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Stormarn Klimaschutz-Demo: Ganze Schule dabei
Lokales Stormarn Klimaschutz-Demo: Ganze Schule dabei
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21:50 31.01.2019
Tjark Wittfoth, Friederike Wrohn, Jessica Trost, Tom Petersen und Charleen Zelle (v. li.) von der Ida-Ehre-Schule haben bereits ein Transparent für die Klimademo kreiert. Tjark Wittfoth, Friederike Wrohn, Jessica Trost, Tom Petersen und Charleen Zelle (v. li.) von der Ida-Ehre-Schule haben bereits ein Transparent für die Klimademo kreiert. Quelle: Petra Dreu
Bad Oldesloe

„Fridays for Future“ heißt es europaweit seit Wochen. Jeweils freitags treffen sich Schüler, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Jetzt ist die Welle auch nach Bad Oldesloe geschwappt, wo Schüler der Ida-Ehre-Gemeinschaftsschule für den heutigen Freitag ab 11 Uhr zu einer Klima-Demo auf dem Marktplatz aufgerufen haben (die LN berichteten). Knackpunkt: Die Jugendlichen fehlen dann im Unterricht.

Während fast alle anderen Schule zurückhaltend reagieren, will die Oldesloer Stadtschule komplett zu der Demonstration gehen. Die Leitung der Grundschule ernennt die Demo kurzerhand zum Unterricht und benötigt so auch keine schriftlichen Beurlaubungsanträge der Eltern. „Die Initiative ging von den Schülern aus“, berichtet Schulleiterin Sabine Prinz. Immer mehr hätten das Thema angesprochen, so dass auch Lehrer und Eltern hinter der Demonstration stünden.

„Bei uns ist der Klimaschutz seit Jahren Thema und fester Bestandteil des Unterrichts“, erklärt Sabine Prinz. „Wir machen Projektwochen dazu, sind Klimawald- und Draußenschule. Außerdem ist die Partizipation bei uns ein wichtiger Bestandteil.“ Daher sei die Versammlung eine wunderbare Lernsituation und eine gute Erfahrung, wie man sich als Gruppe einsetzen kann, sagt die Schulleiterin.

400 Grundschüler dabei

Rund 400 Kinder und 75 Begleiter machen sich morgen klassenweise auf den Weg vom Standort der Schule an der Königstraße rund 500 Meter weiter zum Oldesloer Marktplatz. Etwa eine Stunde könnten die meisten Schüler bleiben, danach gibt es in der Schulmensa Mittagessen, einige Kinder müssten zum Bus, um nach Haus zu kommen.

Ida-Ehre-Schulleiter Andreas Bielke betonte am Tag vor der Demo noch einmal, dass diese keine schulische Veranstaltung sei, sondern privat organisiert. Wie viele Schüler sich von den Eltern beurlauben haben lassen, konnte er nicht sagen. Er rechnet jedoch nicht damit, dass heute ganze Klassen verwaist sind. „Der Unterricht findet ganz normal statt.“ Bielke weiter: „Grundsätzlich begrüßen wir das Engagement der Schüler, hätten es aber lieber gesehen, wenn sie außerhalb des Unterrichts demonstrieren.“

Kai Aagardt, Schulleiter der Beruflichen Schule Bad Oldesloe, hat ebenfalls Anfragen von Schülern. „Das sind dann unentschuldigte Fehlzeiten“, so Aagardt. Von der Theodor-Storm-Gemeinschaftsschule werde kein Schüler bei der Demo mitmachen, hieß es von der Schulleitung.

„Sie sollten es nicht während der Schulzeit tun“

Kirstin Krochmann (CDU) aus Eichede ist Vorsitzende des Kreisschulausschusses und findet es gut, wenn sich Schüler für eine Sache engagieren. „Allerdings sollten sie es nicht während der Schulzeit tun.“ Wenn es wie jetzt einen besonderen Anlass gibt und die Veranstaltung einmalig ist, sei es in Ordnung, auch am Vormittag zu demonstrieren. Sollten die Schüler es nun jeden Freitag machen, wäre es besser, am Nachmittag oder zum Beispiel in Freistunden zu demonstrieren, sagt Krochmann.

Ähnlich äußert sich Anita Klahn, Landtagsabgeordnete der FDP und zugleich Stadtverordnete in Bad Oldesloe: „Politisches Engagement und eine aktiv gelebte Demokratie von jungen Menschen begrüße ich sehr, und das wollen wir weiter fördern. Gerade bei drängenden Zukunftsfragen müssen wir die nächsten Generationen mit einbinden, denn die Entscheidungen von heute werden sie betreffen.“ Allerdings dürfe es nicht sein, dass Schüler regelmäßig dem Unterricht fern bleiben, um zu demonstrieren, selbst wenn das Anliegen Klimaschutz ein wichtiges Ziel und das Verständnis für die Demonstrationen groß ist.

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Anita Klahn sagt weiter: „Die Freitagsdemonstrationen haben ihr Ziel der öffentlichen Aufmerksamkeit erreicht und sollten jetzt gerne außerhalb der Schulzeit fortgesetzt werden. Dann hätten auch Schülerinnen und Schüler die Chance mitzumachen, für die ein unerlaubtes Fernbleiben vom Unterricht nicht in Frage kommt. Schulpflicht und politisches Engagement dürfen nicht in Konflikt zueinander stehen.“ Die Idee der Stadtschule wiederum findet die FDP-Politikerin „clever“ – solange die Aktion einmalig bleibt.

Linke auch für Schulstreiks

Unterstützung bekommen die Schüler auch von der Oldesloer SPD. „Es ist toll, wenn sich junge Menschen für ein Thema wie den Klimaschutz engagieren“, sagt der Fraktionsvorsitzende Björn Wahnfried. Und weil es ja nur ein Vormittag sei, könne der Lernstoff gut nachgearbeitet werden. Und die Schüler hätten natürlich Recht mit ihrem Anliegen: „Sie sind einfach noch länger auf diesem Planeten als wir Älteren.“

Auch die Grünen stehen hinter der Demonstration. Ortsverbandsvorsitzender Hartmut Jokisch, selbst ehemaliger Schulleiter, wird auch eine Rede über den Klimawandel halten. „Leider vergessen wir in der Debatte um Schulpflicht und Schwänzen das eigentlich Thema“, sagt Jokisch. Er freut sich auf viele Schüler bei der Demo und kann sich vorstellen, vielleicht sogar einmal im Monat zu demonstrieren.

Linke unterstützt das Schwänzen für den Klimaschutz

Die Linken gehen noch weiter und unterstützen auch das Schwänzen für den Klimaschutz – so wie es auch die schwedische Schülerin Greta Thunberg propagiert. „Wir freuen uns über das große Engagement der Schülerinnen und Schüler, die diese Demonstration organisiert haben und hoffen auf eine große Beteiligung.“, so Heidi Beutin, die Fraktionsvorsitzende der Linken im Kreistag Stormarn.

Die Linke fordert seit Langem einen schnellen Ausstieg aus der Kohle und einen konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien.“ Es sei gut, dass die Schüler sich für ihre Interessen stark machen, auch in der Unterrichtszeit. „Der Streik für eine konsequente Klimaschutzpolitik ist ein deutliches Signal an alle politisch Verantwortlichen“, ergänzt die Kreistagsabgeordnete Martina Bornstein.

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