen landesweit für faire und vergleichbare Beiträge und führen erstmals einen verlässlichen Finanzierungsanteil des Landes pro Kind ein. Das ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einem familienfreundlicheren Schleswig-Holstein“, so Minister Garg.

Der Gesetzentwurf geht jetzt in die Verbändeanhörung und wird dann nach der parlamentarischen Sommerpause dem Landtag zugeleitet. Das Gesetz soll Anfang 2020 in Kraft treten und die Reform zum Start des Kitajahres am 1.8.2020 umgesetzt werden. Vorausgegangen war ein umfangreicher Beteiligungsprozess von Landeselternvertretung, Trägerverbänden und Kommunalen Landesverbänden.

Mit der Reform sollen die Elternbeiträge ab dem 1. August 2020 zukünftig landesweit einheitlich pro Betreuungsstunde auf Höchstbeiträge begrenzt werden. Das ergibt bei einem U3-Kind einen Deckel von 180 Euro für eine 5-stündige Betreuung pro Tag (25 Stunden/ Woche) bzw. 288 Euro für eine 8-stündige Betreuung pro Tag (40 Stunden/ Woche). Bei einem Ü3-Kind ergibt sich ein Deckel von 145 Euro für eine 5-stündige Betreuung bzw. 233 Euro für eine 8-stündige Betreuung. „Die bundesweit höchsten Elternbeiträge werden damit Vergangenheit sein. Wir sorgen landesweit für gleiche und faire Startchancen für die Kleinsten. Und beenden das Gebühren-Dickicht, das kein Mensch nachvollziehen konnte“, betont Garg.

Derzeit werden von den Eltern die vollen Beiträge bezahlt, obwohl nur reduzierte Betreuungszeiten angeboten werden. Die Kita in Hamberge sei teurer als in Lübeck, wie Elternvertreterin Nina Gahrmann berichtet. Sie hat für ihr Kind einen Platz von acht bis 13 Uhr. 175 Euro werden im Monat dafür berechnet. „Wir zahlen 530 Euro im Monat –460 Euro plus 70 Euro Essen für einen Krippenplatz von 7.30 bis 15 Uhr“, sagt Franziska Lucas. 615 Euro plus 70 Euro koste die Betreuung bis 17 Uhr. „Das ist schon teuer“, findet Lucas.

Kostenerstattung wird in Aussicht gestellt

„Wir werden das mit den Kosten auf jeden Fall besprechen“, teilt Nina Gahrmann mit. In zwei Wochen finde eine außerordentliche Beiratssitzung statt, dazu hätten sie gerade die Einladung bekommen. „Die Frage, ob es eine Kostenerstattung gibt oder nicht, steht auf der Tagesordnung. Sie wird in der Sitzung gemeinsam mit dem Träger, den Elternvertretern und der Gemeindevertretung beraten. Ich denke mal, wir werden schon eine Einigung für die Eltern finden“, so Gahrmann.

Kritisiert wurde auch, dass jüngst Gruppenschließungen vorgenommen wurden, weil eine Erzieherin Urlaub hatte. „Ich finde, das kann keinen Vorrang haben. Da muss eine andere Lösung gefunden werden“, meinte Patricia Schadl. Die Elternvertreter sehen das anders. „Dass Erzieher ihren rechtmäßigen Urlaub nehmen, weil er notwendig ist, bevor es hier auf Grund der Belastung zu weiteren Ausfällen kommt, ist nur verständlich.“ Andere Mitarbeiter hätten ihren Urlaub verschoben oder gar auf Eis gelegt, um ihre Kollegen in dieser schwierigen Situation nicht allein zu lassen, und damit es nicht zu weiteren Schließungen komme.

Mitarbeiter schieben Überstunden

Positiv heben die Elternvertreter das Engagement der Regenbogen-Erzieher hervor. „Die Schulvorbereitung für die zukünftigen Schulkinder läuft weiter, der Ausflug nach Trappenkamp, das Sommerfest inklusive des Einstudierens der Theatervorführung – all das und vieles mehr findet trotz des Personalmangels statt.“ Derzeit würden viele Mitarbeiter Überstunden schieben.

Die Fluktuation ist nach Ansicht der Elternvertreter in der Kita Regenbogen nicht höher als in anderen Einrichtungen. Steffen Redelstorff: „Die Weggänge betreffen den Elementar- und Krippenbereich. Trotzdem gab es vergleichsweise nur wenige Schließungstage. Der Ausfall von sechs Schwangeren Anfang des Jahres war etwas, was nicht planbar war. Das Ganze wurde aber mit großem Herz und Einsatz bewältigt.“

Im Raum stand auch die Idee, Eltern als Laienerzieher mit ins Boot zu holen, um den Notstand zu mildern. „Das wurde ausführlich geprüft, letztendlich leider von der Heimaufsicht als nicht genehmigungsfähig dargestellt“, so Redelstorff.

„Die Erzieher sind toll“

Dass aufgrund der Personalnot nicht alles perfekt laufe, liege auf der Hand. „Aber es nützt ja nichts, das an den Erziehern auszulassen, sodass man die auch noch vergrault. Die Erzieher, die wir haben, sind toll. Die müssen wir einfach festhalten. Man kann sie nicht durch Rumzickereien auch noch vertreiben. Wir müssen versuchen, vernünftige Kompromisse zu finden“, so der Appell von Franziska Lucas.

„Das Kita-Team hat immer ein offenes Ohr, sei es kurz in der Tür beim Bringen oder beim Abholen. Auch wir als Elternvertreter sind jederzeit bereit, Anliegen der Eltern mit in die Sitzungen zu nehmen, die alle vier bis sechs Wochen stattfinden“, betont Redelstorff. Deshalb sei es der große Wunsch der Elternvertreter, dass die betroffenen Mütter und Väter mit ihren Sorgen und Nöten auf sie zukämen. „Das kann auch anonym laufen. Den Namen müssen wir nicht nennen. Hier wird keiner angeprangert.“

Kita Regenbogen als Arbeitsplatz

Die Kita Regenbogen sehen die Elternvertreter als einen top Arbeitsplatz. „Hier warten viele Kinder, ein neues hervorragendes ausgestattetes Kindergartengebäude, ein tolles Team mit vielen interessanten Betreuungsangeboten und individuellen Gestaltungsmöglichkeiten für den Arbeitsplatz. Jeder wird mit offenen Armen empfangen.“ Sie hoffen, dass die fünf freien Stellen schnell wieder besetzt werden.

Lesen Sie dazu auch:

Dramatischer Personalmangel in Kita Hamberge

Britta Matzen

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